Der jüngste Konflikt zwischen mehreren Golfstaaten und Katar könnte zum Scheitern eines Milliarden-Waffendeals zwischen Washington und Doha führen, schreibt die Online-Zeitung «Gazeta.ru» am Freitag.

 

 

Es geht um die Lieferung von 72 Mehrzweck-Kampfjets F-15QA im Gesamtwert von 21 Milliarden Dollar, womit der Konzern Boeing sehr rechnet.

Dank des im November 2016 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama gebilligten Vertrages könnte Boeing die Herstellung von Flugzeugen dieses Typs fortsetzen.

Der Deal wurde allerdings immer noch nicht abgewickelt: Die USA sollen Katar ein Angebot zum Verkauf von Kampfjets und Zulieferteilen unterbreitet haben, doch Doha hat das Dokument noch nicht unterzeichnet. Laut Quellen würde es sich dann um ein Regierungsabkommen handeln.
Der Verkauf von Kampfjets der Typen F-15QA und F/A-18E/F an Katar und Kuwait wären ein großer Erfolg für Boeing, sagte Konstantin Makijenko vom russischen Zentrum für Strategien- und Technologienanalysen. Ohne diese Aufträge müsste der Konzern die entsprechenden Produktionslinien in den Jahren 2019 (F-15E) und 2020 (F/A-18E/F) schließen, wenn die aktuellen Verträge mit Saudi-Arabien und den USA auslaufen.

Den Deal mit Doha unterstützt unter anderem das US-Verteidigungsministerium, denn die erwähnten Maschinen der Generation 4++ wären als Ersatzvarianten für das Modell F-35 der fünften Generation wichtig, mit dem es immer noch zahlreiche technische Probleme gibt.

„Ich denke nicht, dass Präsident Trump die Streichung von Jobs hierzulande will“, sagte die Senatorin Claire McCaskill. „Ich weiß, dass er von Verkäufen von US-Waffen in Saudi-Arabien sprach, und viele von diesen Waffen werden nicht in den USA, sondern in dieser Region hergestellt.“

Bei Boeing hat man nach eigenem Bekunden immer noch Hoffnung auf die Unterzeichnung des Deals mit Katar.

US-Senator John McCain erklärte in diesem Zusammenhang, das Problem sollte gründlich analysiert werden. US-Außenminister Rex Tillerson wünschte seinerseits den Mitgliedsländern des Golf-Kooperationsrats, „einig zu bleiben und entstehende Kontroversen mit diplomatischen Mitteln zu regeln“.

„Die Beziehungen der USA mit Katar sind intensiv, und wir kooperieren mit Doha auf vielen Gebieten, insbesondere bei der Terrorbekämpfung“, unterstrich der Chefdiplomat. „Die USA und ihre Anti-IS-Koalition sind Katar für die Unterstützung unserer militärischen Präsenz in diesem Land dankbar. Alle Bereiche unserer Partnerschaft in der Golfregion sind äußerst wichtig, und wir rechnen damit, dass beide Länder so schnell wie möglich einen Weg finden, wie die entstandenen Widersprüche vom Tisch geräumt werden könnten.“

Experte Makijenko verwies seinerseits darauf, dass Katar zuvor einen Vertrag mit Frankreich über den Kauf von 24 Kampfjets Dassault Rafale für 6,3 Milliarden Euro abgeschlossen habe – mit einer Option auf zwölf weitere Maschinen. Die Lieferungen sollen im Sommer 2018 beginnen.

Falls Doha auch die 72 F-15-Kampfjets bei den USA kaufen sollte, würden die Luftstreitkräfte dieses Landes über insgesamt 96 hochmoderne Militärflugzeuge verfügen.

 

Quelle: Sputnik