Von der Leyen will ihre Pläne in Bezug auf die Cyber-Kriegsführung nun umsetzen. Auch zivile Experten sollen Teil dieser Einheit sein. Experten sehen aber zwei Probleme: die personelle Stärke der Truppe wird nicht reichen und die Bundeswehr kann den Spezialisten niemals so viel Geld bieten, wie die Unternehmen. Hier will man aber nicht konkurrieren, man setzt auf Kooperation.

 

 

Für die Cyber-Kriegführung will die Bundeswehr künftig auch auf IT-Experten aus der freien Wirtschaft zurückgreifen. Die Bundeswehr werde «gezielt eine hoch qualifizierte und schlagkräftige ‘Cyber-Reserve'» aufbauen, heißt es laut «Süddeutscher Zeitung» im Entwurf eines Konzepts für eine solche Reserve. Dabei wolle man «auch auf ungediente Freiwillige und Seiteneinsteiger» zurückgreifen, so das interne Dokument aus dem Verteidigungsministerium. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat bereits die Aufstellung eines eigenen Cyber-Organisationsbereichs in der Bundeswehr angestoßen, doch offenbar hat die Führung der Truppe zwei Hauptprobleme erkannt, schreibt die Zeitung.

Zum einen werde die personelle Stärke dieser Cyber-Truppe auf Dauer kaum reichen. Zum anderen werde die Bundeswehr auch künftig nicht mit Unternehmen mithalten können, die den Spezialisten deutlich mehr Geld bieten könnten. Statt mit den Unternehmen zu konkurrieren, soll die Truppe nun mit ihnen kooperieren. Die «Cyber-Reserve» soll dem Dokument zufolge aufgebaut werden, um etwa «für die Abwehr von schwerwiegenden Cyber-Angriffen» auch «kurzfristig» hoch qualifizierte Kräfte aufbieten zu können. Zudem gehe es um eine «state-of-the-art Cyber-Wirkkomponente», heißt es laut SZ in dem Konzept.

Nach Angaben aus Militärkreisen soll die «Cyber-Reserve» Ende 2017 zwischen 100 und 200 Leute umfassen und damit die sogenannte Anfangsbefähigung erreicht haben, schreibt die Zeitung weiter. In dem Konzept werden vier Zielgruppen definiert, um die man sich besonders bemühen wolle: Zum einen gehe es um «Exzellenzen» sowie «Top-Führungskräfte», die für einzelne Projekte oder «spezifische Beratungsleistungen» gewonnen werden sollen.

Zum anderen sollen ausscheidende Soldaten mit IT-Kenntnissen an die Truppe gebunden werden. Vor allem aber will man sich um Seiteneinsteiger bemühen. Hier kämen «ungediente bzw. gediente Personengruppen mit einschlägigem Cyber-/IT-Hintergrund in Betracht», heißt es in dem Entwurf, für den der stellvertretende Generalinspekteur Markus Kneip zuständig ist. Besonders deutlich werde der neue Ansatz an einer vierten Zielgruppe: «Freiwillige, die sich außerhalb der Reserve engagieren wollen».

Hierzu zählten «auch Freiwillige mit herausragenden (Programmier-)Fähigkeiten, Studierende, Angehörige von Nicht-Regierungsorganisationen, Vereinen oder Verbänden, sonstige Talente oder Freiberufler», schreibt die SZ. Als Beispiel werden sogenannte Ethical Hacker genannt, die in gemeinsamen Übungen Angriffe simulieren könnten, um Lücken aufzudecken. Das Verteidigungsministerium wollte den Entwurf auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies darauf, dass er noch in der «finalen Abstimmung» sei.

 

Quelle: Contra Magazin