Die Behörden von Frankreich und die Organisation «Ärzte ohne Grenzen» drückten ihr Beileid im Zusammenhang mit dem Tod von zwei Russinnen in Aleppo aus. Davor ignorierten westliche Politiker einfach die Tragödie, und das internationale Rote Kreuz sagte sogar sinngemäß, dass «alle Parteien des Konflikts die Schuld tragen». Doch dann änderte das Rote Kreuz im Interview mit der Zeitung «Vzgljad» seinen Ton und richtete sich mit Worten der Anteilnahme an die Angehörigen der Opfer.

 

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«Frankreich verurteilt die Anwendung des gezielten Artillerie-Feuers am 5. Dezember, als ein Feldlazarett im westlichen Teil von Aleppo vorsätzlich zerbombt wurde. Es starben mehrere Zivilisten sowie zwei Ärzte», sagte der Sprecher des französischen Außenministeriums, Romain Nadal.

 

In seiner Erklärung betonte er: «Diese Angriffe sind eine neue schwere Verletzung des Völkerrechts». Nadal sagte «Frankreich fordert alle Parteien des Konflikts zum Schutz von Gesundheitspersonal und medizinischen Einrichtungen, gemäß der Resolution 2286 UN-Sicherheitsrates auf».

 

Die humanitäre Organisation «Ärzte ohne Grenzen» hält die Angriffe auf medizinisches Personal und Patienten für nicht akzeptabel, heißt es vom Sitz der Organisation in Genf. «Wir sind zutiefst betrübt über den Verlust von Gesundheitsmitarbeitern in Ausführung ihrer ärztlichen Tätigkeit. Solche Ermordung ist ein Schock für ihre Familien, auch wirkt es sich negativ aus auf die medizinische Versorgung in jener Zeit, wo sie so notwendig ist», — sagte der Geschäftsführer von «Ärzte ohne Grenzen» Brice de la Vigne.

 

«Es ist klar, dass Angriffe auf Ärzte und ihre Patienten absolut inakzeptabel sind und es ist dabei gleichgültig, ob es nun gezielt oder als wahlloser Angriff verübt wurde, das ist eine Verletzung der Gesetze des Krieges», betonte er.

 

 

Zorn über die Angriffe auf die Ärzte drückte man auch im Hauptquartier der Vereinten Nationen aus. Der Beschuss des Krankenhauses in Aleppo verursacht Empörung, die Ärzte, die den Zivilisten helfen, müssen geschützt werden, sagte der Pressesprecher des UN-Nothilfekoordinators (OCHA), Jens Larke.

 

Am späten Dienstagabend verurteilte gemäß dem Vertreter des Generalsekretärs, Stefan Dyuzharrik auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon diesen Beschuss des mobilen Feldlazaretts in West-Aleppo. Ban Ki-moon erinnert daran, dass die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur, einschließlich der medizinischen Einrichtungen und das Personal im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht geschützt werden müssen. «Absichtliche Angriffe auf sie können als Kriegsverbrechen verurteilt werden», betonte er.

 

Der Kreml ist überrascht wegen der «Sprachlosigkeit» von Amerika

 

«Wir bedauern sehr, dass die internationale Gemeinschaft und darunter unsere Partner in Amerika so mehr als bescheiden auf die Tragödie, die mit dem Angriff auf unser mobiles Krankenhauses in Syrien verbunden ist, reagieren», sagte der Sprecher des russischen Präsidenten Dmitrij Peskow.

 

«Der Angriff hat stattgefunden, er war gezielt, und dies deutet darauf hin, dass die Kämpfer, die diesen Beschuss verübten, über die entsprechenden Ziel-Koordinaten verfügten», setzte er hinzu.

 

«Wir bedauern sehr, dass die russische Seite nun praktisch im Alleingang versucht, die humanitäre Hilfe für jene Bewohner zu leisten, die auf der Flucht aus der Gefangenschaft von Terroristen aus dem östlichen Aleppo sind. Wir würden viel lieber eine aktivere Position unserer westlichen Partner in diesem Zusammenhang begrüßen können», sagte Peskow.

 

Am Dienstag verurteilte das russische Verteidigungsministerium das IKRK für seine Teilnahmslosigkeit anlässlich der Ermordung der russischen Mediziner in Aleppo. Vorher wurde sogar im IKRK gesagt, dass alle Parteien des Konflikts nicht die Verpflichtung erfüllen können, Ärzte zu schützen.

 

Das Internationale Rote Kreuz hat dann endlich doch seine Position korrigiert und zum ersten Mal direkt sein Mitgefühl über die Tragödie mit den russischen Krankenschwestern geäußert. Der Chef der Moskauer Delegation des IKRK, Magne Barth nannte im Interview mit «Vzgljad» den Angriff auf das Krankenhaus «tragisch und unannehmbar».

 

«Den Tod von Menschen während dieses Angriffs ist eine Tragödie, und wir sprechen von ganzem Herzen den Familien der Opfer sowie den Verletzten und ihren Angehörigen unser Beileid aus. Ärzte, Krankenschwestern und andere medizinische Mitarbeiter tun jeden Tag ihr Bestes, um die Leben von Menschen zu retten, und sie müssen respektiert und geschützt werden. Dies gilt für alle, unabhängig davon, wem das Krankenhaus gehört und wo es sich befindet», sagte Barth.

 

Es ist nicht der erste Fall des Angriffs auf Hospitäler und Krankenhäuser in Syrien. Dort und auch in den anderen Ländern, im Irak, Afghanistan und Jemen, erfüllen die verschiedenen Parteien nicht ihre Pflicht, Pflegepersonal, Patienten, Spitäler und Krankenhäuser mit Respekt zu behandeln, beklagte sich Barth. Das humanitäre Völkerrecht verlangt von den Parteien zwischen zivilen Personen und Objekten einerseits und militärischen Objekten andererseits immer zu unterscheiden, meinte er.

 

«Das IKRK nimmt das Problem von Angriffen auf Krankenhäuser und Feldlazarette als extrem ernst auf und versucht es durch vertraulichen bilateralen Kontakte mit den betroffenen Parteien zu lösen», sagte Barth.

 

 

Das Schweigen des Department of State

 

Am Vorabend und in der ersten Hälfte des Tages am Dienstag hatte der Westen es vorgezogen, die Nachrichten über den Tod der russischen Ärzte nicht zur Kenntnis zu nehmen. Während das Außenministerium Frankreichs seinen Standpunkt dargelegt hat, bevorzugten es das Außenministerium der USA und andere westliche diplomatische Abteilungen weiterhin, zu schweigen. Das Schweigen bewahrten dieselben Politiker und Organisationen, die Mitte November drei Tage lang lügenhaft behauptet hatten, dass die VKS RF (die Luft- und Weltraumkräfte der russischen Streitkräfte) angeblich ein Krankenhaus in Aleppo gezielt bombardiert hätten. Insbesondere trat der Vertreter des Department of State, John Kirby mit solchen Vorwürfen auf. Allerdings wurden dazu keinerlei Beweise angeboten oder veröffentlicht.

 

Als Antwort auf diese Behauptungen betonte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Generalmajor Igor Konashenkov dann, dass es nach Ablauf von drei Tagen ohne Beweise offensichtlich wurde: Die angeblich in Aleppo von der russischen Luftwaffe zerstörten Krankenhäuser und mobilen Kliniken waren nur eine Ausgeburt der Phantasie von Mr. John Kirby. Der Generalmajor erinnerte daran, dass sich das russische Ministerium viele Male an die Vertreter der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und anderer Ländern und internationaler Organisationen gewendet hatte und keinerlei Informationen über etwaig betroffene Spitäler oder Schulen in Gebieten Syriens unter der Kontrolle von Aufständischen bekamen.

 

Der Leiter der Abteilung für Erforschung nahöstlicher Konflikte des Instituts für innovative Entwicklung, Anton Mardasow ist der Auffassung, dass eine solch vorsätzliche Lügenbehauptung des Westens Teil des Informationskrieges sei.

 

Seinen Worten nach sehen die USA, die EU und die Golfstaaten immer noch die syrische Opposition als Alternative zur Regierung von Bashar Al-Assad an:

 

 

«Sie können sich nicht auf den Tod von Krankenschwestern konzentrieren, denn das würde gegen ihre Strategie spielen».

 

Boshafte Meinungsmacher im Westen erklären die Lösung, das mobile Krankenhaus in Aleppo zu platzieren als umstritten, sagt Mardasow. So versuche Moskau ihrer Meinung nach doch nur, der internationalen Gemeinschaft zu zeigen, «dass Russland eine humanitäre Krise verhindert und Hilfe für die Bevölkerung von Syrien bietet». Der Experte fordert seinerseits mehr Syrer-Fachpersonal in die russischen Krankenhäuser mit einzubeziehen.

 

«Die Funktionen der Krankenschwestern könnten syrische Ärzte erfüllen. Einige Syrer halten es doch offensichtlich für möglich, an Schönheitswettbewerben teilzunehmen und sich an den Stränden in Latakia zu entspannen».

 

Inzwischen befindet sich der russische Kinderarzt, ein Opfer beim Beschuss des Krankenhauses in Aleppo, in einem stabilen Zustand.

 

«Kinderarzt Vadim Arsentjew erhielt in Aleppo schwere Verletzungen und wurde in der Nacht mit dem Hubschrauber in einem speziellen medizinischen Modul auf den Flugplatz Hmeimim gebracht. In der medizinischen Einheit auf dem Luftwaffenstützpunkt wurde dem Verwundeten hoch qualifizierte Erst- Hilfe und eine Operation hoher Komplexität zuteil. Der Zustand des russischen Arztes ist jetzt stabil», wurde vom Verteidigungsministerium der RF berichtet.

 

 

Opfer in weißen Kitteln

 

Nach Angaben der russischen Behörden wurde Professor Dr. Arsentjew nun zur weiteren Wiederherstellung mittels eines speziellen medizinischen Moduls per Flugzeug aus Hmeimim nach Russland, in eines der zentralen Krankenhäuser des Verteidigungsministeriums überführt.

 

Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat angewiesen, den Familien und den Verwandten der beiden getöteten Krankenschwestern Nadeschda Duratschenko und Galina Michajlowa, sowie dem schwerverwundeten Professor der Militärisch-Medizinischen Akademie für Kinderkrankheiten, Vadim Arsentjew jede notwendige Unterstützung und Entschädigung zuteil werden zu lassen.

 

Die Beerdigung der Krankenschwestern findet in ihrer Heimatstadt Birobidschan am 8-9 Dezember mit allen militärischen Ehren statt. Die jungen Frauen waren unter 40 Jahre, beide haben sie Kinder. Nach Syrien kamen Nadeschda Duratschenko und Galina Michajlowa gegen Ende November, weitere zwei Krankenschwestern aus dem Krankenhaus der Stadt Birobidschan dienen weiterhin in Syrien. In diesem Jahr war diese Gruppe von Ärzten und Krankenschwestern bereits zuvor auf einer dreimonatigen Dienstreise in Syrien.

 

 

Abgereist an die Front am 30. November

 

Gemäß dem Feedback der Kollegen waren es zwei der höchst qualifizierten Krankenschwestern aus dem Krankenhaus Birobidschan. Schwester Nadeschda Duratschenko war Operationskrankenschwester und Galina Mihajlova war Anästhesistin. Nach Aleppo wurden die besten Ärzte und Schwestern geschickt. Dort werden für die dortige Lage notwendig erfahrenen OP-Schwestern und Spezialisten insbesondere für Verletzungen durch Minenexplosionen gebraucht.

 

Über die Details ihrer Biografie berichteten Freunde und Kollegen gegenüber der Zeitung «Moskowskij Komsomolez». Diese Freunde sagen, dass für Nadeschda ihr Vater, ein Chirurg, der als Militär arbeitete, ein großes Vorbild gewesen sei. Deswegen ging Nadeschda ohne zu zögern gleich nach der Schule an das Medizinische College von Birobidschan und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Kollegen erzählen, dass ihre Tochter Natalja jetzt 20 Jahre alt ist. Sie studiert im zweiten Jahr an der Universität in Wladiwostok. Nun hat das Mädchen ihre Mutter verloren.

 

Ihre Kollegen erzählen, dass es die zweite Reise von Nadeschda und Galina nach Syrien war. Schon beim ersten Mal arbeiteten sie dort drei lange Monate. Die Verwandten beteten für sie, und alles ging auch gut. Das zweite Mal gingen sie mit zwei anderen Kollegen am 30. November nach Aleppo und am 5. Dezember kam dann die schreckliche Nachricht.

 

Galina hatte einen 15-jährigen Sohn, sie war alleinerziehende Mutter.

 

Von Andrej Reztschikow

 

Quelle: www.vz.ru
 
Übersetzung: fit4Russland

 

 

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