Das gab auch der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel bei seinen gestrigen Verhandlungen mit dem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Moskau zu verstehen. In Berlin sei man zwar am neuen Projekt Nord Stream 2 interessiert. Aber zuvor hatte er in einem Medieninterview erklärt, dass die Gaslieferungen durch die Ukraine in die Slowakei, nach Tschechien und Polen weitergehen sollten.

Berlins Einstellung widerspricht jedoch den Plänen Moskaus. Denn Nord Stream 2 wurde von Anfang an als Alternative eben für den Gastransit durch die Ukraine entwickelt, zumal der Transitvertrag Ende 2019 ausläuft.

„Nach dem Auslauf des Transitvertrags mit der Ukraine kommt weder seine Verlängerung noch der Abschluss eines neuen Abkommens infrage“, hatte der Vize-Vorstandschef des Konzerns Gazprom, Alexander Medwedew, noch im Sommer 2015 erklärt.

Auch Gazprom-Chef Alexej Miller sagte zur selben Zeit: „Es gibt die (…) unerbittliche Position der Ukraine, den Transitvertrag inakzeptabel für uns zu novellieren. Aktuell beträgt der Transitsatz 2,7 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas pro 100 Kilometer. Die ukrainische Seite sagt, sie wolle den Satz auf fünf Dollar erhöhen. Wir werden aber nie einen Transitvertrag unter inakzeptablen, unfairen und für Gazprom ungünstigen Bedingungen unterzeichnen.“

Im Sommer 2016 sagte Präsident Wladimir Putin seinerseits: „Wenn jemand Monopolist ist, dann versucht er sofort, seine Position zu missbrauchen. (…) Wenn die Ukraine verstehen wird, dass sie kein Monopolist bei der Beförderung der russischen Energieträger nach Europa ist, dann werden auch einige Politiker in diesem Land mit der Erpressung aufhören. Und dann gehen wir zu einer normalen Geschäftskooperation über. (…) Falls unsere ukrainischen Partner uns ein wirtschaftlich sinnvolles Projekt bieten, werden wir mit der Ukraine zusammenarbeiten.“

In Brüssel spricht man aber ständig von der Notwendigkeit des Ukraine-Transits, und für Russland ist das ein Problem. Denn wenn innerhalb der Ukraine ein Deal mit Moskau Proteste hervorruft, ist von Kiew schwer zu erwarten, dass es bei den Transitverhandlungen nachgiebig wird.

Die von der „Nesawissimaja Gaseta“ befragten Experten stimmen generell zu, dass die Europäer Gazprom tatsächlich unter Druck setzen. „Meines Erachtens sehen die Europäer die mit dem Ukraine-Transit verbundenen Risiken ein, aber das ist vorerst ein relativ günstiger Weg“, sagte der Analyst von Freedom Finance, Georgi Waschtschenko. „Nord Stream 2 ist nötig, denn die Kapazitäten des ersten Strangs reichen nicht mehr aus. Der Transit könnte nur nach dem Bau der Turkish-Stream-Pipeline gekürzt werden. Aber das ist ein passender Hebel, um Kiew unter Druck zu setzen. Die Unterstützung des Nord-Stream-2-Projekts durch die EU würde Gazprom helfen, Kiew in die Schranken zu weisen.“

„Kiew tritt derzeit als absolutes Gegengewicht für alles auf, was so oder so mit der russischen Partnerschaft verbunden ist. Deshalb ist die Unterzeichnung eines neuen Abkommens selbst theoretisch kaum vorstellbar“, meint Anna Bodrowa von Alpari. „Natürlich ist innerhalb der Ukraine ein Konflikt zwischen den wirtschaftlichen und politischen Interessen möglich, aber höchstwahrscheinlich wird sich Kiew für die Partnerbeziehungen mit Europa entscheiden, selbst wenn die auch ein Zusammenwirken mit Russland vorsehen“, vermutete sie zugleich.

Quelle: Sputnik

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