Die Kniefälle der US-Politiker vor der israelischen Führung sind evident. Obamas Veto-Verweigerung ist nur ein Ablenkungsmanöver. Trump hingegen wird den Israelis weit mehr Unterstützung geben als sein Amtsvorgänger.

Von Eric Margolis / Antikrieg

Einer meiner liebsten literarischen Ausdrücke ist der Begriff „Partherpfeil.” Dieser bezieht sich auf die bevorzugte Taktik der Parther, eines persischen Volks, sich auf dem Pferderücken umzudrehen und im Davonreiten Pfeile abzuschießen.

Der römische Konsul Crassus, der Spartacus besiegt hat, könnte nach seiner Niederlage in der Schlacht von Carrhae 53 v.Chr. an so einem Partherpfeil gestorben sein.

Diese Woche schoss der scheidende Präsident Barack Obama seinen Partherpfeil auf Israels Führer Benjamin Netanyahu ab, indem er sich ausnahmsweise weigerte, ein Veto gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrats einzulegen, die Israels anhaltende Enteignung arabischen Bodens in der besetzten West Bank verurteilte.

Gleichartige Enteignung und ethnische Säuberungen in den von Israel okkupierten Golanhöhen, die rechtlich zu Syrien gehören, wurden nicht erwähnt.

In den vergangenen acht Jahren hat die Administration Obama mit Israel diskrete Gespräche über die Errichtung von Siedlungen in der West Bank und Jerusalem geführt. In der Öffentlichkeit hielt die Obamaregierung die alberne aber bequeme Fiktion aufrecht, dass fruchtbare Gespräche geführt würden, die zur Schaffung von zwei Staaten im historischen Palästina führen würden.

Niemand glaubte wirklich diesen Unsinn: nicht Israel, nicht Mahmoud Abbas, der von den Vereinigten Staaten von Amerika und Israel eingesetzte Quisling, nicht die UNO, nicht Amerikas Alliierte, die arabischen Klientenstaaten eingeschlossen. Die Aufrechterhaltung dieser Lüge bedeutete, dass niemand etwas zu unternehmen brauchte, um Israels unübersehbare Expansion zu durchkreuzen.

Wenn Barack Obama und seine feministische außenpolitische Riege gelegentlich öffentliche Piepser des Protests von sich gaben, wurden er und Vizepräsident Joe Biden abgewatscht und jämmerlich gedemütigt. Es spielte keine Rolle, dass die Administration Obama versprach, Israel 38 Milliarden Dollar aus dem US-Steuertopf zum Kauf von Waffen zu überweisen, gegen eine endlose Serie von UNO-Resolutionen, die Israel wegen illegaler Ausbreitung und wegen massiver Verstöße gegen die Menschenrechte verurteilten, ihr Veto einlegte, Israel machte klar, wer wirklich der Boss in Washington war, und der war nicht Barack Obama.

Als Netanyahu zu guter Letzt Obama links liegen ließ, als er anreiste, um eine Rede vor dem Kongress zu halten, gerieten Abgeordnete und Senatoren der Vereinigten Staaten von Amerika aus dem Häuschen ob Netanyahus Anwesenheit und dem Versprechen reichlicher politischer Spenden, und diese Jasager hüpften auf und ab in krasser Verehrung des „Königs von Israel.“

Amerikas Medien, die ihn nicht weniger anhimmelten, lobten Natanyahu und schimpften Obama, weil er, wenn auch nur kläglich versuchte, Amerikas Interessen im Mittleren Osten sicherzustellen und Israels Drang nach Lebensraum einzubremsen.

Wie der weise Voltaire feststellte: „WENN DU ERFAHREN WILLST, WER DICH BEHERRSCHT, FINDE EINFACH HERAUS, WEN DU NICHT KRITISIEREN DARFST.“

Obama hätte vor acht Jahren handeln müssen, nicht in den letzten Minuten seiner Amtszeit. Jetzt hängt das Gespenst des wichtigtuerischen Donald Trump über der moribunden Administration und lässt ihre offenkundigen Fehler im Ausland deutlich erkennen. Wenn wir Trumps Tweets diese Woche auf die Weigerung der Vereinigten Staaaten von Amerika hin ernst nehmen, ausnahmsweise ein Veto gegen eine milde UNO-Resolution in Sachen Palästina einzulegen, dann stehen dem Mittleren Osten rauere Zeiten bevor als üblich.

Trump weiß nicht viel über den Mittleren Osten. Er wird sich auf einen engen Kreis von extremen Zionisten verlassen, die er namhaft gemacht hat, um das Thema zu behandeln. Das ist närrisch und völlig verrückt – außer Trump macht sich irgendwie Hoffnungen, Israel durch jemanden zu einer wirklichen Zweistaatenlösung zu bewegen, der seine Kohorten derjenigen benützt, die auf ein Großisrael hinarbeiten.

Frieden im Mittleren Osten scheint kaum vor uns zu liegen. Israels Hardliner Rechtsaußen, die sich weiter im Aufstieg befinden, scheinen entschlossen zu sein, Israels „vorläufige“ Grenzen in Teile Syriens zu verlegen. Einige Ultrazionisten sprechen sogar über das Erdöl des Iraks in Kurdistan. Warum nicht. Die kläglichen arabischen Staaten befinden sich im Zusammenbruch. Ägypten wird von einem grausamen Diktator beherrscht, der mit Geld der Saudis und Israels finanziert wird. Die Saudis sind nutzlos und verrückt gemacht durch kindische Träume von der Macht. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind jetzt sicher in Händen Israels. Es gibt Erdöl und Erdgas vor der Küste im Mittelmeer (die Palästinenser werden davon natürlich nichts kriegen.)

Was tun mit all diesen Palästinensern? Der verstorbene General Ariel Sharon hatte die Antwort: sie abschieben in die unwirtlichen Ödflächen Jordaniens, eines US-israelischen Protektorats, und das dann als Palästina bezeichnen.

Zu schlimm, wenn das der Welt nicht passt. Israel schaut vielleicht auf der Landkarte klein aus, ist aber ein riesiges Land voller sehr kluger Leute, die wissen, was sie wollen und wie sie es kriegen.

Aber das ist ein sehr kurzsichtiger Sieg. Durch die Vereitelung eines UNO-Friedensabkommens, das nahezu ein halbes Jahrhundert Streit beendet hätte, garantiert Israel weitere endlose Jahre der Gewalt, ansteigenden Antisemitismus und seine anhaltende Entfremdung vom Rest der Welt. Ein neuer Apartheidstaat wird geboren. Alle die wohltönenden Reden Präsident Obamas über Frieden im Mittleren Osten haben sich in Luft aufgelöst.

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