Der Machtwechsel in den USA beeinflusst auch die Verhältnisse in Asien – Russland bekommt dadurch neue Chancen, wie der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow betont. In diesem Zusammenhang betrachtet er den Japan-Besuch von Wladimir Putin und die Äußerungen von Donald Trump zum Thema China.

 

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In einem Gastbeitrag für die russische Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ schreibt Lukjanow: „In Tokio erwartet man viel von Putins Besuch. Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, er sei bereit, dem Gebietsproblem ein Ende zu setzen. Die Formulierung deutet eine Kompromissbereitschaft an, was die offizielle japanische Position bisher nicht vorgesehen hatte. Allerdings hat die Intensität der Erwartungen auch ihre Kehrseite und birgt das Risiko einer Enttäuschung in sich.“

 

„Trotzdem wären Fortschritte in den Beziehungen möglich. In Moskau weiß man die Beharrlichkeit und die Courage von Abe zu schätzen, der sich seinem Verbündeten Amerika widersetzt hat. Washington hatte ja von Putins Japan-Besuch dringend abgeraten“, so Lukjanow.

 

Donald Trump habe unterdessen die Regierung in Peking sowie das US-Establishment schockiert, indem er die sogenannte Ein-China-Politik (also die Nichtanerkennung von Taiwan als Staat) in Zweifel gezogen habe: „Noch während seines Wahlkampfs hatte Trump eine aggressive antichinesische Position vertreten. Es entsteht vorerst der Eindruck, dass er diese Position auch nach seinem Amtsantritt nicht lockern will.“

 

„Neben der Unberechenbarkeit des Milliardärs geht es da allerdings wahrscheinlich auch um ein Kalkül. Trump hat im Ernst vor, den Charakter der Beziehungen mit China zu ändern, und will den Chinesen zunächst ‚auf den Pelz rücken‘, um dann aus einer attackierenden Position heraus einen Kuhhandel zu starten. Ob das funktioniert, ist fraglich. Peking hat es nicht gern, in die Enge getrieben zu werden. Diese Kollision wird eigentlich zeigen, wer was wert ist und inwieweit die Seiten zu einer ernsthaften Konfrontation bereit wären. Diese hatte noch vor Kurzem als unmöglich gegolten, und zwar wegen der äußerst großen gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit der beiden Länder. Doch Trump strebt ausgerechnet danach, diese Abhängigkeit zu reduzieren“, erläutert Lukjanow.

 

Die Sujets Russland/Japan und China/Amerika stünden zwar in keinem direkten Zusammenhang miteinander, seien aber in der Lage, das Ausmaß der beginnenden Veränderungen in Asien zu demonstrieren. Das seit nahezu einem halben Jahrhundert bestehende Tragewerk der Beziehungen werde nun erodiert: „Die zentrale Frage, die die Länder der Region kümmert, besteht darin, ob man sich auf die USA verlassen kann. Zweifel waren noch unter Barack Obama aufgekommen – wegen der inkonsequenten Haltung seiner Administration zu einigen Fragen von Weltbedeutung. Trump verhält sich nun so, als ob die diplomatische Vorgeschichte ihn überhaupt nicht interessiere. Vor diesem Hintergrund nehmen die Befürchtungen nur zu.“

 

„Der rasante Geschehensablauf schafft einen neuen Kontext für Russland, das einen Ausbau seiner Präsenz in Asien zur Priorität erklärt hat. Ursprünglich hatte man allerdings auf die Förderung von Sibirien und Russisch-Fernost gesetzt – die Ambitionen hatten also nicht so weit gereicht, um eine Mit-Umgestaltung der Region zu beanspruchen. Zwar gibt es auch derzeit keine solche Aufgabe, doch es eröffnen sich unvorhergesehene Möglichkeiten“, meint Lukjanow.

 

Er postuliert:

 

„Russland bekommt die einmalige Chance, das durch die Transformation in Amerika verursachte Durcheinander auszunutzen, um seinen offensichtlichen Rückstand in Sachen Asien aufzuholen.“

 

 

Vorerst gelte Russland in der Region als etwas Exotisches – wegen seiner bisherigen passiven Position und seines relativ kargen Kontaktnetzes. Umso wichtiger sei es nun, die sich veränderte Situation zu nutzen, um die Trägheit der Wahrnehmung zu überwinden, hieß es.

 

„Es gibt keine Wunder – erst recht nicht in der Politik. Alle brauchen Geduld. Japan braucht sie, wenn das Land die Gebietsstreite wirklich regeln will. Für China heißt es jetzt abwarten, solange Amerika wieder auf der Selbstsuche ist. Aber auch für Russland wäre Geduld erforderlich, um systematisch darauf hinzuarbeiten, sein neues Image als wertvoller Dauerpartner in Asien zu etablieren“, schreibt Lukjanow zum Schluss.

 

Üersetzung: Sputnik

 

 

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