Die Artillerie- und Raketentruppe bildet in der russischen Landesverteidigung das Rückgrat der Armee. Mit Flächenfeuer und strategischen Raketen können die ballistischen Waffensysteme Russlands auf jeden möglichen Erstschlag entsprechend reagieren. Moderne und althergebrachte Waffensysteme ergänzen einander, so dass die russischen Feuerstellungen auf verschiedene Art und Weise agieren können.

 

Vorgestellt werden die Waffensysteme der Raketen- und Artilleriesysteme, wobei die moderne Raketentechnik den Luft- und Weltraumstreitkräften der Russischen Föderation zugeordnet ist. Im Zuge der Heeresmodernisierungen wurde auch die russische Artillerie auf den neuesten Stand gebracht. Dabei wurde modernste Technik mit altbewährten Methoden aus Zeiten alten Fritz kombiniert.
 

 
Die Truppengattung der Artillerie umfasst großkalibrige Geschütze und Raketen. Der Name Artillerie leitet sich aus dem altfranzösischen Begriff «artillier» ab (auf Deutsch übersetzt : mit Gerätschaft ausrüsten). Funktionell betrachtet umfasst diese Truppengattung im Heer, auf den sich sowohl dieses Video alle abgeworfenen Geschosse, die Ziele von bis zu 70 km bekämpfen. Die Rohrartillerie Russlands umfasst sowohl großkalibrige Panzer- und Feldhaubitze als auch kleinkalibrige Mörsereinheiten.
 
RS-26 hat beispielsweise eine effektive Reichweite von bis zu 11.000 km. Contra Magazin berichtete vergangenen März über die neue modernisierte Variante, die als gelenkte Überschallrakete laut Rossijskaja Gaseta die gegnerische Flugabwehr ungehindert durchdringen kann. Im Zuge der russischen Modernisierungsmaßnahmen im Militärbereich wurde die ungelenkte Artillerie, bestehend aus Rohr- und Raketenartillerie, mit modernster Technik ausgestattet.
 
Computergestützte Feuerleitsysteme optimieren die Bestimmung von Teilring und Rohraufhängung unter Berücksichtigung moderner ballistischer Erkenntnisse, die für ungelenkte Geschosse bereits vor dem Schuss vorliegen müssen. Daten hierfür liefert die beobachtende und aufklärende Artillerie, von der Lage des Ziels bis zu ballistisch relevanten ortsgebundenen Wetterdaten. Die Bundeswehr nutzt hierfür den Daten-, Lage- und Einsatzrechnerverbund der Artillerie ADLER.

 


 

Die selbstfahrende Panzerhaubitze 2S19 wurde modernisiert. Der Feuerleitprozess kann nun auch auf Informationen zurückgreifen, die auf satellitengestützte Aufklärungsmethoden zurückzuführen sind. Die Panzerhaubitze hat eine maximale Feuerreichweite von 24.700 m während die das deutsche Pendant, die Panzerhaubitze 2000, diese mit einer maximalen Reichweite von rund 42 km übertrifft. Die 2S19 Haubitze kann 8 Projektile pro Minute verschießen, die entweder das Gefechtsfeld aufhellen oder feindliche Ziele bekämpft. Vergleichbar ist die russische 2S19 mit dem westlichen Pendant Panzerhaubitze M109.
 
Anders als im deutschen Militär sind die Mörsereinheiten ebenfalls in die russische Artillerietruppe eingegliedert, deren vorgeschobene Beobachter bei der Kampftruppe das Artilleriefeuer abrufen. Zudem befinden sich noch 152-mm Feldhaubitzen im Dienste des russischen Militärs, die erstmals 1955 von den Westmächten beobachtet wurde.
 
Auf dem unteren Video wird der Einsatz von Feld- und Panzerartillerie vorgestellt, die zusammen aber auch gleichzeitig aus unterschiedlichen Geländepositionen heraus Feuerunterstützung leisten können. Im Rückzugsgebiet eignet sich die Rohrartillerie als effiziente Panzerabwehrwaffe, die im direkten Richten feindliche Panzer mit voller Wucht bekämpfen kann und leistet im Rückzugsgebiet damit einen Teil der Panzerabwehr. Bei Friedensmissionen erfüllt eine Panzerhaubitze durch ihre Präsenz eine abschreckende Wirkung.
 


 

Über das Raketen und Granatwerfersystem TOS berichtete Contra-Magazin bereits im Zuge des Syrien-Einsatzes, das mit thermobarischen Kampfgeschossen bestückt den Terroristen ein Höllenfeuer beschert. Der Langstreckenraketenwerfer BM-30 oder Smertsch basiert wie das das TOS-System auf einer unabhängigen Plattform und kann somit sowohl auf Rad- als auch auf Kettenfahrzeugen montiert werden. Zudem werden auch auch die Mehrfachraketensysteme der Sowjetunion zurückgegriffen.
 
Unterstützt werden diese Artilleriesysteme durch die äufklärende Artillerie, die mittels Radar, Schall- und Lichtmessverfahren oder Augenbeobachtung feindliche Artillerie aufklärt oder die eigene Artillerie einschießt. Zudem sammelt die aufklärende Artillerie durch Wetterzüge ballistisch relevante Wetterdaten für die Feuerleitung. Gelenkt wird das Feuer der Artillerie durch die vorgeschobenen Beobachter, die sich bei den Kampftruppen befinden und mit der Feuerleitung kommunizieren. Zudem leisten Aufklärungsdrohnen einen Beitrag zur Gefechtsfeldüberwachung.
 

Die neuen Feuerleitsysteme sind im satellitengestützten Informationssystem Glonass integriert, so dass sich die Daten aus menschlicher Beobachtung mit technisch gewonnen Daten kombinieren lassen. Vergangen Sonntag wurde ein weiterer russischer Satellit des Typen Glonass mit einer Sojus-Trägerakete in den Weltraum geschickt, der die geographische Aufklärung durch Fernerkundung unterstützt.

 

 

Von der ungefährlichen Gefechtsfeldbeleuchtung über dessen Vernebelung hin bis zur Zielbekämpfung kann die Artillerie mit ihren Überraschungseiern gleich drei Wünsche auf einmal erfüllen. Entsprechend wurde auch die Munition an verschiedenen Stellen erneuert. Von der Treibladung bis hin zum Zünder.

 

 
Abriegeln, Beleuchten oder Niederhalten, Sperren und Vernichten von Zielen sind Aufgaben der Rohr und Raketenartillerie, die eine Reichweite bis zu 70 km erreichen kann. Ihre Geschosse können sich zudem auch Störsender, Nebelgeschosse und Propaganda-Material, beispielsweise Flugblätter, beinhalten. Im Rahmen der psychologischen Kriegsführung werden oftmals zur weiteren Abschreckung oder Zersetzung der Feindbestrebungen Flugzettel verteilt, die oftmals als letzte Warnung vor dem Einsatz von tödlichen Granaten eingesetzt werden. Jenseits der 70 km übernehmen dann die eigenständigen russischen Raketentruppen den Auftrag, ein gelenktes Raketensystem.

 

 

Raketen vom Typ Iskander kommen die russischen Raketentruppen zum Zuge. Oben wird der Abschuss einer Iskander-Rakete und der Abschuss einer Smertsch aus deiner Feuerstellung gezeigt. Ballistische Boden-Boden-Raketen, wie die Iskander-Rakete, werden ebenfalls möglichst auf den neuesten technischen Stand gebracht. Neue Treibladungen und Suchzündermunition sorgen auch hier für Modernisierungsbedarf.
 
Der Marschflugkörper Iskander kann sowohl auf Radfahrzeugen als auch in Containern durch Schiffe oder Eisenbahn an den Einsatzort gebracht werden. Bei diesen Raketen kann der Flugprozess durch satellitengestützte Informationen und der SWP-40-Technik gesteuert werden. Mehrere Zündmechanismen ermöglichen das Bekämpfen von unterschiedlichen Zielen mit einer Rakete. Zudem ist ist das Iskander-Raketen-System transportfähig.
 

 

Darüber hinaus können die Raketen durch den Einsatz der russischen Fliegerabwehr „Rückendeckung“ erhalten, die wirksam Gefahren aus der Luft, wie gegnerische Artillerie oder Luftabwehrraketen, bekämpfen kann, die beispielsweise in der Lage ist, gegnerische Raketen vom Boden aus zu bekämpfen.

 
Contra Magazin berichtete in der vergangenen Woche über das Flugabwehrsystem Tor, das in der Lage ist feindliche Raketen vom durch radar- und satellitengestützte Militäraufklärung zu vernichten. Einem ständigen Modernisierungsprozess unterliegt die elektronische Kampfführung, die wesentlicher Bestandteil des computergestützten Feuerleitsysteme ist. Die Verschlüsselung des Datenfunks sowie die Abwehr vor gegnerischen Attacken elektromagnetischer Natur bilden hier einen Schwerpunkt. Im Truppensegment elektronische Kampfführung musste NATO-General Breedlove bereit eingestehen, dass Russland hier führend ist.

 
Von Christian Saarländer