Der diplomatische Streit zwischen der Türkei und den Niederlanden ebbt nicht ab: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat erneut nachgelegt, indem er dem Land sein Versagen beim Massaker von Srebrenica vorhielt. Der niederländische Premier Mark Rutte reagiert empört, meldet AFP.

Rutte bezeichnete Erdogans Vorwürfe als „abscheuliche Verfälschung der Geschichte“. „Er heizt die Situation weiter an“, wird Rutte von AFP zitiert.

 

 

Zuvor hatte Erdogan von einem „verkommenen Charakter“ der Niederländer gesprochen.

„Wir kennen die Niederlande und die Niederländer vom Srebrenica-Massaker. Wir kennen ihren verkommenen Charakter vom Massaker an 8.000 Bosniern her“, sagte Erdogan in einer Fernsehansprache.

Ein niederländisches Blauhelmkontingent war während des Bürgerkriegs in Bosnien in Srebrenica stationiert, hatte aber im Juli 1995 nicht verhindern können, dass bosnische Serben dort rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordeten. Das Massaker wurde unter der Führung von Oberst Ratko Mladić, der Polizei und serbischen Paramilitärs verübt. In den Niederlanden wird das Versagen der eigenen Soldaten in Srebrenica bis heute als Trauma empfunden. Die niederländischen Behörden haben jedoch mehrmals betont, dass die Blauhelmsoldaten nichts unternehmen konnten, weil das UN-Kommando sie im Stich ließ, weil es keine Unterstützung aus der Luft gewährleistet hätte.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und der Internationale Gerichtshof haben den Massenmord in Srebrenica als Genozid eingestuft.

Quelle: Sputnik