Als „Schreckgespenst aus Übersee“ hat das Außenministerium Russlands die jüngste Erklärung des tschechischen Außenamtschefs Lubomir Zaorálek abgewiesen, wonach russische Hacker Cyberangriffe auf die E-Mail des Außenamtes in Prag unternommen haben sollen.

Die Art der Attacke sei mit der auf Server der Demokratischen Partei der USA vergleichbar, behauptet das tschechische Außenministerium. Aber welches Ziel verfolgten die Russen beim Knacken der E-Mail tschechischer Diplomaten? Diese Frage beantwortete der Chefredakteur des Internetportals Halo noviny, Roman Janouch, in einem Sputnik-Interview.

 

  • Es ist extrem schwierig festzustellen, wer hinter Hackerattacken steckt. Aber ich bin davon überzeugt, dass es in diesem Fall nicht die Russen waren. Denn ich sehe kein einziges vernünftiges Argument zugunsten dieser Version. Das wäre eine offenkundige Dummheit gewesen, während (Präsident) Wladimir Putin keine Dummheiten vorgeworfen werden könnten. Ich würde Anspielungen auf eine russische Spur als absurd bezeichnen, und zwar im Fall der Demokratischen Partei der USA wie auch der E-Mail unseres Außenministeriums.

— Trotzdem schieben tschechische Medien den Russen die Schuld in die Schuhe, obwohl es keine Belege gibt. Allem Anschein nach lassen sich die Medien vom Trend leiten, überall „die Hand Moskaus“ und die „Kreml-Propaganda“ zu sehen.

— Was heißt „Kremlpropaganda“ oder „prowestliche Propaganda“? Ich lehne eine derart schwarz-weiße Vision der Welt ab. Heißt das etwa, dass alles, was von Russland ausgeht, eine Lüge und der Westen ein Territorium totaler Wahrheit, Freiheit und Demokratie ist? Das wäre eine primitive Denkweise, wenngleich jede Seite die eigenen Interessen verteidigt. Aber es gibt nur eine Wahrheit. Möge das Gericht beweisen, dass hinter den Attacken auf den das Palais Czernin in Prag die Russen, die Regierung Putins stehen. Weder Pan Zaorálek noch die amerikanischen Demokraten haben Beweise dafür. Als versierter Diplomat macht er gewisse Anspielungen, die aber allen offenkundig sind. Der Minister schwört seine Treue jenen, die bei uns als „Prager Kavarna“ bekannt sind. Diese steht Präsident Zeman gegenüber, der die Politik des Kremls in vieler Hinsicht unterstützt. Es ist bedauerlich, dass die tschechische Führung derart entzweit ist und fast zu allen Fragen keine einheitliche Position hat…

— In Tschechien wird ein Gesetzentwurf erörtert, der die Vollmachten der Militäraufklärung bei der Kontrolle über den Datenverkehr im Internet ohne Zustimmung des Gerichts erweitert. Könnte der Rummel um Cyberattacken auf die E-Mail des tschechischen Außenministeriums damit in Verbindung stehen?

 

— Das ist durchaus möglich. Aber ich denke, dass ein solches Gesetz eine formelle Sache sein wird, denn jetzt wird ohnehin schon alles kontrolliert. Wir gerieten in eine Situation, da der Mensch nichts mehr Privates, nicht mehr Persönliches hat. Ich befürchte mögliche Übergriffe, sollte das Gesetz über die Internetkontrolle verabschiedet werden. Ich befürchte die Legalisierung dessen, was es heute bereits gibt. Ich meine das Ausspähen, das Abhören von Telefongesprächen und die Kontrolle über den Datenverkehr im Internet. All das macht das Leben nicht optimistischer. Aber die Zeit zum Leben kann man nicht auswählen, wie die Russen sagen.

 

Quelle: Sputnik

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