Der ehemalige türkische Botschafter in Schweden und Finnland, Ex-Chef der Kanzlei des türkischen Außenministers, Oktay Aksoy macht vor allem Deutschland für die Krise in den deutsch-türkischen Beziehungen verantwortlich.

 

 

Die Türkei sei an der Entwicklung der deutsch-türkischen Beziehungen deutlich interessiert: Schließlich leben in Deutschland rund drei Millionen Türken. Zudem seien die beiden Länder Verbündete im Rahmen des Nordatlantischen Bündnisses. In der Vergangenheit hätten die Türkei und Deutschland ziemlich enge Beziehungen gehabt, heutzutage aber wolle Berlin Ankara nicht mehr verstehen und dem einstigen Partner nicht mehr entgegenkommen, und darüber sei die Türkei äußerst besorgt.

Vor kurzem waren die deutsch-türkischen Beziehungen erneut belastet: Die Türkei hatte einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten den Besuch bei den deutschen Soldaten auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik verwehrt. Der Besuch einer parteiübergreifenden Bundestagsdelegation sollte von Donnerstag bis Sonntag stattfinden. Als Grund dafür nannte die türkische Seite die Tatsache, dass Deutschland türkischen Offizieren, die der Verbindungen mit der sogenannten Gülen-Bewegung verdächtigt werden, Asyl gewährt hatte.

Dabei habe die türkische Seite den Luftstützpunk Incirlik der deutschen Bundeswehr zu einem konkreten Zweck zur Verfügung gestellt, um gemeinsam gegen die Terrormiliz Daesh zu kämpfen, erinnerte Aksoy: „Wir gehen davon aus, dass in der Frage der Bekämpfung des „Islamischen Staates» Deutschland mit uns ist. Deshalb wurde es deutschen Soldaten erlaubt, Incirlik zu nutzen».

Die Türkei bringe Verständnis für den Wunsch der deutschen Parlamentarier auf, deutsche Soldaten in türkischen Luftwaffenstützpunkten zu besuchen, gab Aksoy zu. Dennoch sollte Deutschland die Forderungen der Türkei nicht ignorieren: „Statt Dankbarkeit bekommt Ankara nur Vorwürfe von Berlin», bedauerte er in einem Interview mit Sputnik Türkei.

Da es unmöglich sei, den bestehenden Dissens zu beseitigen, werde es immer problematischer, die Verbündeten-Kontakte weiter zu pflegen, betonte Aksoy und rief Deutschland auf, das Problem auch von diesem Standpunkt aus zu betrachten.

In diesem Zusammenhang erwartet Aksoy viel von dem Nato-Gipfel in Brüssel, der am 25./26. Mai in Brüssel stattfindet.

„Hoffentlich wird diese Frage bei dem Nato-Gipfel gelöst werden. Denn tatsächlich betrifft das nicht nur die türkisch-deutschen Beziehungen», so Aksoy. Die Türkei profitiere nicht von der Stationierung der deutschen Soldaten auf ihrem eigenen Territorium, sie halte diese für notwendig für den gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus, nämlich den IS, sagte er.

„Allerdings haben wir große Bedenken in der Hinsicht, dass unsere Nato-Verbündeten die Zusammenarbeit im Rahmen der gemeinsamen Bekämpfung der Terrormiliz Daesh ernst nehmen. In mehreren Fragen, die damit verbunden sind, fühlt sich die Türkei verlassen und von den Nato-Verbündeten unverstanden. Faktisch muss die Türkei gegen die IS-Kämpfer alleine kämpfen», sagte Aksoy abschließend.