Das Ende des Jahres 2016 lässt kaum optimistische Stimmungen aufkommen. Immer neue Tragödien prasseln auf die Welt so schnell und häufig, dass wir es einfach nicht schaffen, sie zu begreifen. Der russische Botschafter wird in Ankara ermordet. Ein Laster rast in einen Weihnachtsmarkt in Berlin.

 

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan und Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archivfoto)

 

Die Welt ist verrückt geworden, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Mittwoch.

 

Doch bei all seiner tragischen Sinnlosigkeit sind der Mord an dem russischen Botschafter in der Türkei und der Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin zwei Erscheinungen mit verschiedenen Gründen und Folgen.

 

Die Bluttat in Ankara war ein Versuch, den politischen Kurs zu untergraben, der vielen nicht gefällt und der sich in der Tat als effektiv erwies. Der Anschlag in Berlin ist ein Symbol des Fehlens eines klaren politischen Kurses bei den deutschen Behörden, ein Symbol ihrer Hilfslosigkeit, ein Symbol dafür, wie sich die Regierung Merkels in schönen Worten und guten Absichten verzettelte.

 

Präsident Erdogan ist ein Politiker, der nicht nur Probleme schaffen, sondern sie auch erfolgreich lösen kann. Die jüngste öffentliche Versöhnung zwischen Erdogan und Putin führte natürlich nicht zum Verschwinden grundlegender Widersprüche zwischen Russland und der Türkei. Die Positionen Russlands und der Türkei gehen weiterhin bei der Krim-Frage auseinander. Der Kreml weiß ganz  gut, dass die Politiker in Ankara der Meinung sind, dass die Krim eigentlich der Türkei gehören sollte. Die Zugehörigkeit der Halbinsel zu Russland sei nur eine historische Anomalie, die geändert werden soll.

 

Moskau und Ankara bleiben weiterhin Rivalen beim Kampf um den Einfluss auf die turksprachigen ehemaligen Sowjetische Republiken. Viele Experten sind beispielsweise der Meinung, dass sich der kirgisische Präsident Almasbek Atambajew sich mehr auf Ankara und nicht auf Moskau ausrichtet.

 

Erdogan und Putin haben weiterhin verschiedene Positionen zu Syriens Präsident Baschar Assad und nicht ganz übereinstimmende Ziele in Syrien. Dennoch hinderte das alles Putin und Erdogan nicht daran, eine Zone der Übereinstimmung der strategischen Interessen zu sehen und die Kraft zu finden, gemeinsam vorzugehen. Man weiß nicht genau, wie die konkreten Vereinbarungen beider Präsidenten zu Syrien aussehen. Doch das Ergebnis liegt auf der Hand – eine der wichtigsten syrischen Städte, Aleppo, ist keine Hochburg der Aufständischen mehr. Solche gemeinsamen Ziele zum jetzigen historischen Zeitpunkt werden dazu führen, dass die bilateralen Beziehungen nach dem Mord an dem russischen Botschafter nicht nur nicht leiden, sondern sogar gestärkt werden.

 

Die Allianz zwischen Moskau und der Türkei entspricht in der jetzigen Etappe völlig den russischen nationalen Interessen und den Interessen der ganzen zivilisierten Welt.

 

Der Anschlag in Berlin wurde von einem Flüchtling aus Pakistan verübt, heißt es in Medien. Sich daran zu erinnern, dass Merkel ein „Fenster nach Europa“ für Flüchtlinge öffnete und sie deshalb für den Terroranschlag verantwortlich zu machen, wäre natürlich zu einfach. Merkel hat keine Überfähigkeiten, sie kann den Prozess der großen Umsiedlung der Völker nicht stoppen.

 

Merkel ist eine Politikerin mit Prinzipien. Doch das Vorhandensein harter Prinzipien ist noch keine Garantie für einen politischen Erfolg zum Wohle des Landes. Neben Prinzipien muss ein Regierungschef noch ein politisches Gefühl haben, fähig sein, vorherzusagen, eine Situation im Voraus zu berechnen und einen zwar moralisch schwierigen, jedoch richtigen Beschluss zu fassen.

 

Ganz unklar ist die Position Europas und unter anderem Deutschlands zum Vorgehen Russlands in Syrien. Russland kämpft in Syrien um die Aufrechterhaltung des mondänen Charakters des Staates. Wie reagieren darauf die Staaten, die ebenfalls nicht daran interessiert sind, dass in Damaskus an die Macht religiöse Fanatiker gelangen? Mit einem Strom heftiger Kritik gegen Moskau.

 

Erdogan hatte genügend politische Qualitäten, um zu begreifen, was jetzt vorrangig und was zweitrangig ist. Leider sind die EU-Spitzen noch nicht so weit gekommen.

 

Quelle: Sputnik

 

 

 

Метки по теме: ; ; ;