„Celebrate Diversity“ war das Motto des diesjährigen Eurovision Song Contests in Kiew – Vielfalt feiern. Von Vielfalt war bei den Liedern am Samstag abend aber nichts zu spüren. In Englisch gesungen, charakterloser Pop-Trash, beliebig, austauschbar – ein Trend, der seit einigen Jahren den einstmals für seine großen Chansons bekannten Wettbewerb trübt.

 

 

Und ein Trend, der über den Song Contest hinausgeht. Je mehr Europa über Vielfalt redet, so scheint es, desto stärker sind Vereinheitlichungstendenzen wahrzunehmen.

Selbst Länder, die früher stets mit Liedern in der Landessprache an den Start gegangen sind wie Israel oder Serbien, machen mit beim englischen Retortensingen. Aber auch Teilnehmer, die schon seit Jahren auf Englisch auftreten, präsentierten noch bis vor kurzem zumindest Titel, die einen nationalen Musikcharakter erkennen ließen. Diese Zeiten sind vorbei.

Sieg gegen die Wegwerf- und Fastfoodmusik

Aber es besteht Hoffnung. Portugal, das stets mit portugiesischsprachigen Beiträgen an den Start gegangen ist und dabei bisher nicht ein einziges Mal unter die besten Fünf kam, ist seiner Linie treu geblieben. Es zahlte sich aus: Eine gefühlvolle, schwermütige Ballade in der Landessprache gesungen, erwärmte nicht nur die Herzen der Jurys der teilnehmenden Länder, sondern auch die des Publikums.

„Wir leben in einer Welt der Wegwerf- und Fastfood-Musik ohne jeden Inhalt“, sagte der 27jährige Jazz-Musiker Salvador Sobral nach seinem Sieg. „Musik ist kein Feuerwerk, Musik ist Gefühl, laßt uns die Musik zurückholen!“ Der finale Auftritt mit seiner Schwester, die das Lied geschrieben hat, war eine Sternstunde des Eurovision Song Contests.

Es bleibt zu hoffen, daß Sobrals Sieg im kommenden Jahr, wenn sich die Eurovision-Familie in Portugal treffen wird, weitere Länder dazu anspornt, Lieder mit Charakter ins Rennen zu schicken, die Ausdruck der jeweiligen Mentalität und musikalischen Kultur sind. Und Vielfalt heißt eben auch: Jeder singt in seiner Sprache. Eine von 1978 bis 1999 geltende Regel, über deren Wiedereinführung man durchaus nachdenken könnte. Vielleicht würde es ja dann auch mal wieder ein Erfolgserlebnis für Deutschland geben. Die Europäer hielten von Levinas Trash-Nummer zu recht nichts.

 

Quelle: Junge Freiheit