Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich gegen die Protektionismus-Politik des US-Präsidenten Donald Trump und seine skeptische Haltung zu den Folgen des Klimawandels geäußert. Eine Woche vor dem G20-Gipfel in Hamburg hat sie im Bundestag von ihren Plänen für den künftigen Gipfel berichtet, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

Merkel erwartet vom G20-Gipfel in Hamburg „ein Signal der Entschlossenheit“ beim Kampf gegen den Klimawandel, nachdem Trump seine Absicht ankündigte, auf das Pariser Klimaabkommen zu verzichten. Laut Merkel sollen die Klima-Vereinbarungen nicht mehr diskutiert, sondern erfüllt werden. „Wir wollen und müssen diese existenzielle Herausforderung bewältigen, und wir können und werden nicht darauf warten, bis auch der letzte auf der Welt von den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Klimawandels überzeugt werden konnte“, sagte Merkel.

Sie kritisierte außerdem die Protektionismus-Politik von Trumps Team.

„Wer glaubt, die Probleme dieser Welt mit Isolationismus und Protektionismus lösen zu können, der unterliegt einem gewaltigen Irrtum“, sagte die Bundeskanzlerin.

Sie hob hervor, dass die multilaterale Kooperation die einzige Antwort auf die Herausforderungen ist, die auf der Tagesordnung der G20 stehen. Zu solchen Bedrohungen gehören der Terror und der Flüchtlingsansturm. Wie die Zeitung „Politico“ berichtete, bedeutet Merkels Rede im Bundestag, dass Trump beim Gipfel in Hamburg wohl ein frostiger Empfang erwartet.

Am Tag ihres Auftritts im Bundestag versammelte Merkel in Berlin außerdem die Staatschefs von Frankreich, Italien, der Niederlande, Spanien und Norwegen. In die deutsche Hauptstadt wurden Vertreter der Europäischen Union eingeladen. Auf der Tagesordnung stand die Ausarbeitung einer gemeinsamen Strategie bei den Verhandlungen mit Präsident Trump in Hamburg.

„Merkel organisierte das Treffen mit den Europäern, weil sie Probleme in den Beziehungen zu Trump hat“, sagte eine diplomatische Quelle gegenüber AFP.

Nach den Gesprächen mit ihren Kollegen erklärte Merkel, dass die europäischen Teilnehmer des G20-Gipfels sich darin einig seien, dass die Prinzipien des Pariser Klimaabkommens erfüllt werden müssen. Der Klimawandel werde zweifelsohne eines der Hauptthemen in Hamburg sein, sicherte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach den Verhandlungen in Berlin zu.

Russische Experten rechnen jedoch nicht damit, dass der US-Präsident in Hamburg betont frostig empfangen wird.

„Man muss nicht einen sonderlich frostigen Empfang erwarten“, sagte der Politologe Alexander Tewdoj-Burmuli. „Die Frage besteht darin, dass die Europäer vereinbart haben, keine Konfliktthemen zu verhindern, die in den Beziehungen zu den USA aufgetaucht sind. Es wird anscheinend einen betont freundlichen Empfang geben, doch den Amerikanern werden wohl unbequeme Fragen gestellt“, so der Experte.

Die allgemeine Atmosphäre würde beim Treffen betont positiv sein. Alle verstehen sehr gut, dass sie sich in einem Boot mit den Amerikanern befinden. Die jetzige Situation ermöglicht es den Europäern nicht, Pirouetten in andere Richtungen zu drehen; sie können sich eine Zuspitzung nicht leisten, so der Experte.

„Die EU will die USA zum Verzicht auf Protektionismus bewegen“, sagte der Chef des Brüsseler Büros des analytischen Zentrums Open Europe, Peter Kleppe. „Dies würde wohl funktionieren angesichts der Tatsache, wie sich Trump zu dieser Frage verhält. Jetzt ist seine Administration sogar bereit, die Gespräche zum TTIP wiederaufzunehmen. Merkel kritisiert Trump weiter für seinen Verzicht auf das Klimaabkommen, obwohl es in Europa andere Befürchtungen in Bezug auf Alleingänge gibt, angesichts der Tatsache, dass beispielsweise China im Laufe der nächsten 15 Jahre in großem Umfang von entsprechenden Verpflichtungen befreit ist. Hätte Russland Trump bei dieser Frage unterstützt, müsste auch Merkel die Klimaverpflichtungen Europas lockern“, so der Experte.

 

Quelle: Sputnik