Pegida-Mitbegründer Bachmann erhielt kurz nach dem Anschlag in Berlin scheinbar von einem LKA-Mitarbeiter die Info, dass es sich um einen Tunesier handle. Die Polizei dementiert. Das wirft Fragen auf.

Von Marco Maier

Alle Welt wunderte sich über Pegida-Mitbegründer Bachmanns (mittlerweile wieder gelöschte) Info auf Twitter kurz nach dem Anschlag auf das Weihnachtsfest in Berlin, wonach es sich beim Täter um einen Tunesier handle (Er twitterte: «Interne Info aus Berliner Polizeiführung: Täter tunesischer Moslem» Die Tatsache, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernehme, spreche für die Echtheit.). Denn offiziell wurden die Papiere mit dessen Namen erst am nächsten Tag unter dem Fahrersitz des Sattelschleppers gefunden.

Inzwischen jedoch stellte die Polizei klar, dass dies «vollkommen ausgeschlossen» sei, denn am Montag habe man sich noch auf den Pakistani konzentriert. Man habe die Geldbörse mit der Duldung des nun tatverdächtigen Tunesiers, Anis Amri, erst am Dienstagnachmittag gefunden. Laut einem Polizeisprecher habe Bachmann spekuliert, so «Zeit Online«. Er habe mit seinem Tweet einen «kuriosen, bizarren Treffer gelandet». Die Spitzen von Landeskriminalamt und Berliner Polizei seien sich einig, dass Bachmann keine internen Informationen aus den Behörden beziehe.

Allerdings, so zeigen Recherchen der «jungen Welt«, dass ein LKA-Kriminaltechniker, Gerald Hübner, mehrfach bei der Pegida Havelland als Redner auftrat, für die AfD im Kreistag Havelland sitzt und Sprecher seiner Partei im Landkreis ist. Für die Pegida-Auftritte erhielt er von seinen Vorgesetzten bereits eine Abmahnung, weil er gegen die «politische Loyalitätspflicht» verstoßen und «rechtspopulistische Meinungen» vertreten habe. Nun wird vermutet, dass Hübner Bachmann informierte und die Polizei in Wirklichkeit schon nach dem Tunesier Ausschau hielt, der sich ja angesichts der Pressemeldungen bezüglich des Pakistanis in Sicherheit wiegen konnte. Das heißt: Man erhoffte sich vielleicht dadurch einen ermittlungstechnischen Vorteil. Wobei auch hier die Unschuldsvermutung gilt – wenngleich man natürlich nichts ausschließen kann.

Kurios bleibt der Fall allemal. Ob Bachmann nun tatsächlich einen «Zufallstreffer» landete, oder aber wirklich eine Info aus dem Berliner LKA zugesteckt bekam – ein «G’schmäckle», wie der Schwabe sagt, ist da schon dabei.