Die steigenden Zustimmungswerte von EU-Skeptikern sind in der Lage, Investoren zu nerven. Dies hat Russland laut Experten ermöglicht, mehr Investitionen zu locken. Doch dann spielte der Rückgang der Ölpreise seine negative Rolle. 

 

Das Portal Gaseta.ru fragt sich, ob sich die Situation verbessern könnte, schreibt der digitale Informationsdienst Sputnik. Jaroslaw Kabakow, Vizechef des russischen Investmentunternehmens Finam, sagte der Onlinezeitung: „Generell verbessert sich die wirtschaftliche Situation in Europa. Vieles wird allerdings davon abhängen, wer bei Wahlen in Deutschland und Frankreich siegt und wie sich das weitere Schicksal der EU und der Euro-Zone gestaltet. Das Risiko eines Euro-Ausstiegs mancher Länder ist nach wie vor hoch. Sie könnte Investoren nerven – darunter auch auf dem Markt europäischer Staatsanleihen.“

Gazeta.ru postuliert: „Die Stärkung der Positionen von EU-Skeptikern hat unterdessen Russland in die Hände gearbeitet. Vor dem Hintergrund der durch die Brexit-Hysterie verursachten hohen Volatilität europäischer Märkte haben russische Märkte den Eindruck erweckt, ein neuer ‚stiller Hafen‘ für Investoren zu sein.“

Andrej Ljuschin, stellverstretender Vorstandschef der russischen Locko-Bank, kommentiert: „Russische Märkte haben im Vergleich zu europäischen eine höhere Einträglichkeit an den Tag gelegt – bei dem gleichen Risikograd.“

Die Investitionen wurden von den Ölpreisen geschürt, wie die Onlinezeitung weiter berichtet. Sie bezieht sich auf die Angaben des Emerging Portfolio Fund Research, wonach der diesjährige Investment-Zustrom in die Russland-orientierten Fonds in der ersten Februarhälfte seinen Höhepunkt erreicht hatte. Zu jenem Zeitpunkt belief er sich auf insgesamt eine Milliarde US-Dollar. Erdöl kostete damals rund 55 US-Dollar pro Barrel.
Dann ging der Ölpreis jedoch zurück, weswegen ein Rückfluss von rund 500 Millionen Dollar durch diese Fonds erfolgte. Artjom Dejew, Analyst von Amarkets, kommentiert: „Die Investoren sind gegenüber den Ölpreisen sehr sensibel. Solch ein großer Rückfluss lässt sich auch dadurch erklären, dass sich die Hoffnungen auf ein Tauwetter zwischen Russland und den USA nicht bestätigten.“

Ljuschin prognostiziert: „Eine Chance darauf, die Investoren wieder für sich zu gewinnen, wird Russland haben, falls EU-Skeptiker in Europa an die Macht kommen – also jene rechtsorientierten Parteien, die die Beziehungen mit dem Kreml nicht verderben wollen und den Standpunkt vertreten, dass die Sanktionen keinen Einfluss auf die Regierung in Moskau üben und es deshalb nötig wäre, einander entgegenzukommen.“
Gazeta.ru zitiert aus einer Prognose der Schweizer Bank Lombard Odier, wonach es EU-skeptischen Parteien trotz ihrer angestiegenen Zustimmungswerte schwer fallen werde, an die Macht zu kommen. Etwa die Verhältniswahl – wie in Italien – setzte eine Koalitionsbildung voraus, was den Einfluss der EU-Skeptiker wahrscheinlich dämpfen würde.

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