In Bonn treffen sich gerade die Außenminister der G20-Länder, die zusammen drei Viertel der weltweiten Wirtschaftskraft stellen. Mit besonderer Spannung wurde der neue amerikanische Außenamtschef Rex Tillerson erwartet. In Bonn kam es auch zum ersten offiziellen Treffen von Tillerson mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow.

 

Von Armin Siebert

 

Lawrow und Tillerson in Bonn

 

Offiziell geht es bei diesem G20-Kurztreffen um Umweltschutz und Nachhaltigkeit und die Zusammenarbeit mit Afrika, aber auch um Friedenserhaltung und Konfliktvermeidung. Inoffiziell geht es vor allem darum, den neuen amerikanischen Außenminster kennenzulernen.  In Bonn passiert dies vor allem beim Abendessen und bei bilateralen Kurztreffen. Diplomatische Insider sprechen ironisch von Speed-Dating.

 

Gespannt waren alle auch auf das erste offizielle Aufeinandertreffen des russischen Außenminsters Sergej Lawrow mit seinem US-Amtskollegen Rex Tillerson. Der international erfahrene Ex-Ölmanager pflegt seit Langem Geschäftskontakte zu Russland und kennt Präisdent Putin persönlich. Für seine Leistungen wurde ihm der Orden der Freundschaft der Russischen Föderation verliehen. Entsprechend argwöhnisch und streng wurde Tillerson vor seiner Vereidigung als Außenminister speziell in Bezug auf seine Einstellung zu Russland im amerikanischen Kongress gegrillt.

 

Nachdem Sicherheitsberater Flynn von den Geheimdiensten aus dem Amt gemobbt wurde, ruhen Moskaus Hoffnungen auf bessere Beziehungen nun auf Tillerson.

 

In Bonn traf Tillerson seinen russischen Kollegen noch vor dem offiziellen Gipfeltreffen zu einem bilateralen Gespräch. Es ging um die amerikanisch-russische Kooperation sowie die Lage in der Ukraine und in Syrien.  Das Treffen begann allerdings mit einem kleinen Eklat. Nachdem Lawrow seinem amerikanischen Kollegen zu dessen neuen Amt gratuliert hatte, wurde Tillerson von seinem eigenen Organisationsteam in seiner Antwort unterbrochen, um die geladenen Journalisten recht robust rauszuschicken. Minister Lawrow zeigte sich befremdet über dieses Verhalten.

 

Die Minister selbst  zeigten sich nach dem Gespräch zufrieden. Lawrow sprach von einem pragmatischen Gespräch und Tillerson betonte, dass die USA Gemeinsamkeiten mit Russland suche. Vor allem der Kampf gegen den Terrorismus und speziell gegen den IS könnte die beiden Global Player wieder zu engerer Zusammenarbeit führen.

 

Auch Sigmar Gabriel, der erst vor drei Wochen überraschend Frank-Walter Steinmeier als Außenminister abgelöst hatte, traf sich zu einem längeren Einzelgespräch mit Sergej Lawrow. Die beiden Toppolitiker kennen sich schon lange. Auch hier ging es um Syrien und vor allem um die Ukraine, die ebenfalls Thema eines Treffens der Minsk-II-Kontaktgruppe im Normandie-Format am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende sein wird.

 

Gabriel war sichtlich bemüht, ein guter Gastgeber zu sein und schien seiner Rolle gewachsen. Bei der offiziellen Begrüßung der einzelnen Außenminister scherzte er mit Lawrow und auch der russische Außenminister schien gut gelaunt und entspannt im Verhältnis zu Gabriel.

 

Auch mit Tillerson musste Gabriel kein Eis mehr brechen, da sich beide schon von Gabriels Blitzbesuch in Washington Anfang Februar kennen.

 

Am Donnerstagabend lud Sigmar Gabriel zu einem informellen Abendesssen in die Villa Hammerschmidt. Bewußt wurde hier auf eine Tagesordnung verzichtet, um jedem die Gelegenheit zu geben, Themen vorzubringen. In erster Linie geht es wohl auch hier darum, den neuen amerikanischen Außenminister kennenzulernen.

 

Viele Länder sind verunsichert ob des eratischen Stils Donald Trumps. Der eher wie der sympatische Onkel aus Texas wirkende Tillerson könnte hier einige Wogen wieder glätten.

 

Auch für das Verhältnis zu Russland könnte sich Tillerson als stabile Konstante erweisen.

 

Lawrow hat sich mit Tillersons Vorgänger Kerry wohl so oft getroffen wie mit keinem anderen Außenminister. Rex Tillerson muss sich erst in die vielen hochkomplexen Themen einarbeiten. Alle Probleme können auch die USA und Russland nicht lösen, wie Lawrow sich ausdrückte, aber die Welt wäre ein sichererer Ort, wenn die beiden Supermächte einen Teil davon gemeinsam angehen.

 

Selbst auf so einem hohen Level scheint es wohl wichtig zu sein, erst einmal einen Draht zueinander zu finden. Der erste Eindruck von Bonn lässt hoffen.

 

Quelle: Sputnik