Anders als seine Vorgänger im Weißen Haus hat Donald Trump offenbar nicht vor, Länder im Ausland zu verändern. Stattdessen setzt er auf Eindämmung. Dieser Ansatz bedeutet zwar Härte, aber auch klare Regeln für die Interaktion. Damit wäre er besser als die bisherige „pappige“ Lage, äußerte der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow.

 

In einem Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“ schreibt Lukjanow:

 

„Realistisch gesehen, kann es keine Allianz und keine strategische Partnerschaft zwischen Russland und den USA geben. Nicht einmal eine merkbare Übereinstimmung von Zielen und Aufgaben wäre möglich. Denn die geschichtlichen Laufbahnen, die ideologischen Grundlagen, die Voraussetzungen für geopolitische Aktivitäten und die konkreten Interessen der beiden Länder liegen zu weit auseinander.“

 

Das russisch-amerikanische Verhältnis könnte allerdings laut Lukjanow dadurch beeinflusst werden, dass sich die Motivation des regierenden Teams in Washington nun ändern soll: „Seit Anfang der 1990er Jahre, also nach dem Sieg im Kalten Krieg, war man dort davon ausgegangen, dass Amerika weiß, was getan werden soll (im Sinne eines ‚richtigen‘ Politik- und Wirtschaftsmodells), und erwartet, dass alle anderen ihm folgen. Sonst behielten die USA sich das Recht vor, vom jeweiligen Land zu fordern, sich zu verändern. Sie sahen sich sogar berechtigt, diese Veränderungen zu stimulieren. Dies verursachte eine zunehmende Nervosität bei vielen, die mit Amerika zu tun hatten, indem sie sich abschotten und einer Einmischung widerstehen wollten.“

 

„Jener ideologische Grundsatz vereinigte die sonst ziemlich unterschiedlichen Administrationen von Bill Clinton und George W. Bush. In einer abklingenden Form bestand er auch während der Präsidentschaft von Barack Obama“, postuliert Lukjanow.

 

„Trump und sein Team wollen niemanden verändern. Erst recht haben sie mit Sicherheit nicht vor, Russland zu transformieren. Ihr Mantra ist die Eindämmung. Diese gilt vor allem China. Aber auch Russland ist ein offensichtlicher Anwärter darauf, in dieser Kategorie zu landen“, so der Kommentar.

 

„Falken realistischer und neokonservativer Prägung, die den Kern der neuen US-Regierung ausmachen werden, kennen sich in Sachen Eindämmung aus. Von ihnen sind keine Sentimentalitäten zu erwarten. Doch die Eindämmung ist zwar ein hartes, aber auch ein rationelles Verfahren, dem klare Interaktions-Regeln zugrunde liegen. Deswegen ist sie besser als jene pappige Situation der ideologisch markierten Politik vom Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts, als an Stelle deutlicher gegenseitiger Begrenzungen eine einschläfernde Rhetorik klang und die ungeschriebene Regel galt, wonach viele Dinge nicht beim Namen genannt werden durften“, schreibt der Experte.

 

Infolgedessen sei nicht nur das gegenseitige Vertrauen untergraben worden, sondern auch die Möglichkeit einer gegenseitigen Verständigung. Jedes Lager habe in einer selbstgebastelten Welt existiert. Zwischen diesen Welten habe es immer weniger Gemeinsamkeiten gegeben, hieß es.

 

„Trump und Putin vereinigt eigentlich nur eine Sache, und zwar ihre Ablehnung der Political Correctness, die rasch zu einer umfassenden Heuchelei mutiert war. Das ist das Einzige, was auf eine Etablierung von Geschäftsbeziehungen hoffen lässt, die weder freundschaftlich noch verbündet, sondern eben geschäftlich sein würden“, so Lukjanow.

 

Quelle: Sputnik