Zu einer richtigen Sensation wurde der jüngste Bericht des US-Militärnachrichtendienstes (DIA) über die „Militärstärke Russlands“, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

In dem Dokument werden die erfolgreichen Militärreformen in Russland analysiert.

Diese Ereignisse haben eine lange Vorgeschichte: Nach dem Zerfall der Sowjetunion mit Russland als Rechtsnachfolger bemühte sich der Westen um die Wegnahme der russischen Hoheitsgewässer und mehrerer Inseln in der Arktis, die der UdSSR gehört hatten. Zudem verlor Moskau jede Menge Waffen, Militärtechnik und andere Rüstungen, die es quasi den früheren Sowjetrepubliken überließ. Gleichzeitig weigerten sich diese, die Schulden der Sowjetunion zu begleichen, so dass diese Aufgabe ebenfalls Russland übernehmen musste. Weiter wurde unter „Kontrolle“ des IWF die russische Industrie regelrecht vernichtet, so dass sich Moskau wirtschaftlich nur auf seine Rohstoffe verlassen konnte.
Auch die russischen Streitkräfte, die in diesen Jahren ihre Schlagkraft größtenteils einbüßten, litten darunter. Diesen Preis musste der Kreml für das „Privileg“ bezahlen, von Washington als „guter Kerl“ bezeichnet zu werden. Und jegliche Versuche Moskau, selbstständig zu handeln, verärgerten den Westen.

Der Wiederaufbau der russischen Armee begann erst mit der Ernennung Sergej Schoigus zum Verteidigungsminister. Bis dahin hatte die DIA kein Interesse an der russischen Militärkraft gezeigt, die die Amerikaner für verfallen und kampfunfähig hielten. Kennzeichnend ist, dass der bislang letzte DIA-Bericht noch der Militärkraft der Sowjetunion gewidmet war. Diesmal schrieb DIA-Chef Vincent Stewart im Vorwort höchstpersönlich: „In den kommenden zehn Jahren kann Russland selbstsicherer und effizienter werden.“

In dem Bericht gibt es allerdings etliche Mängel: Viele Schlüsse ziehen die Amerikaner fehlerhaft, weil sie Russland nach ihren veralteten Vorstellungen bewerten. Unter anderem glauben sie beispielsweise, dass sich die russische Armee „auf die Militärdoktrin, die Organisationsstruktur und das Potenzial der ehemaligen Sowjetunion stützt und immer noch ziemlich alte sowjetische Militärtechnik einsetzt“. Allerdings haben die Russen „ihre Militärstrategie, Doktrin und Taktik modernisiert, indem sie sie durch die Bestimmungen bezüglich der Verwendung von asymmetrischen Waffen, insbesondere von Cybersystemen und indirekten Handlungen, vervollkommnet haben, die wir in der Ukraine beobachten.“ Diese Behauptungen sind teilweise durchaus objektiv, teilweise aber auch aus den Fingern gesogen.
Doch im Allgemeinen schätzt die DIA Russlands wachsende Militärstärke objektiv ein. Unter anderem heißt es in dem Bericht:

„Russland bemüht sich um die Überwindung seiner Abhängigkeit von den Atomwaffen und entwickelt zu diesem Zweck seine nichtnuklearen Streitkräfte, nimmt moderne hochpräzise lenkbare Munition in die Bewaffnung, baut das Potenzial seiner konventionellen Kräfte aus und modernisiert zugleich seine Atomwaffen, so dass seine Armee möglichst ausbalanciert wird.“

Die Amerikaner heben die Entschlossenheit des Kremls hervor, seine geopolitischen Ziele zu erreichen. So ist es laut dem Bericht „Moskaus langfristiges Ziel, eine Armee aufzubauen, die zur Teilnahme an ganz verschiedenen Konflikten fähig wäre, von lokalen und regionalen Konflikten bis zum strategischen Krieg, der zum Abtausch mächtiger Atomschläge führen könnte.“ Das ist aber wohl ein „Argument“, um das Weiße Haus und das Kapitol von der „russischen Gefahr“ zu überzeugen und zusätzliche Finanzmittel für die US-Streitkräfte zu verlangen.

 

Quelle: Sputnik