Der ehemals als Partner der CIA fungierende General Chalifa Haftar soll hinter dem jüngsten Angriff auf den Militärflughafen von al-Dschurfa stecken. Dabei wurde ein Flugzeug angegriffen, auf dem sich hohe politische Repräsentanten von Misrata befanden.

Ein Kampfflugzeug der Armee des umstrittenen Generals Chalifa Haftar hat am Dienstagmorgen ein Transportflugzeug jener Streitkräfte bombardiert, die mit der international anerkannten Regierung in Tripoli verbündet sind. Der Vorfall ereignete sich auf dem Militärflughafen von al-Dschurfa. Dabei starb eine Person, ein Militärsprecher und eine noch nicht endgültig bezifferte Anzahl weiterer Personen erlitten Verletzungen.

 

 
Das Medienbüro der Verwaltung des Departments Misrata bestätigte in einer Mitteilung auf Facebook, dass ein Bombardement der Luftwaffenbasis al-Dschurfa zur Zerstörung eines Transportflugzeugs vom Typ C-130 führte. An Bord der Maschine, die kurz nach ihrer Landung ins Visier genommen wurde, befanden sich zahlreiche hochrangige politische Persönlichkeiten.

Einer der Passagiere war der ehemalige Bürgermeister der bedeutsamen libyschen Küstenstadt Misrata, Yusif ben Yusif. Dieser berichtete, dass die C-130 mit mehr als einer Bombe ins Visier genommen wurde.

Oberst Ibrahim Beyt el-Mal, Pressesprecher des Militärrates von Misrata, wurde bei dem Luftangriff verletzt», sagte ben Yusif.

Um diesen mutmaßlichen feindlichen Angriff auf hochrangige Vertreter der Verwaltungsspitze von Misrata zu verschleiern, präsentiert ein Sprecher der unter dem Banner der «Operation Würde» vereinten Streitkräfte, die dem Oberbefehl des Ex-CIA-Kollaborateurs Chalifa Haftar unterstehen, eine alternative Darstellung. Ihm zufolge war das Ziel des Luftangriffs die «Tötung von Anführern der Terrormiliz ‘Islamischer Staat’ auf der Luftwaffenbasis al-Dschurfa».

Der Pressesprecher der libyschen Luftwaffe, Muhammed Gununu, versprach, dass in den nächsten Tagen weitere Details über den militärischen Übergriff bekanntgemacht werden. Die international anerkannte Regierung in Tripoli werde «im Rahmen legaler Maßnahmen entsprechend antworten».

Gununu bestätigte:

Es ist nicht wahr, dass die C-130 Miliärausrüstung transportierte. In ihr hielt sich eine Delegation hochrangiger Vertreter aus Misrata auf.

Im Gespräch mit RT Deutsch warnte der Vorsitzende der Deutsch-Libyschen Handelskammer in Berlin, Salem ben Muftah, vor möglichen weiteren Übergriffen vonseiten des Generals Chalifa Haftar. Er sagte:

Das Verhalten des selbsternannten Befehlshabers der libyschen Streitkräfte, Chalifa Haftar, welche in Wahrheit nur ein Verbund aus lokalen Milizen und ausländischen Söldnern sind, provoziert mit der Aktion vom Dienstag eine Eskalation der Gewalt in Libyen.

Ben Muftah hinterfragte die Äußerungen des Sprechers der «Operation Würde»-Streitkräfte kritisch und gab zu bedenken:

Angebliche IS-Ziele wurden demnach auf dem Stützpunkt in al-Dschurfa bekämpft. Da stellt sich dann sofort die Frage, wieso die Haftar-Miliz nicht im Kampf um Sirte mitgewirkt hat? Dort kämpfte die Regierung von Tripoli und Misrata auf sich alleine gestellt gegen den ‘Islamischen Staat’.

Auf die Frage, worum es bei dieser Konfrontation geht, erklärte der libysche Vertreter:

In Wahrheit geht es nicht um ein einiges Libyen unter Haftar. Er will das Land nicht einen. Er kämpft lediglich um die komplette Kontrolle Libyens und möchte dem Westen gegenüber vollendete Tatsachen schaffen. Haftars Schergen haben in dem von ihnen kontrollierten Gebiet die Opposition und andere demokratische Kräfte unterdrückt und inzwischen beseitigt.

Ben Muftah warnte vor den fragwürdigen Interessen des ehemaligen Kollaborateurs des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes und verweist auf dessen Rolle im gewaltsamen Putsch gegen den früheren Machthaber Muammar Gaddafi. Er führte an:

Haftar selbst gab in einem kürzlich gegebenen Interview bekannt, dass Libyen seiner Meinung nach einen starken Mann braucht und er der Richtige wäre, um Ordnung und Stabilität herzustellen. Es bahnt sich eine erneute Diktatur an, die womöglich noch grausamer und rücksichtsloser vorgehen wird als das, was wir vorher erlebten.

Der libysche Handelskammer-Chef vermutet, dass der Angriff eine weitere Eskalation hin zu einem echten Bürgerkrieg bewirken sollte, um eine politische Konsolidierung in Tripoli zu unterminieren. Ben Muftah meint dazu:

Ein umfassender Bürgerkrieg würde Haftars Unterstützern in Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten in die Hände spielen. Geld für Krieg zu erlangen ist inzwischen kein Problem mehr. Die Haftar-Miliz verkauft Erdöl einfach auf dem Schwarzmarkt, wie der Kommandeur Nathouri aus den Reihen Haftars neulich selbst in einem Interview preisgegeben hat, auch wenn er danach deutlich zurückgerudert ist.

Wochen zuvor konnte die Armee Haftars in Benghasi und an den strategisch wichtigen Erdölhäfen Ras Lanuf, Al-Sidra, Zuwaytina und Brega militärische Erfolge verbuchen. Daraufhin begannen de Milizen weiter gen Westen vorzurücken. General Haftar machte zuletzt deutlich, die Hauptstadt im Westen Libyens, Tripoli, einnehmen zu wollen. Poltische Persönlichkeiten und zahlreiche Stämme und Städte, darunter Misrata, befürworten allerdings die bestehende internationale Einheitsregierung in Tripoli.