Kiew will ab dem ersten Juli den Bahnverkehr zwischen der Ukraine und Russland stoppen, wie die russische Zeitung „Kommersant“ aus Quellen in den ukrainischen Regierungskreisen erfahren haben will. Vor einer Woche wurde bereits der Schienenverkehr russischer Güterzüge verboten.

 

 

Der Vorwand für diese Maßnahmen sei, so die Quelle, der fortwährende Reiseverkehr zwischen dem Donbass und Russland. So verkehrt zwischen der Stadt Donezk und dem russischen Taganrog derzeit eine S-Bahn, dessen Ticketpreis lediglich 17 Rubel (etwa 27 Cent) beträgt. Dies gehe Kiew gegen den Strich, da es angeblich die Souveränität der Ukraine verletze.

Auf Anfrage der Zeitung teilte ein Sprecher der ukrainischen Eisenbahngesellschaft „Ukrsalisnyzja“ mit, dass es zu dieser Frage „noch keinerlei Beschlüsse“ gäbe. Die russische Bahn RZD bestätigte, dass sie bislang keine entsprechenden Dokumente erhalten habe.

Die Informanten bestehen jedoch darauf, dass dies konkrete Pläne seien, die derzeit in der Werchowna Rada (ukrainisches Parlament) vom Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Alexander Turtschinow und dem ukrainischen Vizeparlamentschef Andrij Parubij lobbiert würden.

Dabei reisen jährlich etwa vier Millionen Ukrainer nach Russland ein. Sollte der bei solchen Reisen am meisten genutzte Eisenbahnverkehr eingestellt werden, werden diese Maßnahmen vor allem Ukrainer treffen. Laut inoffiziellen Studien befinden sich derzeit bis zu fünf Millionen ukrainische Gelegenheitsarbeiter in Russland.
Vor einer Woche hatte Kiew bereits den Güterverkehr russischer Züge zwischen der Ukraine und Russland verboten. Davor traf Kiew seit Anfang des Jahres eine Reihe von Maßnahmen, die die Donbassregion von der Ukraine in sämtlichen Hinsichten abschotten sollen. So legitimierte Kiew die von Radikalen initiierte Donbass-Blockade – darunter auch die Einstellung des Eisenbahnverkehrs – was der ukrainischen Wirtschaft einen empfindlichen Schaden zugefügt hatte.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verurteilte zwar die Handlungen der Radikalen, gleichzeitig aber beschloss der ukrainische Sicherheits- und Verteidigungsrat am 15. März, die Verkehrsverbindung zum Donbass zu unterbrechen, und damit faktisch den Forderungen der Radikalen entsprochen.

Nach Einführung der Blockade sah sich der Donbass gezwungen, seine Kohleindistrie auf Russland umzuorientieren.

Im ukrainischen Parlament werden derzeit auch weitere „Sanktionen“ dieser Art besprochen, die von Moskau allerdings als Eigentore eingestuft werden. So wird derzeit die Aufhebung der Visafreiheit mit Russland und sogar der Verbot von Kontakten mit Verwandten in Russland erwogen.

Am vergangenen Wochenende hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärt, dass die Ukrainer auch ohne die russischen sozialen Netzwerke gut leben könnten. In der Ukraine gilt nun ein Zugangsverbot zu VKontakte und Odnoklassniki sowie zu Yandex- und Mail.ru.-Ressourcen.

 

Quelle: Sputnik