Der türkische Truppenaufmarsch an der Grenze zum Irak, die großtürkischen Gebietsansprüche und die wachsenden politischen Spannungen zwischen Ankara und Bagdad lassen Befürchtungen auf eine Invasion der Türkei in das Nachbarland aufkommen.

 

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Im Nahen Osten braut sich angesichts der aggressiven Haltung der türkischen Regierung, die nach dem Putschversuch auf Präsident Erdogan und der daraufhin erfolgten Welle der Empörung gegen die Putschisten in einem Adrenalinrausch agieren zu scheint, eine neue Welle der Gewalt zusammen. Die zuvor ohnehin schon latent vorhandenen neoosmanischen bzw. großtürkischen Ambitionen werden nun sowohl von der Politik als auch von den regierungstreuen Medien offen propagiert. Geht es nach Präsident Erdogan und seinen Anhängern, soll der Vertrag von Lausanne, der die Grenzen der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg festlegte, revidiert werden.

 

Klar, Staatsgrenzen sind nicht unveränderbar und so manche Neuziehung mag – gerade dann, wenn diese künstlich durch traditionelle Siedlungsgebiete von Völkern und Stämmen gezogen wurden – durchaus sinnvoll sein, doch glaubt Erdogan wirklich, dass sich die Irakis einen Teil ihres Territoriums einfach so und ohne militärischen Widerstand nehmen lassen? Aber auch die Kurden im Nordirak, die dort eine umfangreiche Autonomie genießen und sogar die Möglichkeit sehen, einen unabhängigen Staat zu bilden, würden – trotz der recht guten Beziehungen zu Ankara – als Teil der Türkei all diese Errungenschaften verlieren.