Die westlichen Staaten ändern ihre Prioritäten in Syrien. Nach Angaben des Sprechers der US-geführten Koalition in Syrien und im Irak, Ryan Dillon, werden die USA nicht dagegen sein, wenn Damaskus einen effektiven und koordinierten Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) führt, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

Laut dem Sprecher der Koalition sehen die USA ihre Hauptaufgabe darin, den IS zu vernichten, unabhängig davon, wo er sich befindet. Falls syrische Regierungstruppen bzw. sogar proiranische Einheiten koordinierte Militäraktionen gegen die Dschihadisten führen wollen, werde die US-Seite keine Einwände haben.

„Falls dies wie koordinierte Anstrengungen zum Übergang in die vom IS kontrollierten Gebiete aussehen wird, und falls sie tatsächlich etwas tun können, ist dies ein gutes Zeichen“, sagte Dillon. „Wir befinden uns hier, um als Koalition gegen den IS zu kämpfen. Doch wenn andere gegen den IS kämpfen und ihn besiegen wollen, haben wir keine Probleme damit.“

Eine ähnliche überraschende Äußerung machte in der vergangenen Woche Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Ihm zufolge wird Frankreich nicht auf dem Rücktritt des syrischen Präsidenten beharren, es will im Nahen Osten gegen die Terroristen kämpfen, unter anderem zusammen mit der russischen Seite. „Die neue Position, die ich zu dieser Frage habe, besteht darin, dass ich nicht auf dem unbedingten Rücktritt Assads beharre“, so Macron.

Vertreter der USA sprachen zuvor offen über ein Umdenken bezüglich der Syrien-Strategie.

„Unsere Prioritäten bestehen nicht mehr darin, Assad zu vertreiben“, sagte die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley. „Unsere Prioritäten bestehen darin, real einzuschätzen, wie wir Erfolge erzielen können, mit wem wir zusammenwirken können, um die Situation zugunsten des syrischen Volkes zu ändern“.

Dass die USA nun mildere Töne gegenüber Assad anschlagen, hängt damit zusammen, dass alle internationalen Akteure mittlerweile verstehen, dass das Schicksal des syrischen Präsidenten bereits vorbestimmt sei. „Das Assad-Regime geht zu Ende, sie sind selbst daran schuld“, sagte der US-Außenminister Rex Tillerson nach den Verhandlungen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Moskau. Der russische Außenminister betonte damals, dass Moskau nicht auf eine konkrete Person setze.

Laut dem Orientalisten Jewgeni Selenew herrscht in Syrien derzeit geopolitisch ein instabiles Gleichgewicht, da die Assad-Kräfte nicht mehr imstande sind, weiter zu kämpfen, aber noch stark genug sind, um nicht aufzugeben. „Die Oppositionskräfte können ebenfalls keinen Sieg erringen. Alle sind erschöpft. Die Position des Westens besteht in der Feststellung der Tatsache, dass sich in Syrien fünf Einflussgebiete gebildet haben, von denen eines unter Assads Kontrolle steht. Es handelt sich um eine pragmatische Position, die darin besteht, den Krieg nicht bis zum Ende zu führen, sondern das Gegenüberstehen aus der Ebene der militärischen Konfrontation in die Verhandlungsebene zu bringen“, so der Experte.
Dem Experten zufolge neigen die USA mittlerweile zur Überzeugung, dass der IS und Dschabhat al-Nusra auf militärischem Wege fast nicht zu besiegen sind. Ein Ausweg aus der Sackgasse sei die Beendigung des Konflikts und die anschließende Aufnahme von Verhandlungen. In diesem Sinne soll das Schicksal Assads nicht auf dem Schlachtfeld, sondern am Verhandlungstisch entschieden werden.

 

Quelle: Sputnik