Von Karin Leukefeld

Zum Beginn des Fastenmonats Ramadan verschärfte die Europäische Union erneut die Wirtschaftssanktionen gegen Syrien und verlängerte sie für ein weiteres Jahr. Im 7. Jahr von Krieg und westlicher Isolation helfen Freiwillige der Organisation „Bader“, dass auch im Ramadan ihre Nachbarn nach dem Fastenbrechen mit Sonnenuntergang einen reich gedeckten Tisch haben.

Der Fastenmonat Ramadan ist für Muslime weltweit ein Monat der Besinnung. Üble Nachrede, Lügen, Verleumdung und Beleidigungen sind untersagt, Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, das Nachdenken über das eigene Leben, das eigene Tun soll durch das Ruhen vom alltäglichen Tun, im Sinne von Enthaltsamkeit gefördert werden. Nach Auffassung der Gläubigen soll im Ramadan, dem 9. Monat des Islamischen Kalenders, der Koran, das göttliche Recht und Lebensregeln, über den Propheten Mohammad zu den Menschen gesandt worden sein. Als eine der fünf Säulen des Islam ist das Fasten eine Pflicht mit Ausnahmen. Sie gilt nicht für Kranke und Reisende. Auch Kinder und Schwangere sind von der Pflicht des Fastens befreit. Nach dem Sonnenuntergang wird das Fastenbrechen gefeiert, das gemeinsame Essen.

Doch die meisten Restaurants haben geschlossen, weil nicht nur der Krieg sondern auch schärfste Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union das Wirtschaftsleben in Syrien zum Erliegen gebracht haben. Die Familien bleiben zu Hause und wer kein Zuhause mehr hat, weil er vom Krieg vertrieben oder sein Haus zerstört wurde, verbringt die Abende in den Parks, Sammelunterkünften und in Hauseingängen.

Vor dem Krieg wurde nach dem Fastenbrechen am Abend das Essen unter den Nachbarn und in Moscheen ge- und verteilt. Hotels und Restaurants boten üppige Speisen an, häufig aßen und feierten die Menschen bis tief in die Nacht. Heute fehlt es in Syrien an allem. Umso beeindruckender ist die Hilfe, die von privaten Hilfsvereinen und von vielen Freiwilligen kommt.

Ein reich gedeckter Tisch für alle

Ein alt eingesessenes Restaurant in der Altstadt von Damaskus hat aufgrund des Krieges, ausbleibender Touristen und zahlungsfähiger Gäste schon seit Jahren geschlossen. Doch jedes Jahr zu Beginn des Ramadan öffnet der Besitzer die Türen zur Küche, damit dort Essen für die Hilfsbedürftigen zubereitet werden kann. Täglich kommen Helfer und jugendliche Aktivisten, die Stunden lang Zwiebeln, Paprika, Kraut und Tomaten schnibbeln. Die Zutaten werden in großen Schüsseln gemischt, von freiwilligen Köchen mit Salz, Schwarzkümmel, Öl und Zitrone abgeschmeckt und als Salat serviert. In großen Töpfen wird derweil Reis gekocht. Die Stimmung in der Kochschar ist gut. Man lacht und singt, erzählt sich die letzten Neuigkeiten oder arbeitet einfach ruhig vor sich hin, den eigenen Gedanken nachhängend.

Abed Al Hafis Al Qasdi leitet die Initiative für gesellschaftliche Entwicklung „Bader“, die landesweit mit vielen Freiwilligen aktiv ist. Es sei bereits das 5. Jahr, in dem sie „Essen im Ramadan“ zubereiten, erzählt er. Täglich würden 5000 Mahlzeiten verteilt, oft auch mehr. Im Ramadan sei die Spendenbereitschaft für arme Menschen traditionell sehr hoch, das sei die Basis ihres Projekts. Seine Organisation nehme aber kein Bargeld an: „Wenn jemand z.B. 100.000 Lira (200$) spenden will, schicken wir ihn mit einem unserer Freiwilligen auf den Markt und kaufen zusammen mit ihm Reis, Öl, Butterfett“ und andere Dinge ein, die dann in der Küche landeten. Jeden Tag komme eine andere Gruppe, um das Essen zuzubereiten. Mal sei es eine christliche Pfadfindergruppe, mal eine Pfadfindergruppe einer Schule oder es kämen Freiwillige der Jugendorganisation der Baath Partei. 20 Aktive der Organisation „Bader“ organisierten die Arbeit in der Küche und kümmerten sich dann um die Verteilung der Mahlzeiten. „Hier in der Altstadt haben wir verschiedene Orte, wo wir das Essen verteilen. Wir bringen es auf Karren dorthin und die Leute kommen mit Schüsseln und lassen sich ihren Anteil einfüllen.“

Nicht nur an die Fastenden werde das Essen verteilt, sondern an alle Menschen, die bedürftig seien. Das Essenverteilen im Ramadan, die Speisung sei „allgemein eine syrische Tradition“, wer arm sei, erhalte seinen Anteil. „Bader“ habe 2012 in Schaarour begonnen, einem Altstadtviertel in Damaskus. Weil im folgenden Jahr die Familien des Viertels Schaarour die Speisung selber übernommen hätten, seien sie mit ihrer Gruppe ins Maktab Anbar gegangen.

 

Quelle: Rubikon