Seit langem wissen die Verantwortlichen um die Schwächen des Leopard 2. Man wusste auch, dass die Russen einen neuen Kampfpanzer (den jetzt bekannten T14) in Arbeit haben.

Seit 2009 gibt es ein „Nachdenken“, seit 2012 einen Vertrag mit Frankreich über die gemeinsame Entwicklung des Leo 2 Nachfolgers – den die Presse schon Leopard 3 taufte. 6 Jahre „Nachdenken & Entwicklung“ brachten bis Ende 2015 gerade mal „Erste Studien“ für den Leo2 Ersatz. Schneckentempo? Was für eine Beleidigung für die Schnecke!

 

Von Viribus Unitis

Dies ist mein letzter Beitrag im Rahmen der «Kampfpanzer Leopard»-Artikelserie. Ausgehend von den Leopard 2A4-Verlusten der Türken in Syrien gegen den IS wurde das Konzept des Leicht-Panzers beleuchtet, die Kanonenprobleme im Rahmen von Leopard 2 und Leo 3 dargestellt und schließlich eine zusammenfassende Analyse des aktuellen Zustandes des Leo 2 gemacht.

Kampfpanzer und der Zahn der Zeit: Klassiker und Zukunftsmodelle

Die Kampf-Panzer die heute die Welt bevölkern kann man grob in vier Kategorien einteilen:

1. Die Oldtimer: Der noch immer aktive US- M60, französische AMX 30, Leopard 1, ja sogar uralte US-M41 Walker Bulldog und M48 sind noch im Einsatz. T54/55 aus Russland ebenso.

2. Die Klassiker: Der US-M1 Abrams, der britische Challenger, Frankreichs AMX Leclerc, Italiens Ariete, Israels Merkava und Deutschlands Leopard 2. Auch die brandneuen Kampfpanzer aus Südkorea (also der K2), und der Türkei (der Altay) sind dieser Generation zuzurechnen. Japans Typ 90 auch. Russlands T64/72 und partiell der T80 gehören auch dazu. Auch Chinas VT4 ist in dieser Klasse.

3. Der Hybrid: Hybrid hat der Westen bis auf den modifizierten Merkava keinen. Der Osten auch nur einen, nämlich partiell der T80 und der T90.

4. Die Zukunft: Die Russen haben mit ihrem T14 die Zukunft schon betreten. Europas Zukunfts-Panzer, Leo 3 genannt, eine deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion, wird nicht vor 2030 die Truppe erreichen. Das sind heutige Planungsdaten, ohne die üblichen Verzögerungen die es immer gibt. Trotzdem sind dabei die Europäer den USA voraus. Pläne für den Ersatz des alten M1 Abrams gibt es derzeit keine – er soll noch bis 2050 im Dienst bleiben.

Die Briten steigen überhaupt aus Kampfpanzern aus. Sie ersetzen ihre Challenger gegen Light Tanks des Typs Ajax.

Der Kampfpanzer ist nicht tot. Viele Länder entwickeln Kampfpanzer oder haben gerade neue in Dienst gestellt. Südkorea den aktuell teuersten Panzer weltweit, den K2 «Black Panther». Die Ukraine ihren T84 Oplot. Japan den Typ 90. Israel versucht seinen Merkava auf «Raumschiff Enterprise»- Standard zu bringen. China baut den VT4, für den es inzwischen einen Exportkunden gibt, nämlich Thailand, das seine Bestellung für ukrainische Oplot storniert hat.

Leopard 2 „Tempi passati“ (vergangene Zeiten) – Konstruktion / Design am Ende

Manchmal ist eine Grundkonstruktion «am Ende». Das bedeutet, in der grundlegenden Ausführung wie man es bisher machte, kann man nicht weitermachen, weil es technisch und auch im Rahmen des Gebrauchs nicht mehr geht. Der Umstieg vom Käfer zum Golf war so eine «Design am Ende» Sache. Luftgekühlter Heckmotor mit Heckantrieb und der Aufbau bzw. die Karosserie als solches ging nicht mehr. Das dann eingeführte Golf-Design mit wassergekühltem Frontmotor und Frontantrieb läuft – jeweils weiterentwickelt – noch immer. Genau das gleiche war im Rahmen des VW-Busses, Bulli genannt, als man vom luftgekühlten Heckmotor / Heckantrieb T3 auf den wassergekühlten Frontmotor und Frontantrieb beim T4 umstieg. Manchmal ist es notwendig einen radikalen Schnitt zu machen.

Genauso ist es mit dem Leopard 2. Es hängen viele Emotionen an diesem Panzer (auch meine). Man mag den Leo 2 – muss aber gleichzeitig erkennen, dass er technisch im Rahmen der Panzerung, des Fahrwerks, auch der Kanonentechnik, nicht mehr den Anforderungen der neuen militärischen Zeiten entspricht. Der Leo hat Mythos, bindet Emotionen – und doch, das muss man berücksichtigen, er ist ein Stück militärische Vergangenheit. So wie der Käfer auch bei den Autos, oder der Heckmotor-Bulli.

Das deutsche Panzerdesign, das maßgebend für die westliche Welt war, beruhte auf dem Panther V aus dem 2. Weltkrieg. Man betrachte die US-Panzer M41, M48, M60 – und weiterentwickelt, der M1 Abrams. Der Panther V lässt grüßen! Der Leopard 1 war mehr oder weniger eine optimierte bzw. moderne Version des alten Panther V. Der Leopard 2 war eine Weiterentwicklung des Leo 1.

Der Panther V – ein deutsches Panzer-Design, das internationale Panzer-Geschichte schrieb:

Der Leo 2 schwächelt merklich, wie die Leopard 2 Verluste der Türken in Syrien zeigen. Auch die Feuerkraft lässt zu wünschen übrig. Dieses deutsche Panzerdesign ist am Ende seiner Entwicklungsmöglichkeiten.

So wie es das Design der russischen T64/72/80/90- Serie auch war. Die Russen hatten zuerst den T34 geschaffen, von dem die Deutschen viel kopierten und den Panther V in Teilen daraus ableiteten. Dann haben die Russen mit dem T54/55 die Basisversion geschaffen, die mit einigen Traditionen des T34 brach. Deutsche Panther und Tiger- Ideen sind hier wirksam geworden. Gegenseitige Befruchtung darf man das nennen. Aus dem T54/55 wurden dann die T64/72/80/90 – Typen abgeleitet. Die Russen versuchten zuerst, den T90 zu modifizieren. Das gelang nicht wie gewünscht. Also machte man einen Schnitt. Der T99 / Objekt 148 war geboren, und damit das Ende der T54/55-T64/72/80/90- Panzerfamilie.

Ab 2004 entwickelten die Russen eine völlig neue Panzerfamilie, Armata genannt, dessen Kampfpanzer-Version wir heute als T14 kennen. Zur Klärung, die Panzerfamilie heißt Armata und besteht aus mehreren unterschiedlichen Panzertypen. Armata ist streng genommen nur die Wanne mit allem was dazu gehört, wie Motor, Fahrgestell, etc. Dass der T14 Kampfpanzer auch gleichzeitig Armata genannt wird, ist nicht einer russischen Militärtaufe, sondern einer internationalen Medien-Taufe zu verdanken.

Die Russen mussten erkennen, dass ihre Designlinie am Ende war und orientierten sich neu.

Die Designlinie der Panther-Leo-Familie ist auch am Ende. Die Unzulänglichkeiten dieser alten Familie sind schon lange bekannt. Die Russen schafften es immerhin in ihr altes T64/72 Design einen automatischen Lademechanismus zu integrieren. Das hätte man beim Leo auch gerne gemacht, ging aber nicht. Die Designlinie der Panther-Leo-Familie war und ist eben ausgereizt.

Auch die Briten waren am Ende mit ihrem Panzerdesign. Die Churchill und Comet Panzer des 2. Weltkrieges waren – naja. Nach dem Krieg orientierte man sich an Kriegserfahrungen und deutschen und russischen Ideen. Centurion und Conqueror waren keine schlechten Entwicklungen. Daraus entwickelte man den Chieftain und schließlich den Challenger. Nun, das Challenger- Design war am Ende. Eine Modernisierung war ins Auge gefasst worden, aber wegen Kosten (700 Millionen Pfund) und auch Wirkung (viel Geld für wenig Kampfwertsteigerung) verworfen worden. Die Briten standen vor der Frage: Neuentwicklung oder Umstieg auf «Light Tank».

2015 boten die Deutschen den Briten an, 100 bis 400 gebrauchte Leopard 2 zu kaufen. Die Briten lehnten empört ab. Schließlich hatten sie den Panzer erfunden, sagten sie (was nicht stimmt), und bräuchten von Kriegsverlierern wie den Deutschen keine Second-Hand-Panzer. Die Briten entschieden sich dafür, keine neuen Kampfpanzer mehr zu beschaffen, und statt dessen die von Gerneral Dynamics gebaute Light-Tank-Familie Ajax einzuführen.

Der Leopard 2 ist zwar veraltet, aber besser als der Ajax ist er auf jeden Fall. Bei jeder Waffe kommt es ja auch auf den Gegener an, gegen den man sie einsetzt. Gegen den künftigen modernen britischen Ajax hat der alte Leo 2 keine Probleme. Die US- General Dynamics- Blechdose, in britischen Diensten Ajax genannt, hat keine Chance. Wenn russische T80, T90 oder gar T14 die Gegner sind, sieht es schon anders aus.

Für Interessierte: Die Briten haben den Panzer NICHT erfunden. Der erste Panzer war der Österreich-Ungarische Austro-Daimler Panzerwagen entwickelt von Gottlieb Daimlers Sohn, Paul Daimler und ab 1905 gebaut (nur Prototypen) in den Austro-Daimler Werken in Wiener Neustadt. Das technische Paket bzw. Design wurde nachdem es in Österreich-Ungarn und in Deutschland jeweils von der Armee abgelehnt worden war, Renault verkauft. Vorbild für französisch- russische Entwicklungen des Konsortiums Izhorksy-Mgebrov-Renault aber auch für das Rolls Royce Armoured Car.

Vergleicht man die Auslegung des berühmten französischen Renault FT-Panzers aus dem ersten Weltkrieg mit dem Austro-Daimler-Panzerwagen, so ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu übersehen. Man hat die Grundkonstruktion von Paul Daimler einfach umgedreht, Motor nach hinten, Umstellung auf Raupenketten- Antrieb, fertig war der legendäre «französische» Renault FT, der doch eigentlich ein «Paul Daimler» war.

Leopard 3 (drei) schon lange in Planung – mehr auch nicht

Schon vor 2000 wussten die West-Panzerplaner, also die Deutschen, dass die Russen an einem neuen Panzer arbeiteten. Die NATO wusste von den Anstrengungen der Russen, im Rahmen der Panzerentwicklung, tat aber nichts. Irgendwann 2007/8 ist dann jemand aufgefallen, dass da scheinbar was im Anmarsch ist, aus Russland. Sollte man doch was tun, dachte man sich. Erste Gespräche begannen. Naja, Talks eben, Meetings, wichtige Meetings, Meetings halt.

Ach, dachte man dann 2012, nach vielen Meetings, das schreiben wir gleich in das neue Programm für die Deutsch-Französische-Rüstungskooperation hinein. Den neuen Panzer machen wir zusammen mit den Franzosen: „Für die Vision einer neuen Panzergeneration beispielsweise bedeute dies, «dass die Heeres-Experten beider Seiten sich zusammensetzen und nachdenken, wie ein Panzer der Zukunft aussehen könnte. Arbeitsgruppen sollen die Kooperationsmöglichkeiten ausloten und einen Zeitplan bis 2030 entwickeln.“

Konkret beschloss man zu den vorherigen rein deutschen Meetings künftig auch die Franzosen einzuladen. Und es gab weiter Meetings. Im Übrigen, gegen das Panzer-Basteln gab und gibt es heftigen Widerstand. «Statt sich im Rahmen der Weißbuch-Debatte über die zukünftigen Aufgaben der Bundeswehr zu einigen und dann die Beschaffungspolitik danach auszurichten, setzt von der Leyen auf immer mehr und neue Panzer», sagte die Verteidigungsfachfrau Agnieszka Brugger (Grüne).

Die Arbeitsgruppen dachten im Rahmen ihrer Meetings zuerst mal ans Geschäft. Überlegt wurde, ob denn nicht der deutsche „Leopard“- Hersteller KWK mit dem französischen „Leclerc“-Hersteller Nexter fusionieren sollte. Dieser neue Rüstungsriese hätte dann mit 6.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro. Ende 2015 kam es dann zur Fusion. Immerhin schaffte man innerhalb von 3 Jahren mit vielen Meetings eine Fusion.

Beim Panzer selbst ging es im Rahmen der Meetings weniger schnell voran. Immerhin, bis 2015 schaffte man erste Entwürfe. Nach drei Jahren Entwicklungszeit – also vielen Meetings – immerhin schon «erste Entwürfe» – ist ja schon was! Einen Namen hatte man noch nicht, Deutsche und Franzosen würden dem dann fertigen Panzer vermutlich jeweils eigene Namen geben. Zwischendurch sollte das Ding MGCS (Main Ground Combat System) genannt werden. Die deutsche und internationale Presse optimierte den Namen, zwischenzeitlich, so geistert der MGCS als „Leopard 3“ durch die Medien. Und man hatte auch schon einen Zeitplan, der da als Conclusio vermeldete „Vor 2030 ist mit keinen einsatzfähigen Ergebnissen zu rechnen“. Bis 2030 kann man noch jede Menge Meetings ansetzen.

Auch die Russen machen Meetings. Deren Meetings haben Panzer-Resultate. Die Russen sind mit ihrem T14 Kampfpanzer und der Kanone schon fertig.

West-Panzer-Konzepte gegenüber den Russen und anderen im Rückstand

Wenn es um Kampfpanzer geht, dann schaut die westliche Welt nach Deutschland. Die USA sind in diesem Bereich schon «lange weg vom Fenster». Sie konnten für ihren so hochgejubelten M1 Abrams nicht mal eine eigene Kanone fabrizieren, mussten zuerst die britische L7 und dann die deutsche Rheinmetall Rh 120 L/44 nehmen (für die bessere Rh 120mm L/55 bräuchte es eine Modifizierung die die USA noch nicht gemacht haben). Kein Ruhmesblatt. Deutschland ist Panzer- Führungsland der westlichen Welt. Ein Rückstand Deutschlands ist ein Rückstand der westlichen Welt in Sachen Panzerbau.

Die Panzer-«Karosserie»: Wenn man den südkoreanischen «Black Panther», oder den türkischen «Altay», oder den japanischen «Typ 90», und andere betrachtet, gibt es gewisse Ähnlichkeiten zum Leo 2. Bedenkt man, dass im Tierreich ein «Black Panther» nichts anderes ist als ein Leopard mit schwarzem Fell, dann passt ja alles. Die westliche Welt kann wählen, sie wählt Deutsch. Was Deutschland im Panzerbau vorgibt, ist für die westliche Welt im Panzerbau Vorbild.

Es ist völlig unklar, ob KMW es schafft, eine zeitgemäße Panzerung zu entwickeln. Schon die Panzerung des Leopard 2 hatte erhebliche Mängel – sonst hätte man ja keine Zusatzpanzerung für den Leo2 gebraucht. Die russischen T80 und T90 kommen ohne Zusatzpanzerung aus und können trotzdem von den Leo 2-Geschossen nicht durchdrungen werden. Ob KMW ähnliches schafft wie die Russen im Rahmen der Armata-Familie, also eine Art Afganit-Super-Panzerung, bleibt abzuwarten.

Wenn nun die deutsche KMW und die französische Nexter zusammen arbeiten, ergibt dies Synergien. Es kann ja sein, dass in diesem Zusammenhang ein gewisser «Know How» Input der Franzosen die Denkprobleme der Deutschen überwinden hilft. Frankreichs berühmter Panzerbauer „Atelier de Construction d’lssy-les-Moulineaux“ (AMX) ist in GIAT aufgegangen. GIAT war das Kernunternehmen, aus dem NEXTER geschaffen wurde, und jetzt Teil des Gemeinschaftsunternehmens mit KMK ist. Der erste Kampfpanzer der von AMX nach dem Krieg gebaut wurde, der AMX 50 hatte Wanne und Fahrwerk, auf Basis einer Mischung aus deutschem Panther und Tiger (jeweils das Beste) und den Maybach HL 295 12VC 850 hp – Motor vom Panther V. Ein Panther-Kreis schließt sich.

Was im Westen auch zu denken geben sollte: Die Russische Konkurrenz ist mit ihrer Neuentwicklung, dem T14 Kampfpanzer schon fertig.

Die Panzer-Kanone: Bei der Panzerkanone konnte die westliche Welt wählen. Es gab die deutsche Rheinmetall Rh 120mm, im Leopard 2 eingebaut. Es gab auch die französische GIAT CN120-26/52 Kanone, eine 120 mm/L52, im Leclerc eingebaut. Es gab auch die britische Royal Ordnance L11A5, 120 mm L/55, sogar in zwei Ausführungen, L11 und L30. Die Welt wählte die deutsche Rheinmetall Rh120mm. Auch die Israelis haben sie im Merkava, von Watervliet Arsenals in den USA gebaut / geliefert. Deutsche Wehrtechnik als World- Seller.

Eigentlich ist die Rh 120mm veraltet. Trotzdem findet sie auch noch in Neu- Panzern Anwendung. Die meisten Leopard 2 verwenden die Rh 120mm L/44.  Eine Kanone die auch im USA / M1A2 «Abrams» (Lizenzbau durch Watervliet Arsenal) und im nagelneuen japanischen Typ 90 (Japan Steel Works) eingebaut ist. Die wenigen best- modifizierten Leopard 2 verwenden die Rh 120mm L/55, die auch Süd Korea für seinen nagelneuen und ultra-teuren K2 «Black Panther» verwendet. Auch der türkische Altay ist damit bewaffnet (Mkek).
Stellen sie sich vor, sie konstruieren ein neues Formel 1 Auto und statten es mit einem Motor von vor 10 Jahren aus. Genau das ist hier passiert. Eine alte Kanone muss – mangels Alternative – für neue Panzer verwendet werden. Aber die westliche Welt hat keine Wahl. Rheinmetall ist das Beste im Westen, wenn auch nicht mehr das Beste der Welt.

Was im Westen auch zu denken geben sollte: Die russische Konkurrenz ist mit ihrer Neuentwicklung, der Panzerkanone 125mm 2A82-1M des T14 schon fertig.

Vom «Konkurrenzprodukt», der Rheinmetall Rh130mm L/51 wurde gerade mal im März 2016 ein Demonstrator aufgestellt. Ein Demonstrator ist nicht mal ein Prototyp, das ist einfach ein Real-Modell wie man sich die Kanone vorstellt. In der Autoindustrie wird so etwas als Mock up bezeichnet. Was ist ein Mock up? Wikipedia: Der aus dem Englischen stammende Begriff Mock-up oder Mockup (auch Maquette) bezeichnet im Deutschen beispielsweise eine Attrappe.

Beim Mock up weiß man noch nicht, wie man den technischen Wunsch technisch umsetzt. Die Russen sind schon fertig. Rheinmetall fängt gerade erst an! Entwicklungsrückstand? – JA! Wie lange? Rheinmetall ist mindestens 10 Jahre in Entwicklungs- Rückstand.

Die Frage ist auch – schafft Rheinmetall das überhaupt? Die Rh 140mm, gedacht als Ersatz der Rh 120mm beim Leopard 2, war eine Pleite. Die Rh 120mm LLR 47 ebenso. Wer sagt das Rheinmetall es schafft die Rh 130 gut umzusetzen? Rheinmetall kann mit der Rh 130mm genauso scheitern, wie Rheinmetall auch mit der Rh 140mm gescheitert ist.

Nexter Systems SA ist ein französischer Rüstungs- Konzern, der 2006 aus der staatlichen GIAT Industries hervorgegangen ist. GIAT hat auch die Kanone für den Leclerc gebaut. Es kann ja sein, dass in diesem Zusammenhang ein gewisser «Know How» Input der Franzosen die Denkprobleme der Deutschen überwinden hilft. Jene Panzerkanone auf der alle GIAT-Panzerkanonen-Entwicklungen aufbauen, war die deutsche 7,5-cm-KWK 42 des Panzer V. Diese KWK (KampfWagenKanone) war ehemals – damals von eben Rheinmteall für den Panther V entwickelt und gebaut worden. Diese dann «französische» GIAT- Kanone war dann – in Weiterentwicklung – auch Waffe des AMX 13. Auch dieser Panther-Kreis schließt sich.

Der neue Leo 3 hat auch personell von den Russen starke Vorgaben bekommen. Der neue T14 hat 3 Mann Besatzung, kann aber auch von 2 Mann bedient werden, und notfalls reicht ein Mann auch (allerdings dann eingeschränkter Betrieb). Grundsätzlich soll es in den nächsten Jahren eine «Drohnen»-Version, also ferngelenkt ohne Besatzung geben. Herausfordernde Vorgaben, die vom deutsch-französischen Konsortium abzuarbeiten sind.

Ein Rückstand Deutschlands ist ein Rückstand der westlichen Welt in Sachen Panzerbau

Gut, alles ist im Rückstand. Der russische T14 geht nach heutigen Planungen Anfang 2018 in den Truppendienst – aktuell sind 40-50 Vorserien-Panzer produziert worden, mit denen Enderprobungen laufen. Der deutsch-französische Konkurrent des T14, der MGCS (Main Ground Combat System), auch schon Leopard 3 genannt, wird erst 2030 einsatzbereit sein. Zwölf Jahre Rückstand (ohne die immer üblichen Verzögerungen).

Deutsche Soldaten werden von der Politik in den Kampf geschickt. Wenn sie schon kämpfen müssen, dann sollte es das bestmögliche Gerät sein, mit dem sie kämpfen. Die Soldaten bestimmen die Kämpfe nicht. Es sind die Politiker welche die Einsatzentscheidungen treffen. Je besser das Gerät, desto wahrscheinlicher das Überleben der Soldaten.

Man ist es den Soldaten schuldig, ihnen das beste Gerät zu geben. Sie riskieren ihr Leben, und der Staat sollte ihnen das beste Gerät geben, das möglich ist, und diesen Soldaten die Ehre zu Teil werden lassen, die sich diese Kämpfer mit ihrem Einsatz verdient  haben. Aktuell merkt man von beidem in Deutschland nichts! Deutschland gibt weder das beste Gerät, noch die Ehre und Dankbarkeit, die sich diese Soldaten verdient haben.

Man kann natürlich nicht sagen wie erfolgreich oder nicht erfolgreich die deutsch-französischen Panzerbemühungen sein werden. Man kann nur den Beteiligten das Beste wünschen, im Interesse der Soldaten, die für Deutschland und Frankreich kämpfen, also ihr Leben riskieren.

Wünschen sollte man sich auch, dass die Früchte dieser Arbeit, die bestmöglichen und kampfstärksten Panzer, niemals einen Einsatz erleben müssen. Nach der Quintessenz der 7. Philippica, einer Grundsatzrede von Marcus Tullius Cicero, die da heisst:
Si vis pacem para bellum („Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg)