Zum ersten Mal seit 2013 finden in Tokio gleichzeitig Verhandlungen der Außen- und Verteidigungsminister Russlands und Japans statt, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

 

Ein Banner mit Präsident Wladimir Putin und dem japanischen Premier Shinzo Abe in Japan

 

Das 2+2-Format wurde 2013 ins Leben gerufen, später jedoch wegen der Ereignisse auf der Krim eingefroren. Die Wiederbelebung des Formats wurde dank dem Treffen der Staatschefs beider Länder in Tokio im Dezember des vergangenen Jahres möglich.

 

Wie der stellvertretende russische Außenminister Igor Morgulow mitteilte, wird der Schwerpunkt bei dem Treffen auf die Erörterung der Bildung einer neuen Sicherheits- und Kooperationsarchitektur in der Asien-Pazifik-Region gelegt. Heikle Gespräche werden ebenfalls erwartet, und zwar darüber, warum Moskau während der Verbesserung der Beziehungen zu Tokio die auf den Kurilen-Inseln stationierten Waffen modernisiert.

 

Morgulow zufolge rechnet die russische Delegation mit einem sachbezogenen Gespräch zu den Hauptfragen in der internationalen Politik. Ihm zufolge sind Russland und Japan Schlüsselakteure in der Asien-Pazifik-Region, das Niveau des Zusammenwirkens beider Länder beeinflusse unmittelbar die Gewährleistung der regionalen Stabilität. „Die russische Seite will bei dem Dialog den Problemen der Asien-Pazifik-Region mit Schwerpunkt Aussichten der Bildung einer neuen Sicherheits- und Kooperationsarchitektur vorrangige Aufmerksamkeit schenken“, so Morgulow.

 

Laut einer japanischen Quelle soll bei dem Treffen neben den traditionellen Territorialfragen auch die von Russland 2016 vollzogene Modernisierung der auf den Kurilen stationierten Waffen sowie gemeinsame Rettungsoperationen besprochen werden. Die Russen würden wohl die Frage nach dem Ausbau der Raketenabwehr Japans stellen, was Moskau beunruhige, so die Quelle.

 

Die gemeinsame Erschließung der Kurilen-Inseln, die die Seiten während des Tokio-Besuchs Wladimir Putins am 15. Dezember vereinbart hatten, wird diesmal nur am Rande diskutiert. Diese Frage wird am Samstag beim Treffen zwischen Morgulow und dem japanischen Vize-Außenminister Takeo Akiba besprochen. Die Zeitung „Iomuri“ berichtete unter Berufung auf japanische Beamte, dass zum japanischen Angebotspaket die Veranstaltung von Kreuzfahrten, die gemeinsame Züchtung von Seeigeln und Kammmuscheln, gemeinsame Projekte zum Bau von Hotels und Hafenanlagen, die Erforschung der Kurilen-Gewässer u.a. gehören. Wie die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sagte, ist Moskau bereit, diese Vorschläge zu analysieren.

 

Laut dem Politologen der Tokyo Foundation, Ken Jimbo, sind für Japan allerdings die Sicherheitsfragen in den Beziehungen zu Russland am wichtigsten. „Es ist schwierig, den Territorialstreit in absehbarer Zukunft zu lösen“, sagte der Experte. Japan habe viel akutere Probleme wie das zunehmend aggressiver werdende China. Tokio sollte seine Anstrengungen darauf konzentrieren, dass Moskau nicht in Abhängigkeit Pekings gerät.

 

Für Verteidigungsminister Sergej Schoigu wird es der erste Japan-Besuch seit langer Zeit sein. Letztes Mal war er 2013 in Japan zu Besuch, als Raketenabwehrfragen besprochen wurden. Dieses Thema steht auch am 20. März auf der Tagesordnung. „Wir werden uns außerdem anstrengen, unsere Position zur Festigung der Verteidigungsfähigkeit der Kurilen-Inseln darzulegen“, sagte eine militärdiplomatische Quelle.

 

Laut Militärquellen erwartet Russland kein einfaches Gespräch über die Folgen der Stärkung der 18. Artilleriedivision, die bereits seit Sowjetzeiten auf den Kurilen stationiert ist. Nach „Kommersant“-Angaben gibt es dort aktuell außerdem ein Bataillon von Flugabwehrkomplexen Tor-M2U, ein Bataillon von Küstenschutzraketenkomplexen Bastion und ein Bataillon von Küstenschutzraketenkomplexen Bal.

 

„Wir sollten alle Grenzen Russlands festigen und nicht nur einzelne Abschnitte. Es kann nicht sein, dass die westliche Richtung mit drei Divisionen und die östliche mit keiner gedeckt wird, wie dies die Japaner wollen“, sagte ein hochgestellter russischer Offizier des Generalstabs. „Unsere Handlungen sind nicht gegen Japan gerichtet, es geht um die Gewährleistung der Verteidigungsfähigkeit des Landes.“

 

Quelle: Sputnik

 

 

 

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