Im Sommer wurden die ersten Schritte seitens der Türkei unternommen, um die Beziehungen mit Russland wieder zu normalisieren. Kurz darauf kam es im Juli in der Türkei zu einem Putschversuch, dessen Folgen Präsident Erdogan bis heute bekämpft. Allerdings ist unklar, inwieweit er die Krimtataren derzeit unterstützt, die teilweise Russland den Kampf angesagt haben.

 

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Contra Magazin berichtete im vergangenen Jahr bereits über die Krimtataren, die zusammen mit den Grauen Wölfen Sabotageaktionen auf der Krim planten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau alles andere als rosig. Der Grund war der Abschuss der Su-24 durch einen türkischen Kampfjet am 24 November 2015, der zu einem Tiefpunkt der Beziehungen führten und Russland mit scharfen Sanktionen reagierte. Die Eiszeit dauerte bis zum letzten Sommer, als sich Präsident Putin mit Erdogan traf. Inzwischen wurde wieder der Linienverkehr zwischen der Türkei und Sewastopol wieder eröffenet, wie das Innenministerium der Krim am 4. November mitteilte.

 


  
Die Konsequenzen für die Annäherung mit Russland kennen wir: Kurz nachdem die Türkei ankündigte die Beziehungen zwischen Russland wieder zu normalisieren kam es zu einem Militärputsch, dessen Folgen die türkische Regierung bis heute nachgeht. Aktuell übt der Westen scharfe Kritik an Erdogans Verhaftungswelle mit den Kurden, die immer wieder vom Westen unterstützt werden –  für den Kampf gegen den IS, wie es immer wieder aus westlicher Sicht heißt. Aber es ist auch bekannt, dass die Türkei diverse militante Gruppen unterstützt. Über die Krimtataren und die Grauen Wölfe hatte Contra Magazin bereits im vergangenen Jahr berichtet.

 

 


 
Aktuell liegen Contra Magazin Schriftstücke in türkischer Sprache (Übersetzung in Arbeit) vor, die unter anderem die langjährige Unterstützung der Krimtataren durch die Türkei dokumentieren.

 

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Sichtbar wurde die Feindseligkeiten im Vergangenen Jahr, nachdem sich die Krimtataren an der Krimblockade beteilligten. Hier ein Foto des Anführers Islyamov während dieser Blockade im Dezember. Aber nicht nur auf der Krim, sondern auch im Donbass sollen die Krimtataren zusammen mit den ukrainischen Streitkräften kämpfen.

 

 

 

  
Aus den Dokumenten geht die Unterstützung des Prominenten Krimtataren Dschemmilijew hevor, der ebenfalls mit viel Geld von Ankara unterstützt wird. Am ersten Januar wurden türkische und arabische Milizen in der Ukraine gesichtet, die für den Kampf um den Donbass und der Krim vorgesehen waren. Zu diesem Zeitpunkt verbesserten sich auch die Beziehungen zwischen Kiew und Ankara, die sich zunächst gegen Moskau verbünden wollten.  Auch der Anführer der Tschetschenen Ramsan Kadyrow verlangt die Auslieferung von Terroristen, die sich in der Türkei befinden.

 

 
Wie TASS berichtete, soll es sich hierbei um drei Personen handeln, auf die ein Prozess im russischen Tschetschenien erwartet.  Kadyrow wies die russische Generalstaatsanwaltschaft an, die entsprechenden Dokumente an die Türkei zu übermitteln. Zurück zu den Krimtataren, die im November 2015 treibende Kraft bei der Blockade der Krim waren, wo man unter anderem Starkstromleitungen sprengte. Dschemilijew und seine Basi Bozuk sollen auch an den Terrorakten beteiligt gewesen sein und wurden ebenfalls von Ankara lange unterstützt. Daneben waren auch im vergangenen Jahr die transatlantischen Beziehungen der Krimtataren bekannt geworden, die auch zu Deutschland Querverbindungen aufgewiesen haben.

 

Derzeit drängt sich aber die Frage auf, inwieweit Erdogan die Beziehungen weiter mit Moskau verbessern will, wenn Ankara gleichzeitig solche Kräfte unterstützt. Aktuell sind die Beziehungen zum Westen auf einem historischen Tiefpunkt angelangt und es vergeht kein Tag in den westlichen Medien, wo Erdogan und sein aktueller Kurs nicht massiv kritisiert wird. Bevor die Beziehungen mit Moskau sich verschlechterten war dies noch nicht der Fall. Zwar wurden immer wieder die Menschenrechtsverletzungen und die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei kritisiert, aber die Förderung von Krimtataren oder die Grauen Wölfe waren kein Thema in der westlichen Presselandschaft und sind es bis heute noch nicht.

 

Von Chris Saarländer, Contra Magazin