Die USA und ihre Koalitionspartner sollten sich bei ihrem Einsatz im irakischen Mossul beeilen, denn sonst könnten die dort eingekesselten Terroristen diese Allianz in Stücke reißen, schreibt der US-amerikanische Oberst a.D. Daniel Davis in einem Beitrag für die Zeitschrift „The National Interest“.

 

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Der wirkliche Kampf gegen den so genannten «Islamischen Staat» (IS) habe noch nicht einmal begonnen, aber der irakische Premier Haydar al-Abadi und die meisten amerikanischen Politiker sprechen vom angeblich zum Greifen nahen Sieg und planen weitere Schritte – doch dieses Siegesgeheul sei verfrüht, warnt der ehemalige Militär.
 
In dieser Situation wäre es nach seiner Meinung für Washington und Bagdad viel vernünftiger, einen alternativen Plan für den Fall zu entwickeln, dass sich die Kämpfe um Mossul in die Länge ziehen oder dass ihre Koalition zerfällt. Der IS werde alles daran setzen, um seine Positionen in dieser Stadt zu verteidigen und die Kontroversen innerhalb der von den Amerikanern angeführten Allianz auszunutzen, so Davis.

 

IS-Kämpfer werden zwar oft als „dumme Banditen“ bezeichnet, aber in Wirklichkeit können sie ihre Einsätze sehr gut planen, und zwar nicht nur taktisch, sondern auch strategisch. In den 15 Jahren der Instabilität in Afghanistan, im Irak und in Syrien haben sie große Erfahrungen im Kampf gegen die Regierungstruppen dieser Länder gesammelt und seien Experten für Diversionen und Straßenkämpfe geworden, heißt in dem Artikel.
 
Die Koalitionsmitglieder haben sich darauf geeinigt, dass es für den IS bei den Kämpfen in Mossul um Leben oder Tod gehen werde, und falls die Terroristen diese Schlacht verlieren sollten, würde der IS auseinanderfallen. Aber diese Vermutung seitens Washingtons sei nicht ungefährlich.

 

In Wahrheit könnte die Situation für die IS-Kämpfer nicht so ausweglos erscheinen. Sie können zwar nicht die ganze Stadt verteidigen, aber es bestünden keine Zweifel, dass sie sich in den vergangenen Monaten auf den „entscheidenden Kampf“ vorbereitet haben. Es sei nicht auszuschließen, dass der IS dabei bereit sei, bis zu 75 Prozent seiner Kräfte in Mossul zu opfern,  aber seine Stellungen zu verteidigen und den angreifenden Kräften möglichst viele Schaden zuzufügen.
 
Der von den Amerikanern angeführten Koalition gehören Gruppierungen an, die weder einander vertrauen noch enge Kontakte miteinander haben, so Davis weiter. Mehr noch: Unter ihnen gebe es Kräfte (beispielsweise irakische Schiiten), die früher gedroht haben, die Amerikaner zu töten. Vor dem Hintergrund der möglichen Verluste in den Kämpfen gegen den IS und der nur mühselig vorankommenden Militärkampagne könnten verschiedene sunnitische Gruppierungen auf einmal Bagdad ignorieren oder sogar beginnen, gegen die anderen Koalitionsmitglieder zu  kämpfen.

 

„Je länger der IS Widerstand leisten kann und je größeren Schaden er der Koalition zufügt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die religiösen und politischen Kontroversen zwischen den Befreiungskräften zunehmen“, so der Autor.
 
Zwar könne die Schlacht um Mossul erfolgreich enden, aber die USA begingen einen großen Fehler, indem sie den IS unterschätzt und nur mit dem eigenen Erfolg gerechnet haben, schloss Davis.

 

Übersetzung: Sputniknews