In vielen Medienportalen wird die Mär von russischen Hackern immer wieder erzählt? Beweise? Fehlanzeige! Aber es gibt auch andere Reaktionen auf solche Vorwürfe. Ein Kommentar vom Tagblatt aus Luxemburg.

Eigentlich dachten wir, die Russen seien klüger. Zumindest die in den sogenannten Sonderdiensten. In Zeiten, als der weltweit Schrecken verbreitende Geheimdienst noch KGB hieß, wurden die Besten der Besten rekrutiert. Heute, 25 Jahre nach der Implosion der Sowjetunion, beschäftigt der FSB scheinbar lediglich Mittelmaß, schreibt Lucien Montebrusco vom Tageblatt.

 

 

Dümmlicher geht es tatsächlich nicht. Da hacken sich russische Cyber-Abenteurer in US-Server ein, um dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten den Sieg zu erleichtern, und hinterlassen jede Menge Spuren. Diese führen schnurgerade zum Kreml-Herrn Putin.

Irgendwie erinnert das Ganze doch stark an jene Thriller aus den Hochzeiten des Kalten Krieges, als fiese, den Untergang des Westens herbeisehnende Agenten durch ihren starken russischen Akzent und ihre Goldzähne auch dem dümmsten Zuschauer als das Böse schlechthin auffallen mussten. Aber das Gute obsiegte bekanntlich stets.

Das Gute, das war der Westen, genauer die USA, die Verfechter von Demokratie und Menschenrechten weltweit. Was sich damals auf der Leinwand bzw. im Fernseher abspielte, soll heute Realität sein?

Irgendwie ist es schon erschreckend, wie schnell sich auch gebildete Menschen von der aktuellen antirussischen Hysterie erfassen lassen. In westlichen Ländern, dort, wo Wahlen anstehen, warnt man allen Ernstes vor den Gefahren russischer Hacker. Deutschlands Politikerklasse scheint vor Angst erstarrt. Dass die supergeheime NSA des besten Freundes schamlos die deutsche Bundeskanzlerin bespitzelte, scheint längst vergessen.

Mütterchen Russland, Mutterland der schlimmsten Cyberkrieger? Die, die das Hackerhandwerk etwas besser kennen, sind ein bisschen vorsichtiger. „Auf dem Treffen im Hamburger Congress Centrum löst ein solch direktes Zuschreiben konkreter Angriffe maximale Skepsis aus“, so Spiegel Online am 29. Dezember 2016 in einem Beitrag über den Jahreskongress des Chaos Computer Club (CCC).

„In Hackerkreisen weiß man, wie schwer es ist, den Nachweis zu führen, dass ein Angriff aus jenem Land von jener Gruppe ausgeführt worden ist – auch wenn wohl jeder Gesprächspartner dem russischen Staat solche Aktionen technisch zutraut.“

Die derzeitige Aufregung um Cyberangriffe aus Moskau passen in das zurzeit propagierte Schema einer zweigeteilten Welt, wie es in Zeiten des Kalten Krieges in die Köpfe eingehämmert worden war. Hier die Guten, dort die Bösen, denen man aber auch alles zutrauen muss.

Wem diese systematisch geschürte Russophobie letztendlich dient? Natürlich jenen, denen eine strategische Partnerschaft mit Russland, ein kooperierendes Europa vom Atlantik bis zum Ural, ein Graus ist.

In einem rezenten Beitrag auf dem französischen Newsportal mediapart über die Farbrevolutionen in Osteuropa, die maßgeblich von regierungsnahen US-Organisationen gefördert wurden, heißt es: Die USA haben in keinem Land die Demokratie unterstützt, sondern lediglich ihre Interessen. Also in etwa das, was man Russland derzeit vorwirft.

Staaten haben keine Freunde, nur Interessen, sagte bereits der damalige Präsident Frankreichs, Charles de Gaulle. Das trifft folglich auch auf Russland und andere Staaten zu. Nur dem Kreml allein deswegen die Verantwortung für alles Schlechte in der Welt in die Schuhe zu schieben, ist doch etwas billig und naiv, und dazu noch brandgefährlich.

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