Die aktuellen Vorgänge in Syrien könnten das zwischenzeitlich wieder bessere Verhältnis zwischen Russland und der Türkei wieder ins Gegenteil umkehren. Die Neocons in den USA haben einen Anteil daran, schreibt das Contra Magazin.

 

Von Marco Maier

 

Um zu verstehen, warum trotz der inzwischen wieder etwas besseren Beziehungen zwischen Moskau und Ankara immer noch ein Krieg zwischen Russland und der Türkei möglich ist, muss man sich mit der geopolitischen Lage, den einflussreichen Kräften, historischen Parallelen und den geostrategischen Zielsetzungen der Neocons und der Globalisten auseinandersetzen.

Der (nicht zu Papier gebrachte) Deal zwischen Trump und Putin steht auf dem Prüfstand, zumal sich im Umfeld der noch zu bildenden Administration des neugewählten US-Präsidenten eine Rückkehr der Neocon-Kabbale abzeichnet, die schon unter George W. Bush weltweit für Chaos und Krieg sorgte. Deren Ziel, Zentralasien – das «Herzland» – zu beherrschen, ist ungebrochen. Die Bombardierung syrischer Stellungen durch die israelische Luftwaffe gehört hier mit zum Plan.

Doch insbesondere die türkische Position im Syrienkonflikt beinhaltet ein großes Gefahrenpotential für einen Krieg zwischen Russland und der Türkei. Denn die zwischenzeitlich angekündigte Kooperation Ankaras mit Moskau hinsichtlich der Vorgehensweise in Syrien hat sich als Luftnummer erwiesen. Präsident Erdogan hat den guten Willen seines russischen Amtskollegens dazu ausgenutzt, die türkische Einflusszone in Nordsyrien massiv auszuweiten und sein eigenes Ding durchzuziehen. Auch der Sturz von Syriens Präsidenten, Baschar al-Assad, steht wieder auf dem türkischen Programm.

Zudem sind die türkischen «Grauen Wölfe», deren politische Ideologie auf dem türkischen Osmanentum und dem sunnitischen Islam fußt, auf der Krim aktiv. Die Krimtataren gelten ihnen (wie die syrischen Turkmenen) als Brudervolk. Auch wenn sie der rechtsextremen türkischen Partei MHP entspringen, so kommen deren Aktionen durchaus auch der Außenpolitik Erdogans entgegen. Der alte Spruch von Staaten, die Interessen jedoch keine Freunde haben, wird von Präsident Erdogan strikt befolgt. Präsident Putin hingegen ist stets auf der Suche nach «Partnern». Doch was will er mit «Partnern» machen, die ihr Verhältnis zu Russland je nach geopolitischer Wetterlage neu auslegen?

Den Neocons (die neben den paar Russland-freundlichen Kräften sitzen werden) in Trumps Administration kommt die verzwickte Lage in Syrien recht. Das doppelte Spiel, welches Erdogan derzeit mit Russland (aber auch mit der EU, den USA und der NATO) spielt, kennt man in Washington nur zu gut. Insgeheim dürfte man dort ja sogar darauf hoffen, dass die Türkei die NATO verlässt und einen Krieg mit Russland vom Zaun bricht, damit man ein ähnliches Spiel wie damals schon nach dem Ersten Weltkrieg zu spielen, als man die Nationalsozialisten in Deutschland mit Geld unterstützte um sie groß zu machen, dann in einen Krieg gegen die Sowjetunion zu schicken und sowohl die verhassten Deutschen als auch die verhassten Bolschewisten sich gegenseitig ausrotten zu lassen und dann beide Länder zu übernehmen.

Im Idealfall kann man nämlich über Syrien die Türkei, Russland, den Iran, Saudi-Arabien und auch Israel samt dem ganzen Anhang in einen großen Krieg schicken. Und wieder einmal werden historische Gebietsansprüche (siehe die alten Karten, die Erdogan und andere AKP-Politiker immer wieder vorzeigen) und der glühende Nationalismus samt Führerkult von den Globalisten für die Erreichung eigener Ziele ausgenutzt. Und wieder einmal erkennen die Menschen (in diesem Fall die Türken) nicht, dass sie nur Marionetten in einem Spiel sind, die sich hervorragend für die Pläne einer kleinen Elite eignen. Wenn dann ein paar Jahre später (wieder einmal) zig Millionen Menschen tot sind, ist es jedoch zu spät.

In gewisser Weise kann man Erdogan hierbei doch mit Hitler vergleichen: Mit wohlwollender Unterstützung der angloamerikanischen Eliten an die Macht gebracht, avanciert er zum Bösewicht der dann bekämpft wird und gleichzeitig noch dafür sorgt, dass ein Krieg gegen die «bösen Russen» losgebrochen wird. Die Deutschen stehen zwar auch schon (wieder einmal) in Osteuropa an der Front zu Russland, doch im Endeffekt ist dies nur eine Ablenkungsmaßnahme. Für die Neocon-Kabbale ist es viel wichtiger, dass sich die Türkei und Russland gegenseitig zerfetzen um so endlich auch Zentralasien kontrollieren zu können – und somit die Westflanke zu China, dem Hauptfeind, der das «New American Century» bedroht.

Man muss das Ganze aus der Perspektive der Neocons sehen und verstehen, dann weiß man auch, in welche Richtung das Spiel gedreht werden soll. Putin dürfte die Grundzüge längst schon erkannt haben und deshalb versuchen, trotz der unberechenbaren und teils feindseligen Art Erdogans einen Krieg mit der Türkei – und somit den Sieg der Neocon-Kabbale – zu verhindern. Ob dies tatsächlich gelingt, ist jedoch eine andere Sache.

 

Quelle: Contra Magazin

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