Der Einsatz gefälschter Arzneimittel im Bundesstaat Veracruz sorgt für Empörung in Mexiko. Kinder, bei denen Krebs diagnostiziert wurde, bekamen anstelle einer zugesagten Chemotherapie destilliertes Wasser verabreicht. Darüber schreibt die Journalistin Michaela Fischer auf Amerika 21.

 

Miguel Angel Yunes, der amtierende Gouverneur des Bundesstaates Veracruz, bezichtigt seine Amtsvorgänger Fidel Herrera (2004-2010) und Javier Duarte (2010-2016), von den Vorgängen gewusst und sich daran bereichert zu haben. «Nun haben wir das Laborergebnis. Es zeigt, dass das Medikament, das an die Kinder als Chemotherapie verabreicht wurde, kein echtes Medikament war, sondern eine wirkungslose Zusammensetzung. Es war praktisch destilliertes Wasser», sagte er bei einer Pressekonferenz. Das Gesundheitsministerium von Veracruz hatte seinerzeit die Arzneimittel von Firmen gekauft, die regulär gar nicht in den Handel mit Medikamenten involviert sind.

Die Familie Vazquez Ortega ist direkt von den Folgen betroffen. Die Mutter des an Krebs erkrankten vierjährigen Gael, Diana Edith Vázquez, berichtet: «Während der sechs Monate, in denen Gael der Chemotherapie unterzogen wurde, zählte ich zwischen 12 bis 15 Kinder, die gestorben sind.»

Der Erwerb und die Verbreitung gefälschter Medikamente soll in der Amtszeit Herreras begonnen haben und unter Duarte fortgesetzt worden sein. Aus diesem Grund kündigte Yunes an, Strafanzeige gegen die beiden ehemaligen Gouverneure zu erstatten. Herrera war im Oktober 2015 von Präsident Enrique Peña Nieto zum Konsul in Barcelona (Spanien) ernannt worden, trat jedoch wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe kürzlich zurück. Duarte, der in mehrere Korruptionsskandale involviert ist, floh im vergangenen Oktober vor der Justiz und wird seither mit Haftbefehl gesucht.

Die politische Landschaft in Mexiko wird maßgeblich durch die drei Großparteien PRI (Partei der Institutionellen Revolution), PAN (Partei der Nationalen Aktion ) und PRD (Partei der Demokratischen Revolution) geprägt. Während die beiden Vorgänger Yunes’ der PRI angehörten, gewann dieser die Wahl im Jahr 2016 als PAN-Mitglied. Mehrere Senatoren der Parteien PAN und PRD zeigten sich nun empört über den jüngsten Korruptionsskandal in Veracruz und forderten eine umgehende Aufklärung der Vorwürfe. «Es wäre eine Ungeheuerlichkeit, etwas Animalisches, ich hoffe es ist nicht wahr. Es muss überprüft werden. Duarte muss in die Hölle, nicht in ein Gefängnis», sagte etwa Miguel Barbosa, Koordinator der PRD-Abgeordneten. «Es muss ermittelt und jegliche Verantwortung geklärt werden. Das was Duarte getan hat, geht über das Rationale, über das Menschliche hinaus.»

Nicht nur in der Chemotherapie sollen gefälschte Medikamente in Umlauf gebracht worden sein. Es gebe weitere gravierendere Fälle, wie etwa den Erwerb tausender nicht funktionstüchtiger HIV-Tests, erklärte der ehemalige Gesundheitsminister von Veracruz, Antonio Nemi. Die «Comisión Federal para la Protección Contra Riesgos Sanitarios» (Cofepris) konfiszierte inzwischen 47.000 HIV-Tests in einer Lagerhalle der Regierung von Veracruz. Diese waren nicht zugelassen und könnten möglicherweise falsche Ergebnisse anzeigen.

Die beiden Unternehmen, die diese Arzneimittel an das Gesundheitsministerium verkauft haben sollen, sind auf den Handel mit diversen Produkten aus unterschiedlichen Sparten spezialisiert – nicht jedoch auf den mit Medikamenten. So ist das Unternehmen Macbex in erster Linie mit dem Import und Export von Getreide und Saatgut sowie dem Design und der Anfertigung von Bekleidung und Schmuck befasst. Die Heberen Business Group beteiligt sich unter anderem am Bau von Gebäuden und Straßen.

Darüber hinaus sollen laut Gouverneur Yunes mehrere Angestellte dieser Firmen familiäre Beziehungen zu Jorge Carvallo Delfín haben, der aktuell Kongress-Angeordneter der PRI ist und zuvor enger Mitarbeiter Herreras und «Vertrauensmann» von Duarte war. Wie der lateinamerikanische Fenrsehsender Telesur berichtet, decken sich diese Angaben mit Dokumenten, die Journalisten der mexikanischen Medien Animal Politico und Mexicanos contra la Corrupción vorliegen.

Gegen die Firmen ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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