Der 8. Mai, der Tag der Befreiung, ist in der Bundesrepublik kein Feiertag. Im deutsch-russischen Museum in Berlin-Karlshorst wird der Tag trotzdem festlich begangen. Was genau geplant ist, welche Prominenz sich angemeldet hat und ob es auch zu Protesten kommen kann, verrät der Direktor des Museums, Jörg Morré, im Interview.

 

 

Herr Dr. Morré, was ist bei Ihnen zum Tag der Befreiung geplant? 

Heute findet wie jedes Jahr unser Museumfest statt. Es wird den ganzen Tag über Speis und Trank geben. Es ist wirklich ein Fest. Wir zeigen Filme zum Thema Kriegsende. Es gibt Lesungen aus Briefen sowjetischer Kriegsgefangener. Es gibt eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kriegsgedenken und 9. Mai als Fest“. Außerdem wird es Führungen durch das Haus, eine Kranzniederlegung, einen ökumenischen Gottesdienst und zu guter Letzt um 22 Uhr im historischen Saal der Kapitulation den Toast auf den Frieden geben.

 

Wie ist denn Ihre Meinung zum Gedenken am 8. und 9.  Mai in Deutschland?

Das wandelt sich Jahr für Jahr. Für den postsowjetischen Raum ist der 9. Mai immer noch ein extrem wichtiges Datum. In Deutschland ist dagegen der 8. Mai noch immer so eine Art Leerstelle. Obwohl es mir scheint, dass dies inzwischen auch hierzulande wieder stärker wahrgenommen wird. Es hängt aber auch immer von der aktuellen politischen Stimmung ab. Wir versuchen, uns davon eigentlich frei zu halten, aber so ganz können wir dem natürlich auch nicht entkommen.

Wenn Ihr Museum im Westen Deutschlands stehen würde, wären Sie vermutlich auf verlorenem Posten am 8. Mai?

Das sehe ich auch so. Im Westen hätten wir es wirklich schwer. Aber historisch bedingt sind wir nun mal in Karlshorst.

 

Hat sich irgendwelche Prominenz aus Politik und Gesellschaft zum heutigen Fest angekündigt? 

Der Innensenator von Berlin, Herr Geisel, und der belarussische Botschafter, Herr Sidorenko, werden kommen. Die Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke Gesine Lötzsch wird da sein.

Außerdem ist es uns eine Ehre, Herrn Terentjew, den Vorsitzenden des Veteranenverbandes der Westgruppe, also der seinerzeit in der DDR stationierten sowjetischen Soldaten, begrüßen zu dürfen. Es wird auch eine Delegation von Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges von der Russischen Botschaft zu uns begleitet werden.

 

Haben sich eigentlich auch dieses Jahr wieder die russischen Biker von den Nachtwölfen angekündigt? 

Angekündigt haben sie sich bei mir nicht, aber es würde mich nicht wundern, wenn sie auftauchen.

 

Mit ihnen gab es ja letztes Jahr eigentlich keine Probleme, oder?

Nein, gab es nicht. Wir haben ja auch eine Politik des offenen Hauses. Alle sind willkommen, so lange sie sich an die Regel halten, keine politischen Kundgebungen auf dem Gelände abzuhalten.

 

Erwarten Sie irgendwelche Proteste dieses Jahr?

Es gibt eine angemeldete Demonstration aus dem rechten Spektrum auf der Straße vor dem Haus. Die gab es auch schon letztes Jahr, aber da waren es am Ende nur zehn bis fünfzehn Demonstranten.

 

Ist Ihr Fest getrübt durch die aktuell eher russophobe Stimmung in Politik und Medien in Deutschland? 

Nein. Das geht natürlich an uns nicht spurlos vorbei. Aber wir haben ein treues Publikum, auch aus der direkten Nachbarschaft. Unsere Gäste fühlen sich der Thematik und auch Russland verbunden. Ich glaube also nicht, dass diese Leute aufgrund der aktuellen Stimmung hier bei uns im Land wegbleiben.

Interview: Armin Siebert

 

Quelle: Sputnik