Der scheidende bulgarische Staatspräsident Rossen Plewneliew gab der FAZ ein Interview, in dem er vor russischen Destabilisierungsversuchen der EU warnte. Viele Indizien würden darauf hinweisen, dass Russland antieuropäische Parteien und Medien in Bulgarien sowie in anderen EU-Ländern finanziert, sagte Plewneliew in dem Gespräch.

Der bulgarische Staatspräsident Rossen Plewneliew — Bild: Wikimedia Commons/President’s press CC-BY-2.5-BG

Russland könne die EU durch die Unterstützung ultranationalistischer Parteien oder Bewegungen von innen aushöhlen: Die Führung in Moskau versuche, auf einer neuen ideologischen Grundlage dasselbe Ziel zu erreichen wie einst die Sowjetunion, sagte Plewneliew: «Die Schwächung Europas und die Verbreitung von Zweifeln an den Werten von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.» Dasselbe setzt sich auch im «Cyberkrieg» im Internet fort.

Vor einigen Jahren hatte Plewneliew schon einmal vor der russischen Politik gewarnt. Das Ziel Russlands sei es, im Internet die Ablehnung europäischer Werte zu fördern. Als Übertreibung wurde Plewneliews Aussage von anderen Politikern bezeichnet: «Man war misstrauisch und schrieb mir sogar extreme Ansichten zu.»

Heute sei es aber offensichtlich, «dass diese Politik mit dem klaren Ziel der Destabilisierung der EU organisiert und ausgeführt wird.» Man müsse den europäischen Bürgern erklären, «was da geschieht und worauf die russische Propaganda zielt», sagte Plewneliew.

Bereit im Oktober 2014 hatte der bulgarische Politiker der FAZ ein russlandkritisches Interview gegeben, womit er einen diplomatischen Konflikt zwischen Moskau und Sofia auslöste. Das russische Außenministerium beschuldigte Plewneliew damals, er habe durch seine Äußerungen gegenüber der deutschen Zeitung «die jahrhundertealte Freundschaft zwischen dem russischen und dem bulgarischen Volk» beschädigt.

Ist das wirklich so? Braucht es ernsthaft Russland dazu, die Europäische Union zu destabilisieren? Muss sich nicht der Staatspräsident selbst fragen, was er den in seiner Amtszeit alles auf den Weg gebracht hat, um das Leben der Bulgaren zu verbessern? Bulgarien ist neben Rumänien, immer noch das Armenhaus der Europäischen Union. Und wenn wir nach Mitteleuropa blicken, so kann man dort feststellen, dass der Lebenstandard spätestens nach der großen Finanzkrise stetig sinkt. Die Menschen haben nichts davon wenn ein Land Exportweltmeister ist, denn das kommt bei ihnen in der Geldbörse nicht an.

Die herrschende Politikerkaste tat nicht genug und die Eurokraten in Brüssel kümmerten sich um Belanglosigkeiten, aber nicht um die einzelnen Völker der Mitgliedsstaaten. Wen wundert es, wenn die Menschen von der politischen Mitte abrücken und sich zu Randparteien, wie extreme Linke oder Nationalisten hingezogen fühlen? Viele Menschen haben erkannt, dass sie ein anderes Europa wollen, als das, welches Brüssel für sie vorgesehen hat. Es klingt dann eher schon nach der berühmten Verschwörungstheorie, dass Russland aktiv die EU zu destabilisieren versucht.

 

Quelle: Contra Magazin

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