Wie jedes Jahr findet das Hacker-Treffen des Computer Chaos Club in Hamburg statt. Mit Mate-Tee halten sich die Hacker über Tage und Nächte lang hinweg und zeigen ihr können in Hamburg. Mit Sicherheit wird auf dem Treffen auch über sogenannte «russische Hacker» gesprochen werden, die momentan im «hybriden Krieg» zwischen Ost und West eingesetzt werden. Vor gut 30 Jahren waren die «russischen Hacker»  des legendären KGB-Hacks jedenfalls aus Deutschland und haben sich in Hannover getroffen.

 

Mit angrenzender Sicherheit wird auch Merkels Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihre Recruiter losgeschickt haben, um «neue Talente» im Kampf gegen die «russische Cyber-Bedrohung» für die Zukunft gewappnet zu sein. Auch heuer findet das Treffen statt und soll vorerst das letzte Treffen in dieser Form sein. Deswegen ist wohl beim Bundesverteidigungsministerium ein Hamsterkauf angesagt, um die Vorgaben des heuer veröffentlichten Weißbuch der Bundeswehr gerecht zu werden, wo der Cyberkrieg — getreu Merkels Wort #Neuland gerecht zu werden. Aber die KGB-Hacks aus den 1980er Jahren zeigen, dass es gar kein Neuland sein kann, dieses Internet, welches aufeinmal von der Bundeswehr für sich entdeckt worden sein soll.

 

Ost-Berlin im Spätsommer 1986, das Treffen der Hacker mit dem Agentenführer «Sergej» ist nach Ansicht bundesdeutscher Verfassungsschützer typisch für die Einführung eines neuen Mitglieds in einen Spionagering. In diesem Fall ist von «Pengo» die Rede, einem einem deutschen Hacker-Pseudonym (Heinz Hötten) . Dieser arbeite mit drei anderen Hackern aus Deutschland zusammen — unter anderem mit dem verstorbenen Hacker Karl Koch, der auf ungeklärte Weise ums Leben kam. Zugegeben, es war eine Zeit als das Internet noch nicht so grafisch Massentauglich arbeitete, die Rede ist vom Bildschirm BTX und nicht das World Wide Web, mit dem heute auf Facebook geposted, geliked und gesurft wird und Videos auf Youtube angeschaut werden können. Das fing etwa erst 20 Jahre später an, als auch WikiLeaks mit Julian Assange an den Start gingen. Die Zeiten von Assange als Hacker kamen wenig später, er nannte sich zu jener Zeit «Mendax» und machte durch spektakuläre Hacks in den 1990er Jahren von sich Reden.

 

 

 

«Die beiden adretten jungen Männer hatten nichts an sich, an das sich das Personal hätte erinnern können. Als sie an jenem Spätsommertag des Jahres 1986 gegen 10 Uhr das Hotel Schweizerhof in West-Berlin durch den Hinterausgang an der Burggrafenstraße verließen, wirkten sie wie zwei Newcomer aus der Berliner Musikszene, die gelegentlich von den Agenten der Platten-Multis zum Vertragsabschluß in die Luxusherberge gebeten wurden», so wird es in dem Buch «Hacker für Moskau -Deutsche Computerspione im Dienst des KGB» beschrieben. Pengo, ein 17jähriger Informatikstudent war damals Berlins hoffnungsvollstes Hackertalent gewesen. Er hatte bereits via Computer und Hochtelefon über internationale Datennetze noch bis kurz vor Tagesanbruch «Büchsen aufgemacht», Großrechner geknackt, und darauf «Klavier gespielt», wie es im besagten Buch weiter heißt. Genau solche Talente dürfte sich wohl auch Frau von der Leyen für ihre Cyber-Armee wünschen.

 

Heute sind die bekannten überwiegend in den USA anzutreffen. Die mit WikiLeaks kooperierende Stiftung Courage Foundation setzt sich für Hacker und Whistleblower ein, die entweder erwischt wurden oder an die Öffentlichkeit getreten sind. Erwischt wurden die KGB-Hacker von damals auch, wegen 17 Cent und es war nicht das FBI, das die Hacker enttarnte, sondern ein Fehlbetrag von 17 Cent machten den damaligen Systemadministrator Clifford Stoll stutzig. Er stellte fest, dass zur Abrechnung der Zeiten der einzelnen User zwei Systeme genutzt wurden, welche eigentlich ein deckungsgleiches Ergebnis liefern sollten. Dabei kam es jedoch zum Differenzbetrag von 75 Cent, da ein Hacker in sein System eingebrochen war und es diesem nicht gelang, die zwei Systeme zum Verwischen seines Einbruchs beim Verlassen korrekt zu synchronisieren. In Zusammenarbeit mit US-amerikanischen und deutschen Behörden wurde Markus Hess Monate später gefasst, heisst es auf Wikipedia über den heutigen Autor, der im Buch Kuckucksei über seinen Fang schrieb. Unmittelbar nach der Entdeckung des Einbrechers  informierte  der Angestellte aus BerkeleyStoll das FBI. Und kurz nach der Enttarnung der deutschen KGB-Hacker, Anfang März 1989, erklärte das Bundeskriminalamt:

» Es kommt nicht so sehr darauf an, ob es gelungen ist, in Rand oder Kernbereiche einzudringen. Wichtig ist die Zugangsmöglichkeit als solche in fremde Datensysteme. Auf diese Weise können gegnerische Dienste Informationen gewinnen, mit denen sie auf klassischen Wegen weiter operieren können, z.B. Agenten in Forschungsinstitute oder in militärische Einrichtungen einschleusen.»

Das Argument ließe sich damals nur dadurch nachvollziehen, weil man die wenigen rekonstruierbaren Daten aus Ost-Berlin auswertete. Es ging um das Knacken von Passwörtern, die Hacker aus einer elektronischen Post herauslesen können, weshalb der omninöse KGB-Verbindungsoffizier Sergej seine Daten erhielt, Ob die umfangreiche elektronische Korrespondenz von Marine-Offizieren oder Daten von der Ramstein-Airbase aus Rheinland-Pfalz oder dem Automated Data Center in Norfolk. Was heute als Zukunftsbranche unter dem Motto Big Data verkauft wird, war für die Datenstrategen aus der Sowjetunion damals schon gängige Praxis. Und früher hatten weniger Menschen einen Internet-Zugang, so dass die Wahrscheinlichkeit geringer war, sensible Computersysteme aus Wissenschaft, Militär oder Politik zu hacken.

 

 

In heutigen Zeiten ist das durch neue elektronische Chiffrierungsmethoden deutlich erschwert worden, nachdem immer Menschen auf der Erde auf der Datenautobahn surfen, weswegen heute mehr auf Methoden des Social Engineering gesetzt wird. Und der Sektor wird mehr und mehr privatisiert, beispielsweise durch die Italienische Firma aus Mailand Hacking Team, dessen E-Mail-Korrespondenz die Transparenz-Plattform WikiLeaks veröffentlichte. Auch hier fand man Erkenntnisse über die ominösen «russischen Hacker», zu denen ja auch WikiLeaks gehören soll, wenn man das Gesülze aus westlichen Geheimdiensten, Medien und Politik ertragen muss.

 


Liest man da über Russland, dann heißt es dort beispielsweise, dass sie gar nicht diese Methoden anwenden, die man ihnen nachsagt. Wobei hier ist ja auch der Punkt über die News Front in letzter Zeit öfters schrieb. Vielmehr drängt sich in Zeiten der Podesta-Emails oder Clinton Leaks der Verdacht auf, dass im westlichen Establisment stark halluziniert wird. Jedenfalls heißt es dort, dass sie ihre Erkenntnisse viel mehr durch die Auswertung von öffentlichen Informationen erhalten und diese Verknüpfen können, wo man wieder bei dem neuen Job-Phänomen Big Data ist, dem eine rosige Zukunft nachgesagt wird.

 

Wer war es nun? Der GRU, ein Einzeltäter oder der KGB? Man hat bei dieser Flut von Desinformation über russische Hacker gar keinen Überblick mehr und es lenkt vor allem von dem ungeklärten Tod des Daten-Experten der Demokraten Seth Rich ab, der kurz vor den DNC-Leaks in Washington erschossen wurde. Es wurde von WikiLeaks nicht ausgeschlossen, dass es Rich war , der die Ladung an Daten auf die Server geladen hat. Bei der ganzen Fülle von Informationen ist auch die Wahrscheinlichkeit nicht gerade gering, dass es sich hierbei um jemanden handeln muss, der erstens Zugang zu den E-Mails der Demokratischen Spitze hatte, zweitens der die Daten auch halbwegs übersichtlichlich aufbereitet und drittens der vielleicht sauer war.

 

Genau weiß es niemand und in Zeiten von FakeNews und westlicher Desinformation traut man sich fast gar nicht, weiter an der Sache Rich zu glauben. Aber noch weniger kann man fast dran glauben, dass russische Hacker zu Beginn des Jahres den Bundestag gehackt haben sollen. Antworten zu den Nachfragen des wie, ob oder warum erhält man von den Erfindern solcher Geschichten nicht. Und der Unterschied zwischen Menschen und dem KGB ist vielleicht der , dass der KGB wieder auferstehen kann. Möglich ist alles. Und war der CCC etwa auch eine Anspielung auf CCCP? Fragen über Fragen.

 

 

Auf diesem Tweet sind sämtliche Informationen über den Hackerkongress in der Hamburger Congresshalle vom 27ten bis 30 Dezember einsehbar. Das Buch «Hacker für Moskau» von Thomas Amann und anderen, das hier zitiert wurde kann man auf Amazon erwerben und grobe Informationen über den KGB-Hack sind auf Wikipedia abrufbar. Der Film 23 — Nichts ist so wie es scheint, kann man auf Youtube anschauen. Er beschäftigt sich mit dem angesprochenen Hacker Karl Koch.

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