Der Sieg von Emmanuel Macron gegen Marine Le Pen bei der Stichwahl in Frankreich liegt im Interesse der EU-Bürokraten und ist eine Art „Satisfaktion“ für den Brexit. Diesen Standpunkt vertritt der russische Politik-Experte Alexej Martynow. Aus seiner Sicht wartet Frankreich vorerst vergeblich auf einen neuen De Gaulle.

In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt Martynow ironisch, Spin-Doctors aus Brüssel und „deren Auftraggeber, die EU-Bürokraten“ hätten Gratulationen zum Wahlergebnis in Frankreich verdient.

„Die ausgezeichnet durchkalkulierte, entworfene und umgesetzte Kampagne in Frankreich gibt den europäischen Globalisten Hoffnung auf eine Verlängerung der Agonie der EU“, so Martynow.

Diese Kampagne sei „eine Art Satisfaktion“ der EU-Bürokratie für den Brexit gewesen.

Die Methode, bei der die populistische Agenda der beliebt gewordenen EU-Skeptiker übernommen werde, sei zunächst in den Niederlanden getestet worden. Der dortigen Regierungspartei sei der „Trick mit dem synthetischen Populismus“ gelungen, heißt es im Kommentar.

„In Frankreich wurde diese Technologie mit Volldampf umgesetzt. Es gibt nun allerdings Fragen. In einem Monat sollen die Franzosen ihr Parlament wählen. Es ist dabei unklar, wie sich die Präsidentschaftswahl auf den parlamentarischen Wahlkampf projizieren lässt. Welchen Nachgeschmack haben die Franzosen wegen der jüngsten manipulativen Wahltechniken? Haben diese Techniken die Menschen verärgert oder werden sie eine tiefe politische Apathie zur Folge haben? Offenbar wird die zweite Option angestrebt“, schreibt Martynow.

Noch vor der Stichwahl hatte er in einem anderen Kommentar geschrieben, Macron sei von vornherein im Vorteil gewesen: „Denn staatlich kontrollierte Medien haben während dieser ganzen Zeit faktisch zu seinen Gunsten gearbeitet.“

Martynow schrieb damals: „Vor dem Hintergrund Macrons wirken Le Pens Ansichten allzu radikal, worauf viele Franzosen hinwiesen. Außerdem ist Le Pen von ihrem Maßstab her nicht der Rolle eines neuen De Gaulle gewachsen, auf den Frankreich mit Ungeduld wartet.“

Einen neuen De Gaulle gebe es vorerst kaum: „Es gibt niemanden, der in der Lage wäre, das Land aus dem System globalistischer Verbindungen herauszuführen und vor allem die nationalen Interessen zu verteidigen – statt der Bestrebungen der transatlantischen Eliten.“

Bei der Stichwahl konnte sich Macron mit rund zwei Dritteln der Stimmen gegen Le Pen durchsetzen. Kurz nach seinem Sieg kündigte er laut „Iswestija“ an, die Europäische Union festigen zu wollen, darunter auch wirtschaftlich.

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