In der beispiellosen Kampagne gegen Katar, die am 5. Juni von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten gestartet wurde, stehen die Zeichen auf eine Wende. Das schreibt die Zeitung Kommersant am Donnerstag.

 

 

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu reiste am Mittwoch nach Katar. Kurz zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Isolation Dohas scharf kritisiert. Auch einige weitere wichtige Länder der Region weigerten sich, die Anti-Katar-Koalition zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund mussten Saudi-Arabien und Ägypten, die den Ton in der Kampagne gegen Doha angeben, den Druck auf Katar abschwächen.

Cavusoglu soll sich mit seinem katarischen Kollegen Mohammed bin Abdulrahman Al Thani und den Emir des Landes, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, treffen. Danach reist er nach Medienangaben zu Verhandlungen nach Saudi-Arabien weiter.
Saudi-Arabien war einer der Initiatoren des diplomatischen Boykotts, dem sich mehr als zehn arabische Länder anschlossen. Einige Länder brachen ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar ab, andere reduzierten ihre diplomatischen Beziehungen auf ein Minimum. Anlass dafür war eine auf der Webseite der Nachrichtenagentur Katars veröffentlichte Erklärung des Emirs über eine notwendige Annäherung an den schiitischen Iran – den größten geopolitischen Gegner der sunnitischen Golf-Monarchien.

Kurz vor dem Katar-Besuch des türkischen Chefdiplomaten übernahm Präsident Erdogan die Rolle des größten Verteidigers Dohas. Er warnte die Initiatoren der Blockade vor der Gefahr einer solchen Politik, die weitgehende Folgen haben könnte.

„Die Isolierung Katars ist ein tödlicher Fehler, der den islamischen Werten widerspricht“, sagte Erdogan. „Katar hat sich entschieden gegen die in der Türkei vorgehende Terrororganisation ‚Islamischer Staat‘ positioniert. Die Verfolgung Katars führt nicht zu etwas Gutem.“

Die äußerst angespannten Beziehungen zwischen der Türkei und dem Iran, der beinahe Beziehungen eines Verbündeten zu Katar hat, hielten Ankara nicht davon ab, sich zum Lager Teherans zu zählen. Zudem unterzeichnete Erdogan in der vergangenen Woche ein Gesetz über die Stationierung einer Militäreinheit in Katar, um die Stabilität in der Region zu unterstützen.

Ankaras Aktivitäten, um die Situation zu regeln, sind damit verbunden, dass die Katar-Krise die Türkei selbst treffen könnte. Es könnten neue Brandherde der Destabilisierung entstehen. Oder die Türkei könnte ihren Einfluss im Nahen Osten verlieren.

Die Erklärung Erdogans fiel zeitlich mit den Äußerungen des irakischen Premiers Haider al-Abadi zusammen. Dieser sagte, dass die Strafmaßnahmen gegen Katar nicht seine Regierung, sondern das Volk treffen. Ursprünglich hatte Bagdad eine neutrale Position im Konflikt um Katar bezogen. Doch anschließend bezog der irakische Regierungschef eine ähnliche Position wie die Türkei. Darüber hinaus wollen Kuwait, Oman, Marokko und Jordanien sich nicht gegen Katar positionieren.
Laut dem Politologen Grigori Kossatsch hat Katar Einflusshebel auf Länder, wo es starke Organisationen gibt, die die islamistischen Muslimbrüder repräsentieren. „In Jordanien sind die Mitglieder der Bewegung im Parlament vertreten“, so der Experte. „In der Türkei geht die Regierungspartei auf die Muslimbrüder zurück.“ Zugleich zeigte sich der tunesische Politologe Youssef Sherif überzeugt, dass das türkisch-marokkanische Zusammenwirken zusammen mit den Anstrengungen Omans und Kuwaits einen positiven Einfluss auf die Regelung der aktuellen Krise ausüben kann.

Katar könnte zudem Unterstützer in Europa finden, meinte Kossatsch: „Europäische Importeure der katarischen Kohlenwasserstoffe wollen keine Verschlechterung der Situation in der Region und rufen bereits zur schnellstmöglichen Konfliktlösung auf. Das bedeutet alles, dass um Katar eine alternative Koalition entsteht, die Saudi-Arabien und seinen Verbündeten Widerstand leisten kann.“

 

Quelle: Sputnik