Mit dem Amtsantritt von Donald Trump verbindet sich die Hoffnung auf eine Entspannung der Beziehungen zu Russland. In diese Richtung kann sich sicher einiges bewegen, ein grundlegender Friede wird aber nicht ausbrechen. Der Grund dafür ist die Geopolitik. Zwischen den USA und Russland besteht notwendigerweise ein Gegensatz.

 

Von Dr. Christian Weilmeier

In den letzten Jahren der Obama-Administration hat sich das Verhältnis der USA zu Russland massiv verschlechtert. Über die Ursachen wird schon lange und ausführlich diskutiert, das möchte ich hier nicht noch einmal alles wiederholen. Nun glauben viele, unter Trump würde das alles anders. Fakt ist, dass Trump ein anderes Verhältnis zu Russland hat. Schon ideologisch steht er Putin näher als der politisch-korrekte Obama es je war. Das ist natürlich eine gute Grundlage. Beide werden darauf basierend einen Neuanfang versuchen, der durchaus zu Fortschritten führen kann. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die USA von ihrem Allmachtsanspruch herunterkommen und auch die legitimen Interessen anderer großer Mächte anerkennen. Ein gewisses Hindernis könnte sein, dass Trump gelinde gesagt sehr selbstbewusst ist und schnell meint, sich beweisen zu müssen. Das könnte das Verhältnis zu Putin trüben, vor allem wenn CIA und Konsorten Trump mit entsprechenden Informationen zu steuern versuchen.

Viel entscheidender ist jedoch die Geopolitik. Hier gibt es den grundsätzlichen Gegensatz zwischen der Seemacht USA und der Landmacht Russland. Die USA als Seemacht müssen verhindern, dass eine Macht auf dem eurasischen Kontinent zu stark und zu durchorganisiert wird, denn sonst verlieren sie den entscheidenden Vorteil, den sie haben, nämlich die überragende Bedeutung der See-Verbindungswege. Die Landmacht muss eine Seeweltmacht verhindern, weil dies der einzige gefährliche Gegner ist, da er überall angreifen kann. Man kann darin schon den Gegensatz zwischen dem kolonialen England und Russland sehen und jetzt den Gegensatz zwischen den USA und Russland. Voraussetzung ist, dass beide Mächte sich als Großmächte verstehen und souverän agieren wollen. Das ist sowohl bei den USA, als auch bei Russland gegebenen.

Selbst wenn also Trump sich mehr auf die USA selbst konzentriert, er wird die vitalen Interessen der USA als Seemacht wahrnehmen müssen, will er die Weltmachtrolle der USA behalten und die braucht er, um seine Linie durchzusetzen und Druck ausüben zu können. Dazu gehört die Eindämmung der Landmacht, gerade im Herzland Eurasiens. Wir sollten also nicht zu sehr Friede, Freude, Eierkuchen erwarten, sondern realistisch bleiben. Gerade Deutschland hat einen enormen Mangel an Realpolitik und flüchtet gerne ins ideologische Wolkenkuckucksheim.

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