Viel wird über das „postfaktische“ Zeitalter gejammert, in dem wir uns angeblich befinden. Emotionen würden Fakten übertrumpfen, längst gehe es nicht mehr um die Köpfe, sondern nur noch um das Bauchgefühl der Menschen. Schuld sind natürlich die bösen Populisten, die ja nur die primitivsten Gefühle der Menschen anzusprechen versuchten. «Doch sind nicht in Wahrheit die Diskursverweigerer des Systems schuld an diesem Zustand?», fragt sich das Contra Magazin.

Von Marcello Dallapiccola

Das Ausmaß von Lügen, Halbwahrheiten und bewusst gestreuter Desinformation, mit dem man sich täglich konfrontiert sieht, hat mittlerweile gewaltige Dimensionen erreicht. Doch was man sich vor wenigen Jahren noch gar nicht vorstellen konnte, ist in kurzer Zeit für viele zum Alltag geworden: Dank Internet und alternativer Medien ist niemand mehr auf die Propagandaorgane des Regimes angewiesen, und dank der katastrophalen Arbeit etablierter Massenmedien greifen auch immer mehr Menschen auf diese alternativen Angebote zurück.

Wenn man nur noch aus britischen, russischen und amerikanischen Medien erfährt, was für Zustände mittlerweile auf den eigenen Straßen herrschen, dann ist es wohl auch kein Wunder, dass das Publikum sich in Scharen abwendet. Der „Mainstream“ dünnt also zusehends aus. Vor allem auch, weil es im Internet für jede noch so exotische Meinung garantiert eine Nische gibt, in der das jeweilige Bedürfnis nach Information gestillt wird. Das führt mittlerweile dazu, dass immer mehr Bürger richtiggehend aggressiv reagieren, wenn sie mit den Halbwahrheiten und komplizierten Lügenkonstrukten, die von offizieller Seite propagiert werden, konfrontiert werden.

Die Antwort des „Mainstream“ darauf ist stets die Gleiche: More of the same. Ganz im Goebbels’schen Sinne wird das, was von den Herrschenden als Wahrheit empfunden wird, täglich aufs Neue massiv in die Köpfe der Untertanen hineingehämmert. Die Dissonanz, die aufgrund des Unterschieds zwischen der eigenen Wahrnehmung und der offiziellen Version der Realität entsteht, wird indes nicht einmal ansatzweise erklärt; im Gegenteil, wer kritische Fragen stellt, macht sich gleich als Rechtsaußen oder Verschwörungsspinner verdächtig. Dabei wäre es gerade in einer Demokratie die ureigenste Aufgabe von Politik und Medien, sich auch mit vermeintlich exotischen Meinungen auseinanderzusetzen und sich den Anliegen der Bürger zu stellen, mögen diese auch noch so abstrus erscheinen.

Beispiel Reichsbürger

Reichsbürger sind Spinner. Das weiß doch jeder, immerhin wurden sie von Beginn an öffentlich dazu erklärt und von Medien als auch von der Politik gleichermaßen verhöhnt und belächelt. Wenn ein Vertreter dieser Bewegung es doch einmal in die Berichterstattung schafft, kann man sich sicher sein dass die Medien eine genaue Vorauswahl getroffen haben, so dass garantiert nur noch das intellektuell am dürftigsten entwickelte Exemplar sich vor der Kamera entsprechend lächerlich macht. Dass es auch hochgebildete und intellektuell brillante Vertreter dieser „Spinner“ gibt, wird nicht einmal am Rande erwähnt; doch gerade diese Laute wären es, mit denen sich die selbstgefälligen Vertreter des angeblichen Rechtsstaates auseinandersetzen müssten. Auf gut deutsch: Einmal bei Maischberger oder Illner die Reichsbürger so richtig mit beweisbaren Fakten und unwiderlegbaren Argumenten auseinandernehmen, und es kräht nie wieder ein Hahn nach denen. Allein, bisher traute sich das wohl niemand zu – es darf spekuliert werden, warum nicht.

Beispiel Islamisierung

Sie wissen schon, liebe Leser, die Islamisierung, die angeblich nicht stattfindet. Auch hier wird uns von oben herab verkündet, was die einzig gültige Wahrheit zu sein hat – und nirgends sonst kann man sich verdächtiger und unbeliebter machen als bei diesem Thema. Mit einer Absurdität, die schon einer schlechten Satire gleichkommt wird eine Talkshow nach der anderen darauf verschwendet, Kopftuch-Trullas über die Freiheit der Frau unterm Schleier frohlocken und Vertreter diverser Islamvereine das Hohelied vom friedlichen Islam singern zu lassen. Wenn man denn mal einen Islam-Kritiker in den Ring steigen lässt, wird peinlich genau darauf geschaut, dass der sich auch ja einer Übermacht gegenübersieht, die ihn im Notfall jederzeit empört niederschreien kann. Den Menschen von der Straße sucht man bei diesen Debatten vergeblich, seine Erfahrungen, Ängste und Sorgen tun scheinbar nichts zur Sache; dennoch wäre es gerade hier dringend geboten, endlich auch die Meinung der Mehrheitsbevölkerung zum Tragen zu bringen – auch auf das Risiko hin, dass die dem Islam bei weitem nicht so verständnisvoll gegenübersteht, wie sich das die Hochwohlgeborenen des politisch-medialen Komplexes gerne zusammenphantasieren.

Beispiel Migrationskrise

Die wird uns ja immer noch als Flüchtlingskrise verkauft, obwohl inzwischen längst jeder Dorftrottel in Hinterfurzensdorf begriffen hat, dass es sich bei der überwiegenden Mehrheit nicht um schutzbedürftige Flüchtlinge, sondern um Zuwanderer in unser Sozialsystem handelt. Auch das ständige Schön- und Kleinreden der exzessiven Kriminalität, die von vielen (jedoch längst nicht allen!) Migranten ausgeht, glaubt im Volk längst niemand mehr; die vielen negativen Erfahrungen, die so viele Einheimische bereits mit aggressiven jungen Männern aus Afrika und Arabien machen mussten, lassen sich einfach nicht mit dem ewig gleichen dummen Gelaber von Toleranz und Verständnis kaschieren. Nirgends gehört mehr klar Schiff gemacht als hier: Die Regierung muss sich endlich vorbehaltslos sämtlichen unangenehmen, drängenden Fragen stellen, und zwar am besten öffentlich und in großer Runde. Dasselbe gilt für die ganzen Migrationsgewinnler wie Caritas, Diakonie usw. sowie für sämtliche Vertreter der Massenmedien, inklusive Künstler und Intellektueller, die sich brav vor den Flüchtlings-Karren spannen ließen und sich dabei auch noch anmaßten, Kritiker arrogant zu Nazis zu erklären.

Redet mit uns!

Man könnte noch weitere Beispiele anführen, aber diese drei Beispiele sollten genügen, um das Problem aufzuzeigen. Demokratie lebt vom Diskurs, und gerade in verrückten Zeiten wie diesen sollten die Stimmen der Mahner und Warner, der Kritiker und Querdenker gehört werden. Ob man sie dann auch ernst nimmt, das steht auf einem anderen Blatt und sollte, ganz wie sich das für eine Demokratie gehört, von der Mehrheit des Volkes entschieden werden. Die Menschen sind sehr wohl fähig, Argumente gegeneinander abzuwägen und sich eine eigene Meinung zu bilden – doch dazu müssen sie ein möglichst umfassendes Bild, ein möglichst ganzheitliches Meinungsspektrum serviert bekommen. Wenn das politisch-mediale System mit seiner Sichtweise sowieso richtig liegt, dann wird ja wohl nicht so schwer sein, diese einzig selig machende Wahrheit auch gegen eine Handvoll Kritiker zugleich erfolgreich zu verteidigen – oder etwa nicht?