Im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke beschreibt der Aktivist seine Motive und Sorgen.

Ihm fehlt der Islam des Friedens, der in den Werken der Religion zu finden sei. Der Aktivist Hassan Geuad von der muslimischen Studentengruppe „12thMemoRise“ protestiert gegen den „entführten Islam“, wie er aktuell praktiziert werde.

„Ich begrüße, dass die Behörden das salafistische ‚Lies‘-Projekt verboten haben — auch wenn es ein bisschen zu spät kommt“, sagt Geuad im Sputnik-Interview. Der Düsseldorfer Student der Medien- und Kommunikationswissenschaften und Mitbegründer der Gruppe „12thMemoRise“ findet gut, dass Einige aus der Salafisten-Szene inhaftiert wurden. „Wir hatten jedoch schon einige Fälle, wo wir Leute persönlich kannten, die nach Syrien ausreisen und sich dem Islamischen Staat (ISIS, IS, Daesh — eine in Russland verbotene Organisation) anschließen wollten. Wir haben damals die Behörden und den Verfassungsschutz informiert. Trotzdem durften diese Leute verreisen. Inzwischen sind die wieder in Deutschland und laufen immer noch auf freiem Fuß herum.“

„12thMemoRise“ nennt sich eine Gruppe von Studenten, die den Islam kritisieren, so wie er aktuell praktiziert wird. Mit zum Teil extremen Performanceaktionen, zum Beispiel nachgespielten Hinrichtungen, machen sie in der Öffentlichkeit und auf Youtube auf sich und ihr Anliegen aufmerksam.

Die größtenteils muslimischen Studenten der Gruppe bewegt seit 2014 die Sorge, dass der Terror, der sich im Nahen Osten ausbreitet, auch Europa bedrohen könnte. Damals war der Terror noch nicht in Paris angekommen. Geuad sagt im Gespräch mit Bolle Selke:

„Wir haben das Thema angesprochen und davor gewarnt, weil wir hier auf den Straßen die Salafisten gesehen haben. Wir haben gewarnt: Leute, das sind dieselben, die dort terroristische Akte vollbringen, nur hier auf einem anderen Level. Sie warten wahrscheinlich noch auf den richtigen Zeitpunkt. Viel wurde nicht getan, bis leider Gottes dann die Anschläge in Paris, dann in Belgien, dann in Deutschland gekommen sind.»

Aus der deutschen Gesellschaft bekämen die Aktivisten bisher nur positive Reaktionen, anders als aus der muslimischen Community. So seien zum Beispiel aus salafistischen Kreisen sehr viele Morddrohungen gekommen. Geuad wurde persönlich angegriffen, wie er berichtete. Aber selbst Leute aus dem eigenen Bekanntenkreis hätten sie kritisiert und gesagt, dass sie sich mit ihren Aktionen gegen die Autoritäten vergehen würden.

Von den erwähnten islamistischen Rückkehrern aus Syrien gehe auf jeden Fall eine Bedrohung aus, warnt der Aktivist. Er kenne beispielsweise aus Moscheen in Düsseldorf Leute, die so radikal seien, dass sie an Anschläge vor Ort denken. Er erzählt:

«Ich persönlich weiß, unter diesen Flüchtlingen sind kampferprobte Menschen. Auch wenn das Viele nicht sagen wollen. Ich persönlich kann das aussprechen, ich bin kein Nazi, ich bin auch ein Ausländer. Ich persönlich habe am Anfang der Flüchtlingskrise einen Deutschkurs an der Uni hier in Düsseldorf geführt. Das ging nur einige Wochen gut, am Ende mussten wir den Kurs abbrechen. Es gab Leute, die bei Jabhat al-Nusra, einer Terrororganisation, aktiv gewesen sind. Sie haben erfahren, dass wir Schiiten sind. Dann kam es dazu, dass man sich verbal auseinandergesetzt hat. Das habe ich am eigenen Leib erlebt.»

Der Student wünscht sich, dass Gruppen oder Stimmen, die gegen den radikalen Islam und islamistischen Terrorismus aktiv sind, mehr unterstützt würden. Besonders gegen die muslimischen Dachverbände hierzulande müsse protestiert werden. Denn diese würden solche radikalen Islamisten beheimaten. Er betont:

„Die wissen ja, dass Salafisten in ihrer Ideologie radikal sind und sie nur auf einen Zeitpunkt warten, wo sie diese Ideologie ausleben können. Darüber schweigen sie aber. Das finden wir gefährlich und ich habe Angst um die deutsche Gesellschaft. Ich sehe die Spaltung in ein rechtes und ein linkes Lager und dann noch Salafisten, die zurzeit noch hinter den Kulissen arbeiten.»