Die Terroristen in Aleppo halten die Zivilbevölkerung der Stadt weiterhin als Geiseln gefangen, um sie als lebenden Schutzschild einzusetzen. Angehörige der russischen Armee haben einer Gruppe von Frauen und Kindern dazu verholfen, die umkämpfte Stadt unbeschadet zu verlassen. Sie berichten von der Befreiungsaktion.

 

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Rund 50 Frauen und Kinder haben Aleppo in Begleitung russischer Offiziere verlassen, erklärte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, General-Major Igor Konaschenkow, gegenüber Journalisten.
 

„Wir haben rund 50 Menschen aus der Stadt gebracht, größtenteils Frauen und Kinder. Während der Fahrt haben die Kinder geweint und sind bei Licht zusammengezuckt. Sie hatten große Angst vor Licht“, sagte Sergej Kapizyn, Chef des russischen Zentrums zur Versöhnung der Konfliktparteien in Syrien. „Später fingen die Kleinen zu lächeln an. Wir haben es geschafft!“, sagte er den Journalisten.

 

Sich zu einer Flucht aus Ost-Aleppo zu entschließen – in der Nacht, im Visier von Scharfschützen – sei für diese Menschen angesichts tagtäglicher Bedrohungen durch Terroristen nicht einfach gewesen, betont der Offizier. „Die Gelegenheit dazu kam, als die syrische Regierungsarmee unter strenger Geheimhaltung mitteilte, dass es ein Zeitfenster für die Flucht gebe“, so Kapizyn.
 
Der Gouverneur der syrischen Provinz Aleppo, Hussein Diab, versprach den Menschen Unterstützung: „Das sind unsere Leute. Wir haben für sie alles Notwendige in den Aufnahmezentren vorbereitet und hoffen, dass weitere Menschen in Aleppo ihrem Beispiel folgen“, erklärte er.

 

„Wir haben es geschafft, wir konnten aus der Blockade ausbrechen“, sagt eine der Befreiten aus Aleppo. „Schaut nur, wir eingeschüchtert unsere Kinder sind. Sie haben Angst vor den Terroristen, die das kleinste Vergehen mit Arm- oder Kopfabschneiden bestrafen. Dieser Horror lief vor den Augen der Kinder ab. Die Kinder stehen unter Schock, sie brauchen psychologische Hilfe.“

 
Zum ersten Mal behandeln Ärzte die notdürftig verbundene Schnittwunde am Arm des kleinen Baschar. Der Junge ist von einem Terroristen gefoltert worden, weil er sich weigerte, das Brot abzugeben, das er nach Hause trug. „Dann hat er eine Glasscheibe zerbrochen und mir mit einem Splitter in den Arm geschnitten. Wir wollten die Stadt verlassen, aber die Kämpfer haben es uns verboten. Sie haben Menschen gefangen, geschlagen und mit Granatwerfern bedroht. Einige Kinder haben sie den Familien weggenommen und ins Gefängnis geworfen“, berichtet der Kleine von dem Grauen in Ost-Aleppo. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass das vorbei ist“, sagt Baschar.

 

Die humanitäre Situation in den besetzten Stadtteilen ist laut Augenzeugen katastrophal: Die Terroristen werfen den Menschen nur trockene Brotfladen zu. Statt um Medikamente zu betteln, sollen sie beten, sagen die Kämpfer.

 

Alle, die die Stadt verlassen haben, brauchen Unterkünfte, Essen und medizinische Hilfe. Manche kommen bei Verwandten unter, andere werden in eigens eingerichteten Aufnahmezentren untergebracht, wo man weiter darauf hofft, dass dies nicht die letzten Menschen sind, die die besetzten Stadtteile von Aleppo verlassen konnten.
 
Bislang verbleiben in den von Terroristen besetzten Gebieten rund 3.000 Zivilisten. In den letzten 24 Stunden starben bei Angriffen von Kämpfern fünf Zivilisten, darunter ein Kind. 28 Menschen wurden verletzt.

 

Die syrischen Regierungstruppen haben am Sonntag eine Offensive im Süden Aleppos begonnen. Die Kämpfe sind nach einer dreitägigen humanitären Pause, in der Kämpfer und Zivilisten den belagerten Ostteil der Stadt verlassen konnten, erneut entflammt. Die Terroristen haben den Rückzug verweigert und der Zivilbevölkerung unter Todesdrohung verboten, Aleppo zu verlassen.
 
Bislang wurden in Ost-Aleppo bis zu 7.000 Terroristen verschiedener Gruppierungen gezählt.
 
Quelle: Sputniknews