Russlands Städte sind seit über zwei Jahrzehnten Ziel von Terroristen. Die meisten Anschläge standen im Zusammenhang mit separatistischen und später radikal-islamischen Gruppierungen im Nordkaukasus. In den letzten Jahren hat sich die Gefahr wieder erhöht.

Seit dem Jahr 1994 hat in Russland der Terror Einzug gehalten. Vor allem in der Großregion des Nordkaukasus ereigneten sich die meisten Anschläge. Explosionen auf Marktplätzen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und Flugzeugen, Gebäudesprengungen oder Geiselnahmen – die Methoden des Terrorkrieges gegen Russland sind vielfältig.

Oft sind Angehörige der Polizei und der Streitkräfte das Ziel der Anschläge. Die meisten Opfer sind jedoch Zivilisten.

Mit den traurigen Spitzenwerten in den Jahren 1999 (376), 2002 (481) und 2004 (628) fielen seit dem Jahr 1994 in Russland insgesamt 3.091 Menschen dem Terror zum Opfer. Terror in den Städten war die Methode der Kriegsführung jener Extremisten, die zunächst die Loslösung der so genannten Republik Itschkerija anstrebten und später das islamistische Kaukasus-Emirat («Imarat Kaukaz»).

Mit dem Ende des zweiten Tschetschenischen Krieges ging die Zahl der Terroropfer kontinuierlich zurück. Seit dem Wiedererstarken der internationalen Terrornetze hat sich die Gefahr für Russland jedoch wieder erhöht. Im November 2015 stürzte aufgrund einer Detonation im Frachtraum ein russisches Flugzeug mit Touristen aus Sankt Petersburg in Ägypten ab. Dabei starben 225 Menschen.

Nun hat der Terror wieder die Stadt an der Newa angegriffen. Orte des öffentlichen Verkehrs gehören zu den klassischen Zielen der Extremisten. Hier ist eine Auflistung der opferreichsten Anschläge in der jüngsten russischen Geschichte:

Ende des Jahres 2013 erschütterten drei Anschläge das südrussische Wolgograd.

Am 30. Dezember um 8:30 riss eine Explosion in einem Trolleybus 16 Menschen in den Tod. Vermutlich ein Selbstmordattentäter löste den Sprengsatz-Mechanismus aus.

Bereits einen Tag zuvor, dem 29. Dezember, detonierte ein Sprengkörper im Hauptsaal des Wolgograder Hauptbahnhofes. Ein Selbstmordattentäter wurde an der Sicherheitsschleuse festgehalten und sprengte sich in die Luft. Dabei starben 18 Menschen.

Im gleichen Jahr hatte bereits am 21. Oktober eine Selbstmordattentäterin sieben Menschen in einem Linienbus in den Tod gerissen. Es handelte sich dabei mutmaßlich um eine so genannte Schwarze Witwe. Nachdem die Armee zahlreiche Terroristen während der Tschetschenien-Kriege neutralisiert hatten, gingen radikal-islamische Familien dazu über, auch deren Witwen zum Terror zu überreden, um auf diese Weise die finanzielle Belastung von sich zu nehmen, die der Unterhalt für die Witwe mit sich bringen würde.

In Moskau hatte es über die Jahre hinweg auch mehrere Anschläge im öffentlichen Verkehr gegeben.

Am 21. Januar 2011 löste ein Selbstmordattentäter im Gebäude des internationalen Flughafens Domodedovo einen Sprengsatz mit Metallelementen inmitten einer Menge aus. 37 Menschen starben, davon 8 Ausländer.

Am 29. März 2010 gab es einen doppelten Selbstmordanschlag in zwei Moskauer Metro-Stationen mit insgesamt 41 Opfern.

Am 6. Februar 2004 sprengte sich ein Attentäter in einem Waggon, der sich in einem Metrotunnel befand, in die Luft und tötete 41 Menschen.

Einem weiteren Anschlag am 31. August 2004 fielen zehn Menschen zum Opfer. Die Selbstmordattentäterin ließ eine dabei Bombe am Körper in der Nähe einer Metrostation explodieren.

Am 8. August 2000 tötete eine Detonation in der Unterführung am Puschkinplatz auf dem berühmten Twerskaja-Boulevard 13 Menschen.

Am 27. November 2009 ließ eine Detonation an den Gleisen drei Waggons des Zuges Newski Express entgleisen, 28 Menschen starben.

In den 1990er und Anfang der 2000er Jahre wurden auch mehrere Städte in Südrussland und der Republik Dagestan von solchen Anschlägen heimgesucht. Viele Anschläge hatten keine Todesopfer zur Folge, noch mehr wurden vereitelt. Die folgenschwersten Terrorakte waren jedoch eine Anschlagsserie auf Hochhäuser in mehreren russischen Großstädten im August und September 1999 sowie die Geiselnahmen in einem Moskauer Musicaltheater im Oktober 2002 und in einer Schule im nordossetischen Beslan im September 2004. Die Zahl der Todesopfer ging in diesen Fällen in die Hunderte.

Insbesondere in den letzten Jahren konnten die Sicherheitsbehörden jedoch auch zahlreiche Terrorzellen aufdecken.

Der russische Gesetzgeber erteilte den Sicherheitsbehörden sehr weitreichende Kompetenzen bei der Vorratsdatenspeicherung. Es ist davon auszugehen, dass die ohnehin leise Kritik an diesen Gesetzen nach dem letzten Anschlag in Sankt Petersburg gänzlich verstummen wird.

Quelle: RT

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