Hier gibt es erstaunlicherweise keinen Aufschrei der „Weltgemeinschaft“: laut dem soeben veröffentlichten „Weltverfolgungsindex“ des überkonfessionellen christlichen Hilfswerkes „Open Doors“ (früher: „Offene Grenzen“) sind derzeit rund 200 Millionen Christen weltweit einem hohem Maß an Verfolgung ausgesetzt. In den vergangenen Jahren war stets die Zahl von 100 Millionen verfolgten Christen genannt worden.

via Zuerst!

Die sprunghafte Steigerung begründet das Hilfswerk damit, daß nach neun Jahren eine „Neueinschätzung der Situation” vorgenommen und die bisherige Schätzung aktualisiert worden sei. Die Lage der 650 Millionen Christen, die als Minderheit in den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex leben, habe sich von Jahr zu Jahr verschlechtert, so „Open Doors“.

Beispiele seien etwa die Folgen des (von westlichen Ländern und Geheimdiensten maßgeblichen unterstützten) „Arabischen Frühlings“, die Vertreibung der Christen aus der irakischen Stadt Mossul und eine verschärfte Situation in Asien und Afrika, wo Christen beispielsweise unter der Verfolgung der islamistischen Terrororganisation Boko Haram leiden.

An der Spitze der Verfolgerländer steht auch 2017 unangefochten das kommunistische Nordkorea, gefolgt von Somalia, Afghanistan, Pakistan, dem Sudan, Syrien, Irak, Iran, Jemen und Eritrea. Deutlich verschlechtert hat sich die Lage von Christen darüber hinaus in Indien und der Türkei, die gleich um acht Plätze nach vorn wanderte. Die Religionsfreiheit für Christen sei unter Präsident Edogan nun stark eingeschränkt, urteilt „Open Doors“.

Bei der Katholischen Bischofskonferenz ist man von den Recherchen des Hilfswerkes offenbar nicht überzeugt – ein Sprecher riet unverzüglich zu einem „differenzierten Umgang mit den jetzt veröffentlichten Zahlen“. Auch die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Petra Bosse-Huber, zeigt sich distanziert und relativiert: „Dort, wo die Religionsfreiheit für Christen eingeschränkt ist, wird immer auch die Freiheit anderer Religionen mißachtet.“