Chinas Präsident, Xi Jinping. Bild: Waldemir Barreto / Agência Senado CC BY-SA 2.0

China unterstützt den russischen Plan einer multipolaren Weltordnung, in der nicht mehr der Westen den Ton angibt. Das «Amerikanische Jahrhundert» neigt sich dem Ende zu, schreibt Chefredakteur Marco Maier vom Contra Magazin.

Von Marco Maier auf Contra Magazin

Der chinesische Präsident und Parteichef der Kommunistischen Partei, Xi Jinping, verkündete, dass das Reich der Mitte die internationale Gemeinschaft in eine gerechtere und rationalere Welt führen wolle. Denn China sei nicht mehr nur ein wichtiger Träger von internationalen Aufgaben, sondern könne nun auch zum Führer einer neuen internationalen Ordnung werden, so die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

 

Peking selbst hat sich schon in der Vergangenheit immer wieder für eine neue und weniger interventionalistische multipolare Weltordnung ausgesprochen, die von Moskau schon seit längerer Zeit forciert wird. Das heißt: Eine neue Weltordnung, in der nicht mehr der politische Westen (in Form von Washington, London, Paris, Brüssel und Berlin) den Ton an- und die Richtung vorgibt.

 

Statt auf «gemeinsamen Werten» (die man angesichts des globalen Chaos, welches die westlichen Mächte verursachten, durchaus kritisieren darf), soll diese neue Weltordnung vielmehr auf jeweils überlappende Interessen von Staaten basieren. Vor allem jedoch will sich Peking nicht als globale Moralinstanz aufspielen, wie es im Falle des (scheinheiligen und doppelzüngigen) Westens geschieht. Dass dies funktioniert, sieht man auch an der immer enger werdenden Zusammenarbeit von China, Russland und dem Iran, die völlig unterschiedliche Kulturen und politische Systeme vertreten.

Die Parteischule der Kommunisten kommentierte Xis Äußerungen so: «Fünftausend Jahre ruhmreiche Geschichte, 95 Jahre des Kampfes der Kommunistischen Partei und 38 Jahre des Wirtschaftswunders der Reform- und Öffnungspolitik zeigen, dass China die Eignung und die Fähigkeiten hat, die internationale Ordnung und internationale Sicherheit zu leiten». Man beendet also die bisherige geopolitische Bescheidenheit und will deutlich aktiver am Weltgeschehen teilnehmen.

Das «Amerikanische Jahrhundert» neigt sich deutlich sichtbar dem Ende zu. Ein «Chinesisches Jahrhundert» wird zwar nicht so schnell kommen, doch zumindest darf man sich darauf einstellen, dass sich die tektonischen Platten der Geopolitik deutlich zugunsten der «nichtwestlichen» Länder verschieben werden. Das muss auch für Europa nicht zwingend ein Nachteil sein.

 

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