Wer in Deutschland bei Hartz-IV angelangt ist, ist schon arm dran. Kommt es aber zu einer Vollsanktion, fristen viele Deutsche nur mehr ein nahezu würdeloses Dasein. Auf der anderen Seite gibt es in der bunten Republik die Willkommenskultur. 

Im Schnitt 7000 Betroffene pro Monat erhielten im Jahre 2015 keine Geldleistungen vom Jobcenter, weil sie mit einer Vollsanktion belegt waren. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping hervor, die der Tageszeitung «neues deutschland» vorliegt. Im Falle einer solchen Vollsanktion erhalten die Betroffenen nur noch Lebensmittelgutscheine. Jedoch würden sich viele scheuen, mit solchen Gutscheinen einkaufen zu gehen.

«Die schämen sich», so die als Hartz-IV-Rebellin bekannt gewordene Inge Hannemann. Insbesondere Jüngere unter 25 würden durch die Vollsanktionen abgeschreckt. «Die haben wir komplett verloren, die verschwinden und melden sich nicht mehr», so Hannemann, die heute für die Linkspartei in der Hamburger Bürgerschaft sitzt. Deshalb bezeichnete es Katja Kipping als «alarmierend», dass die Bundesregierung keine Erkenntnisse zum Verbleib der Vollsanktionierten hat, wie aus der Antwort hervorgeht.

Ebenso wenig weiß man im Haus von Ministerin Andrea Nahles (SPD), wie viele Vollsanktionierte Sachleistungen erhielten. Auch über die Zahl derer, die keine Lebensmittelgutscheine beantragten und damit auch die Krankversicherungsbeiträge einbüßten, herrscht im Ministerium Unklarheit. «Das Bundesministerium von Andrea Nahles weiß nichts über die Folgen des zutiefst grundrechtswidrigen Akt der Totalsanktionierung. Ihr scheint das Schicksal der Betroffenen vollkommen egal zu sein», kritisierte Kipping.

Quelle: Contra Magazin
Gerechtes Deutschland? – 7000 vollsanktionierte Hartz-IV-Bezieher pro Monat