Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin droht mit einer Einreiseverweigerung für die im Rollstuhl sitzende russische ESC-Kandidatin Julia Samoilowa. Auch der SBU schaltet sich in den Fall ein. In Russland mehren sich die Stimmen, den Wettbewerb in Kiew zu boykottieren. Ein neuer ESC-Eklat ist in Sicht.

Den ersten Einwurf machte gestern der Abgeordnete Anton Geratschenko, der auch Berater des Innenministers ist. Ihm zufolge könnte es für die designierte russische ESC-Teilnehmerin schwierig werden, die russisch-ukrainische Grenze zu überqueren. Später schalteten sich auch Außenminister Pawlo Klimkin und der ukrainische Sicherheitsdienst SBU ein.

Klimkin nannte die Wahl von Julia Samoilowa als Starterin im Gesangwettbewerb eine Provokation vonseiten der Russischen Föderation. Sie habe im Juni 2015 gesetzeswidrig die Grenze überquert, um auf einem Festival aufzutreten.

Der SBU überprüft jetzt die Anzeige. Ich denke, das Gesetz muss für alle gelten. Russland beschäftigt sich seit Jahren mit Provokationen», sagte Klimkin.

Die Sängerin trat am 27. Juni 2015 bei einem Gala-Konzert der «Welt des Sports und der Güte» auf der Krim auf. Damit verletzte sie den Beschluss der ukrainischen Regierung vom 4. Juni, wonach Ausländer für eine Einreise auf das Territorium der Krim eine spezielle Erlaubnis brauchen.

Die Pressesprecherin des SBU, Elena Gitljanskaja, teilte via Facebook mit, dass der Dienst die Entscheidung über die Möglichkeit einer Einreise von Julia Samoilowa prüft. Diese Entscheidung sollte die Normen der ukrainischen Gesetzgebung und die Interessen der nationalen Sicherheit berücksichtigen. Damit droht der an den Rollstuhl gefesselten Sängerin im Fall eines Einreiseversuchs die Festnahme an der ukrainischen Grenze.

Seit der Angliederung der Krim hat bereits ein großer Teil der russischen Pop-Szene die Halbinsel besucht, ohne Erlaubnis der Ukraine. Russland betrachtet die Krim als festen Teil ihres eigenes Staatsgebiets. Mit dem Anspruch der Ukraine auf die Krim haben jedoch die Kiewer Behörden den Hebel in der Hand. Sie nützen diese Situation, um zahlreiche Prominente und Künstler wegen Krim-Besuchen zu schikanieren und auf diese Weise einmal mehr Symbolpolitik zu betreiben.

 

In Russland gibt es unterdessen viele Stimmen, die fordern, den Austragungsort Kiew zu boykottieren. Der Sänger Iosif Kobson, der selbst aus dem Donbass stammt, meint, dass es nicht möglich ist, vor einem russophoben Publikum aufzutreten, das die Vernichtung der Menschen in Donbass unterstützt. Im Unterschied zu den meisten seiner Kollegen trat er nicht nur auf der Krim auf, sondern zum Ärgernis der Kiewer Regierung auch in Donezk.

Mittlerweile teilen viele Menschen in Russland diese Sichtweise. In Kreml hat man vor allem Bedenken wegen der Sicherheitslage für russische Staatsbürger in Kiew. Noch am 2. März erklärte der Pressesprecher des Kremls, Dmitri Peskow, dass russische Führung noch nicht abschließend darüber entschieden habe, ob ein russischer Boykott des ESC-Wettbewerbs in Kiew sinnvoll ist.

Die Veranstalter des traditionellen Gesangswettbewerbs, hinsichtlich dessen bereits in den vergangenen Jahren wiederholt Vorwürfe einer übermäßigen Politisierung laut geworden waren, bemüht sich unterdessen um Schadensbegrenzung. Bereits im Dezember 2016 hatte die Europäische Rundfunkunion Kiew dazu aufgerufen, für die Dauer des Wettbewerbs alle schwarzen Listen außer Kraft zu setzen.

Mittlerweile wurde die russische Teilnehmerin auf die berüchtigte ukrainische Hetz-Webseite MIROTVORETS gesetzt. Auf dem rechts-nationalistischen Portal wurden beispielsweise auch die Personaldaten des früheren Parlamentsmitglieds der Partei der Regionen, Oleg Kalaschnikow, und des oppositionellen Journalisten Oles Busina veröffentlicht. Beide wurden kurz darauf nacheinander in Kiew ermordet. Eine nationalistische Gruppe hat sich zu beiden Morden bekannt.

 

Quelle: RT Deutsch

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