Die russische Ostseeflotte erhält demnächst einem Zeitungsbericht zufolge Raketenschiffe der Bujan-M-Klasse sowie moderne landgestützte Seezielflugkörper. Dies ermöglicht laut Experten, die Ostsee-Exklave Kaliningrad besser zu schützen und auf die erhöhte Nato-Militärpräsenz in der Region zu reagieren.

 

–осси€. —евастополь. 18 феврал€ 2016. ¬оеннослужащие на трапе малого ракетного корабл€ "—ерпухов". јлексей ѕавлишак/“ј——

 

Wie die Tageszeitung „Iswestija“ am Mittwoch berichtet, sind die ersten beiden Raketenschiffe der Bujan-M-Klasse bereits aus dem Schwarzen Meer in die Ostsee unterwegs. Drei weitere sollen bis Ende 2020 gebaut und dem dortigen Verband zur Verfügung gestellt werden.

 

Jedes Bujan-M-Schiff ist rund 75 Meter lang und mit Marschflugkörpern des Typs Kalibr ausgerüstet. Es hat es eine 100-mm-Maschinenkanone und mehrere Maschinengewehre. Vor Luftangriffen ist das Schiff mit Flugabwehrsystemen des Typs Gibka geschützt. Später sollen modernere Flugabwehrsysteme und effizientere Radaranlagen installiert werden.

 

An die Ostseeflotte sollen unter anderem jene drei im Bau befindlichen Bujan-M-Schiffe wahrscheinlich gehen, deren Rümpfe vor Eis speziell geschützt sind, wie der russische Militärhistoriker Dmitri Boltenkow dem Blatt sagte: „Den entsprechenden Bauauftrag des Verteidigungsministeriums bekam das in Selenodolsk ansässige Schiffsbauwerk im laufenden Jahr nach der Rüstungsmesse ‚Army 2016‘. Zuvor wurden Bujan-M-Schiffe nicht mit dieser Eisverstärkung gebaut, da sie ursprünglich für Einsätze im Kaspischen und im Schwarzen Meer konzipiert worden waren, wo es keine akuten Probleme mit Treibeis gibt. Die Ostsee friert im Winter dagegen zu.“

 

Neben neuen Schiffen erhält die Ostseeflotte auch modernere landgestützte Waffen. „Derzeit ist ein landgestütztes Raketenregiment bei Kaliningrad stationiert. Kürzlich hat diese Militäreinheit die ersten Anti-Schiff-Raketensysteme des Typs Bal bekommen, die die veralteten Redut-Systeme ablösen“, so Boltenkow.

 

Der russische Militärexperte Ruslan Puchow kommentierte, die Stationierung neuer Waffensysteme verstärke nicht nur den Schutz der russischen Ostsee-Exklave, sondern sei auch eine asymmetrische Antwort auf die Erhöhung der Nato-Militärpräsenz in der Region.

 

„Die neuen landgestützten Raketensysteme im Gebiet Kaliningrad sowie die kleinen Raketenschiffe sollen praktisch die ganze Ostsee ins Visier nehmen – aber vor allem jene Militär-Infrastruktur, die von der Nato im Baltikum aufgebaut wird. Anstatt eine zahlenmäßig starke und aufwendige Militärformation aufzustellen, bildet Russland kompakte und zahlenmäßig kleine Raketen- und Schiffsverbände, die allerdings über ernsthafte Kampfmöglichkeiten verfügen“, so Puchow.

 

Dieser Plan habe allerdings einen gewissen technischen Haken. Solange die Bujan-M-Schiffe keine neue seegestützte Version der Flugabwehrsystems Panzir bekommen würden, seien sie für Luftangriffe vulnerabel. „Die Orte einer möglichen Inbetriebnahme der Kalibr müssen deshalb von russischen Jagdflugzeugen und Luftabwehrwaffen unbedingt geschützt werden. Dies begrenzt vorerst die möglichen Einsatzgebiete der Schiffe“, sagte Puchow.

 

Zuvor hatte das Blatt berichtet, den Kern des modernen Panzir-SM-Systems mache ein Phased-Array-Radar aus. Die Installierung solcher Radare an den Bujan-M-Schiffen erfolge voraussichtlich ab 2017.