Die von den USA angeführte internationale Koalition hat Russland um Hilfe bei den Ermittlungen der Folgen ihrer eigenen Luftschläge in Mossul gebeten, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“.

 

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Anlass dafür war der Bericht des Leiters der operativen Hauptverwaltung im russischen Generalstab, Sergej Rudskoi, dem zufolge ein US-Kampfjet am 21. Oktober eine Mädchenschule im südlichen Teil Mossuls bombardiert hatte. Und einen Tag später sollen Zivilisten bei US-Schlägen in den Orten Karakos und Hazna getötet worden sein.

 

Der Experte der Stiftung zur Entwicklung von Zivilgesellschaftsinstitutionen, Wladimir Kirejew, hält diesen Schritt jedoch nur für eine „Image-Aktion“ Washingtons. Dadurch versuchten die US-Militärs, das Gesicht zu wahren, indem sie quasi einräumten:

 

„Ja, manchmal schießen wir daneben, machen uns aber große Sorgen darüber“, vermutet er. Das passe jedoch durchaus in die Taktik der „verbrannten Erde“, zu der die Amerikaner bereits während des Zweiten Weltkriegs griffen, als sie unter anderem Dresden fast vollständig zerstörten. Damals sei ihr wichtigstes Ziel gewesen, die Deutschen moralisch zu brechen, und jetzt machten sie das gleiche im Irak, so Kirejew.

 

Auch Boris Dolgow vom Zentrum für arabische und islamische Studien am Institut für Orientalistik hält das Vorgehen der Amerikaner für einen taktischen Trick.

 

„Wenn die russische Seite zustimmt, an diesem Zusammenwirken teilzunehmen, wird das die Ermittlung gewichtiger und gegenseitig machen. Aber es wäre verfrüht zu sagen, dass die Amerikaner mit Russland in allen Aspekten zusammenwirken werden“, betonte der Experte.

 

In diesem Kontext ist nicht zu übersehen, dass Moskaus frühere Bemühungen um die Kooperation mit Washington in Syrien und im Irak bekanntlich erfolglos blieben. Und plötzlich dieser Sinneswandel…

 

Experten sehen diese Situation zweierlei. Erstens gibt es keinen Krieg ohne Opfer, und für die Amerikaner ist es wirklich sehr wichtig, um jeden Preis ihr Gesicht zu wahren. Allerdings kann niemand garantieren, dass sie anhand der von Russland bereitgestellten Angaben tatsächlich eine Ermittlung vornehmen.

 

Zweitens geht der Präsidentschaftswahlkampf, bei dem die demokratische Kandidatin Hillary Clinton Russland ständig als ein Monster dargestellt hat, allmählich zu Ende, und aus dieser Sicht könnte Washingtons Initiative ein Zeichen sein, dass sich die gegenseitigen Beziehungen doch verbessern könnten.