Die neue US-Regierung unter Präsident Trump versetzt die etablierten Linksliberalen in Europa ein ums andere Mal in Schnappatmung. Insbesondere Eurokraten und EU-Lobbyisten befürchten, daß dem offiziellen Europa schon bald ein anderer Wind ins Gesicht blasen wird.

Solche Sorgen erhalten nun neue Nahrung durch ein Gespräch des Chefstrategen des neuen Präsidenten, Stephen Bannon, mit dem deutschen Botschafter in Washington, Peter Wittig. Laut der Nachrichtenagentur Reuters und dem Fernsehsender CNN habe Bannon in dem Gespräch die rechtspopulistischen Bewegungen in Europa als Folge grundlegender Konstruktionsfehler der EU bezeichnet. Von der Trump-Regierung sei „Feindschaft gegenüber der EU“ zu erwarten, formulierte ein Gewährsmann demnach.

Statt mit der EU-Zentrale zu verhandeln, wolle Trump künftig verstärkt mit den einzelnen Mitgliedstaaten ins Geschäft kommen. In dem Gespräch mit Wittig bekräftigte Bannon zwar den Respekt der Trump-Mannschaft vor der Wirtschaftsmacht Deutschland. Einen Zusammenhang zwischen den deutschen Wirtschaftserfolgen und dem EU-Projekt will man im Weißen Haus allerdings nicht sehen.

Die deutsche Botschaft in Washington wollte sich nicht zu Wittigs Gespräch mit Bannon äußern. Das Weiße Haus wiederum spielte die Begegnung als eher informellen Meinungsaustausch herunter.

Tatsache ist, daß die EU-Spitze die befürchtete „Bilateralisierung“ der europäisch-amerikanischen Beziehungen schon seit Trumps Amtsantritt auf dem Radarschirm hat. Diese Generalrichtung der künftigen Beziehungen bestätigte Chefstratege Bannon erst kürzlich, als er am Donnerstag vom Ziel „bilateraler Handelsbeziehungen“ mit den Europäern sprach – im Gegensatz zum handelspolitischen Multilateralismus, von dem sich die neue Regierung verabschiedet habe. Trump habe sich auf eine „wirtschaftsnationalistische Agenda“ festgelegt, sagte Bannon. (Zuerst!)