Michail Gorbatschow sieht das Verhindern eines Atomkrieges als Hauptaufgabe für Russland und die USA. Der Ex-Präsident der Sowjetunion ruft die amtierenden Staatschefs beider Staaten, Wladimir Putin und Donald Trump, dazu auf, nicht den Kampf gegen den „Islamischen Staat“, sondern den Kampf gegen das Wettrüsten zur Chefsache zu machen.

 

Putin und Trump hatten sich bei einem Telefonat am Samstagnachmittag darauf geeinigt, gemeinsam den internationalen Terrorismus zu bekämpfen. In einem Beitrag für die russische Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ schreibt Gorbatschow, der Anti-Terror-Kampf sei zwar eine wichtige und dringliche Aufgabe, doch die alleine reiche nicht aus, um eine Grundlage für gute Beziehungen zwischen Moskau und Washington zu bilden.

Der 85-jährige Friedensnobelpreisträger, der einst selbst als Staatschef der Sowjetunion zur atomaren Abrüstung beigetragen hatte, hält die Kriegsverhinderung, Eindämmung des Wettrüstens und Abrüstung für wichtigere Aufgaben. Neue Abrüstungsverträge sollten ihm zufolge nicht nur die Zahl der Sprengköpfe begrenzen, sondern auch Themen wie Raketenabwehr und strategische Stabilität beinhalten.

 

 

Gorbatschow konstatiert, dass die Beziehungen zwischen Russland und den USA sich seit Jahren bergab entwickeln. „Die Hochrüstungs-Befürworter und die Rüstungsindustrie reiben sich die Hände.“ Das müsse beendet werden. „Es gilt, einen politischen Dialog wiederaufzunehmen, der an gemeinsamen Entscheidungen und Handlungen orientiert ist“, so Gorbatschow in seinem Beitrag.

„Mein konkreter Vorschlag: Der UN-Sicherheitsrat soll auf Ebene der Staatschefs eine Resolution verabschieden, die einen Atomkrieg für unzulässig erklärt. Es wäre richtig, dass Wladimir Putin und Donald Trump eine solche Resolution anregen – als Präsidenten jener beiden Staaten, auf die mehr als 90 Prozent der gesamten Atomwaffen der Welt entfallen.“