Ein bemerkenswerter und längst überfälliger Kurswechsel: nach mehreren anderen Balkanländern, etwa Ungarn und Kroatien, wird jetzt auch in Serbien offiziell der nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen und entrechteten Volksdeutschen gedacht.

 

 

Regierungschef Aleksandar Vucic weihte am Samstag in der Gemeinde Jarek nördlich der Stadt Novi Sad eine Gedenkstätte für die mißhandelten, vertriebenen und ermordeten „Donauschwaben” ein.

Die Regierung versteht den Schritt als Geste der Aussöhnung und der Auseinandersetzung mit dem bisherigen Tabuthema „Nur durch die Achtung fremder Opfer werden wir das Recht haben, auch Respekt und Recht für unsere Opfer zu verlangen”, begründete Vucic den Kurswechsel in der offiziellen Belgrader Erinnerungspolitik.

Historiker gehen davon aus, daß von den rund 550.000 im Jahr 1940 im damaligen Jugoslawien lebenden Donauschwaben zwar rund die Hälfte im Zuge des Näherrückens der Roten Armee zusammen mit der Wehrmacht „freiwillig“ die Heimat im Südosten verließ. Die Zurückgebliebenen wurden aber ab 1944 systematisch entrechtet, dezimiert und vertrieben, wobei es zu unglaublichen Grausamkeiten kam. Im Januar 1946 beantragte die jugoslawische Regierung bei den Westalliierten die Ausweisung der 110.000 noch in Jugoslawien verbliebenen Volksdeutschen nach Deutschland, was jedoch abgelehnt wurde. Der Wert des enteigneten Vermögens deutscher Vertriebener aus Jugoslawien wurde 2011 auf bis zu 100 Milliarden Euro geschätzt.

Im heutigen Serbien leben derzeit noch etwa 4.000 Deutsche.

 

Quelle: Zuerst