Laut dem Nahost-Experten der britischen Zeitung „The Independent“, Patrick Cockburn, gibt es einen großen Unterschied bei der Berichterstattung in den westlichen Medien über die Kriegseinsätze im irakischen Mossul und im syrischen Aleppo, schreibt Sputniknews.

 

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„Vergleichen Sie einmal, wie die Medien über die Ereignisse in Mossul und in Ost-Aleppo berichten – und es wird Ihnen vieles zur Propaganda sagen, die wir wahrnehmen“, betonte er.

 

Cockburn erklärte, was beide Einsätze gemeinsam haben: Sowohl im Irak als auch in Syrien gehe es um eine Offensive der Regierungstruppen mithilfe der Luftstreitkräfte anderer Länder, wobei sie große sunnitische Städte stürmen, die von den Kämpfern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS, auch Daesh) kontrolliert werden.
 
In Ost-Aleppo befinden sich etwa 8000 Kämpfer, die von der syrischen Armee und schiitischen bewaffneten Formationen aus dem Iran, dem Irak und dem Libanon attackiert werden. Sie bekommen Unterstützung von der russischen und syrischen Luftwaffe. Zudem leben in Aleppo etwa 250.000 Zivilisten, betonte Cockburn.

 

Die Weltgemeinschaft habe die Bombenangriffe gegen Aleppo verurteilt – und zwar zu Recht, ergänzte er.

 

„Aber sehen Sie sich einmal an, wie internationale Medien eine ähnliche Situation in Mossul ganz anders betrachten, das etwa 300 Meilen östlich von Aleppo liegt“, so der Reporter weiter. „Dort hat die irakische Armee, die gemeinsam mit den Peschmerga-Kurden, schiitischen und sunnitischen Formationen kämpft und große Unterstützung seitens der US-Luftstreitkräfte genießt, eine Million friedliche Einwohner und etwa 5000 Kämpfer eingekesselt.“

 
Bei der Berichterstattung über den Mossul-Einsatz werfen die Medien den Kämpfern vor, friedliche Einwohner als „lebende Schutzschilder“ zu nutzen.

 

Bei der Beleuchtung der Situation in Aleppo werde aber nichts von „lebenden Schutzschildern“ berichtet, wobei die Opfer unter den Zivilisten dem „bösen Russland“ vorgeworfen werden.

 

Darüber hinaus ziehen es laut Cockburn internationale Medien, die von den Zerstörungen in Aleppo durch Russlands Luftschläge reden, vor, die Belagerung des irakischen Ramadi nicht zu erwähnen, das im Jahr 2015 durch Luftschläge der US-Fliegerkräfte zu 80 Prozent zerstört worden war.
 
Seit dem Irak-Krieg des Jahres 2003 habe sich so gut wie gar nichts geändert, stellte Cockburn fest. Damals hatten die dortigen Oppositionskräfte ausländische Regierungen überzeugt, die Einwohner des Landes hätten nichts gegen eine Invasion der amerikanischen und britischen Streitkräfte. Damals ließen sich Washington und London von irakischen oppositionellen Propagandisten und ihrem eigenen Wunschdenken täuschen.

 

Letztendlich hatten ausländische Journalisten und Medien eine völlig falsche Vorstellung von der politischen Situation im Irak. Jetzt passiere im Grunde dasselbe, ergänzte der „Independent“-Journalist.
 

„Die extreme Voreingenommenheit ausländischer Medien bei der Beleuchtung der Situation im Irak und in Syrien wird ein passendes Thema für Doktorarbeiten von Studenten sein, die sich mit der Erforschung der Propaganda bzw. des Propaganda-Missbrauchs im Laufe der Jahrhunderte beschäftigen“, so Cockburn.